Börse am Nachmittag Nasdaq in kritischer Verfassung
Frankfurt am Main - Negative Kommentare von Goldman Sachs und der CSFB lasten auf Software- und Technologietiteln. Die US-Produzentenpreise sind im Juli mit 0,9 Prozent so stark gefallen wie seit 1993 nicht mehr. Damit sinkt das Inflationsrisiko, was wiederum der US-Notenbank mehr Spielraum für weitere Zinssenkungen gibt.
Nasdaq sehr schwach
Doch die Zinsphantasien nützen nichts: Der Dow Jones baute bis 16.30 Uhr seine Verluste auf 0,9 Prozent aus, während der Nasdaq Composite sogar zwei Prozent auf 1923 Punkte nachgab. Die Nasdaq hat bislang sechs Tage in Folge verloren. Bei 1950 Punkten wurde eine charttechnische Unterstützungsmarke nach unten durchbrochen.
Der Dax baute bis 16.30 Uhr sein Minus auf 1,9 Prozent und 5407 Punkte aus. Die massiven Verluste bei der T-Aktie und bei Infineon drücken den Index. Die Wachstumswerte im Nemax 50 halten sich mit einem Minus von 1,4 Prozent auf 1106 Zähler noch vergleichsweise wacker.
Zuletzt verlor die T-Aktie sieben Prozent auf 18,88 Euro. Händler machen das Auslösen von Stopp-Loss-Verkaufsorders dafür verantwortlich, dass die Aktie nach ihrem tiefen Fall und dem Unterschreiten der 20-Euro-Marke bei hohen Umsätzen weiter nachgab. Der Ausgabepreis der T-Aktie im Jahr 1996 lag bei umgerechnet 14,57 Euro.
Belastet wurde das Papier durch weitere negative Analystenkommentare. So hat das Investmenthaus UBS Warburg die T-Aktie auf "Halten" heruntergestuft. Zuvor hatte die Bank den Wert mit "Buy" bewertet. Das Kurziel senkten die Experten von bisher 44 Euro auf 23 Euro.
Telekom im Clinch mit Deutscher Bank
Unterdessen erwägt die Telekom angesichts des umstrittenen Aktien-Verkaufs durch die Deutsche Bank juristische Schritte. "Wir werden die Transaktion rechtlich überprüfen", sagte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek am Freitag. Sollte sich dabei ein Fehlverhalten der Deutschen Bank herausstellen, könne dies Konsequenzen für die geschäftlichen Beziehungen beider Häuser haben.
Technologiewerte deutlich schwächer
Infineon rauschten mit Verlusten von 6,5 Prozent auf 23,65 Euro in den Keller. Gegen Mittag hatte die Aktie noch mit mehr als einem Prozent im Plus gestanden. SAP mussten Abschläge von 1,81 Prozent auf rund 157 Euro hinnehmen. "Grund für die Verluste ist neben einem schwachen Gesamtmarkt eine Studie von Goldman Sachs", erläuterte ein Händler.
Die Analysten des Investmenthauses hatten Aktien aus dem Hardware- und Netzwerkausrüster-Segment in ihrem europäischen "Recommended Portfolio"-Musterdepot untergewichtet. Zwar sei Infineon in der Studie nicht explizit erwähnt worden, aber in der derzeitigen Marktsituation reichten auch die allgemeinen Aussagen aus.
Adidas führt Dax an
Gefragt waren defensive Titel. Die Aktien des Sportherstellers Adidas-Salomon führten mit einem Plus von 3,5 Prozent auf 75 Euro am Nachmittag den Dax an. Das Unternehmen hatte am Morgen Gerüchte über eine Kapitalerhöhung dementiert. Die WestLB erhöhte das Kursziel für die Papiere auf 79 Euro und bewertete besonders die Umsatzentwicklung in Europa positiv.
Atempause für Bayer
Bayer pendelten um ihr Vortagesniveau bei knapp 37 Euro. Die Investmentbank Merrill Lynch hat die Bayer-Aktien angesichts des geplanten Kostensenkungsprogramms kurzfristig von "reduzieren" auf "neutral" hochgestuft.
Neuer Markt: Consors legt zu
Die Direktbank Consors, die Anfang kommender Woche Halbjahreszahlen vorlegen wird, stieg um knapp sechs Prozent auf 15 Euro. Am Neuen Markt zählten auch die Aktien der Biotechnologieunternehmen Evotec (plus 2,6 Prozent) und Qiagen (plus 3,2 Prozent) zu den Gewinnern. Am Vortag hatte US-Präsidenten George W. Bush entschieden, die Stammzellenforschung durch US-Mittel zu unterstützen.
Mobilcom stiegen am Tag nach Vorlage ihrer Zahlen um 2,7 Prozent auf 15,40 Euro an. Der Telekomkonzern will bereits Mitte 2002 mit UMTS in Deutschland starten, sagte Vorstandschef Gerhard Schmid dem "Hamburger Abendblatt".
Euro steigt weiter
Der Kurs des Euro ist am Freitag weiter gestiegen. Am Nachmittag wurde er für 0,8941 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8936 (Donnerstag: 0,8853) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1887 (2,2092) Mark.