Börse am Nachmittag MLP schmiert wieder ab
Frankfurt am Main/New York - Bei geringen Umsätzen hat sich der deutsche Aktienmarkt am Montag nur geringfügig verändert gezeigt. Der Handel sei von Nervosität geprägt, berichteten Aktienhändler in Frankfurt übereinstimmend. Neue Sorgen über einen möglichen Irak-Krieg und entsprechend steigende Ölpreise hielten die meisten Anleger von der Börse fern.
Der Dax gab bis 16 Uhr um 0,6 Prozent auf 3340 Punkte nach. Deutliche Abschläge von durchschnittlich zwei Prozent verbuchten die Nebenwerte und drückten den MDax auf 3108 Zähler. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 auf 421 Punkte, ein Minus von einem Prozent.
In den USA präsentierten sich die Börsen im frühen Handel unentschlossen. Der Dow Jones notierte nach einer halben Handelsstunde auf 8343 Punkten, ein Plus von 0,4 Prozent. Der Nasdaq verlor um 0,4 Prozent auf 1286 Zähler.
"Das ist eine technische Reaktion, nachdem Bayer am Freitag überproportional unter Druck gestanden hat", erklärte Analyst Oliver Schwarz von der Baden-Württembergischen Bank den Bayer-Kursverlauf. Sowohl er als auch Analyst Alexander Kachler von Merck Finck & Co. sehen im dem Anteilsverkauf an die zur Altana gehörende BYK-Chemie GmbH höchstens einen geringen Kaufanreiz für die Bayer-Aktie. "Ein Auslöser zum Kaufen ist das nicht", sagte Schwarz und Kachler sieht den Verkauf eher als "symbolisch bedeutungsvoll". "Damit signalisiert Bayer, dass der Verkauf von Unternehmensanteilen wie geplant weiter geht", sagte er. Nach Ansicht von Analyst Kachler ist die Aktie "nach unten hin ausgereizt". Für all jene, die auf bessere Zeiten setzten und das Vertrauen hätten, dass das Management die noch bestehenden Probleme im Konzern (Partnersuche für den Chemie- und Pharmabereich) lösen werde, habe Bayer derzeit ein "attraktives Kursniveau."
Spekulationen belasten MLP
Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP umgaben teils wilde Spekulationen, die den Kurs stark belasteten und den Wert bis auf die letzte Dax-Position drückten. Die angebliche Erpressung des vor kurzem entlassenen Vorstands Dorian Simon ließ das Papier zuletzt um 6,9 Prozent auf 11,80 Euro einbrechen. Der Ex-Spitzenmanager soll gestanden haben, von seiner Geliebten - einer Londoner Investmentbankerin - erpresst worden zu sein und ihr brisante interne Daten aus dem Unternehmen mitgeteilt zu haben.
Deutlich im Minus notierten auch die Aktien der Münchener Rück , die um 4,7 Prozent auf 155,40 Euro verloren. DEKA-Fondsmanager Bernd Kiegler sagte, angesichts der einbrechenden Aktienmärkte hätten die Versicherer einen hohen Kapitalbedarf. "Die Aktien der Versicherer entwickeln sich schlechter als der Markt, weil die Investoren Kapitalerhöhungen befürchten." Allianz-Aktien verloren mehr als zwei Prozent und unter die Marke von 99 Euro.
Cook drückt TUI ins Minus
Belastet von negativen Nachrichten aus der Tourismusbranche haben TUI-Aktien um über zwei Prozent auf 19 Euro verloren. Händler verwiesen auf negative Äußerungen des Mitbewerbers Thomas Cook. Nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden Stefan Pichler dauert die aktuelle Krise der Tourismuswirtschaft auch noch 2003 an. "Solche Aussagen belasten auch die TUI-Aktie", sagte ein Frankfurter Börsianer.
Außerdem dürfte eine Klage des US-Investors Guy Wyser-Pratte gegen TUI den Kurs nach unten drücken, sagten Händler. Die Großaktionär bei Babcock Borsig klagt in New York gegen TUI sowie mehrere Babcock-Manager wegen des HDW-Verkaufs.
Escada nach Zahlen gefragt, MobilCom-Aktie schießt in die Höhe, Euro unter 0,97 Dollar gefallen
Escada nach Zahlen gefragt
Der Damenmode-Konzern Escada hat in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres 2001/02 den Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 72 Prozent gesteigert. "Die Zahlen sehen gut aus", sagte ein Händler. Bei sehr dünnen Umsätzen legten die im MDax notierten Titel um 3,2 Prozent auf 16 Euro zu. Analyst Jörg Philipp Frey von Sal. Oppenheim sagte: "Meine größte Sorge ist, dass wir keinen Hinweis auf eine Verbesserung im Luxusgütermarkt erhalten." Die Geschäftszahlen seien im Rahmen der Erwartungen ausgefallen.
Lichtblick beflügelt MobilCom-Aktie
Am Neuen Markt stand die MobilCom-Aktie im Fokus der Börsianer. Nach der vorläufigen Rettung ist der Aktienkurs des Telefonunternehmens dramatisch in die Höhe geschossen. Zuletzt wurde die Aktie bei 3,22 Euro um 188 Prozent fester gehandelt. Am Sonntag hatte die Bundesregierung einen Überbrückungskredit in Höhe von 400 Millionen Euro für MobilCom vermittelt. Damit konnte die Insolvenz abgewendet werden, die durch den Rückzug des Großaktionärs France Telecom in eine akute Finanzkrise geraten war.
Mit dem Überbrückungskredit könne die drohende Insolvenz abgewendet werden, sagte Analyst Klaus Baumann von SES Research. Allerdings sei das auf der dritten Mobilfunkgeneration (UMTS) beruhende Geschäftsmodell auch mit den staatlichen Kreditzusagen nicht lebensfähig. MobilCom sei entgegen der Einschätzung von Wirtschaftsminister Werner Müller und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) kein "im Kern gesundes Unternehmen", ergänzte Baumann.
Biotechaktien deutlich unter Druck
Bei sämtlichen anderen Aktien am neuen Markt blieben die Umsätze klar unter dem Durchschnitt zurück, hieß es. Biotechnologieaktien wie Evotec , GPC Biotech oder Rhein Biotech bildeten den Boden im Nemax 50 und gaben zwischen acht bis 13 Prozent nach.
Das US-Internetunternehmen FortuneCity.Com hat bei der Deutschen Börse die Notierung seiner Aktien am Geregelten Markt beantragt. Zuvor habe die Deutsche Börse einen Ausschluss des Titels aus dem Neuen Markt angekündigt, teilte die Onlineplattform am Montag in New York mit. Grund für den Ausschluss vom Neuen Markt sei die geringe Marktkapitalisierung sowie der niedrige Kurs der Aktie. Die Deutsche Börse hatte den Ausschluss allerdings vorübergehend ausgesetzt. Die Papiere werden laut FortuneCity.com voraussichtlich ab dem 4. Oktober nicht mehr am Neuen Markt gehandelt. Die Anteilsscheine gaben bei unbedeutenden Umsätzen um elf Prozent auf 0,08 Euro nach.
Euro unter 0,97 Dollar gefallen
Der Kurs des Euro ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9683 (Freitag: 0,9810) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0327 (1,0194) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6280 (0,6286) britische Pfund, 118,30 (117,94) japanische Yen und 1,4684 (1,4679) Schweizer Franken fest.
Feiertag in Japan
Die Börse in Tokio hatte zum Wochenauftakt auf Grund des japanischen Nationalfeiertags geschlossen.