Börse am Nachmittag Nemax unter 600 Punkten
New York / Frankfurt am Main - Die Angst vor weiteren Gewinnwarnungen treibt die US-Börsen weiter nach unten. Der Dow Jones gab bis 16.50 Uhr um 0,6 Prozent auf 9196 Zähler nach, der Nasdaq Composite fiel 0,8 Prozent auf 1429 Punkte. Die Börsen in New York fallen bereits seit fünf Wochen in Folge. In Frankfurt bauten Dax und Nemax ihre Verluste am Nachmittag aus: Der Dax fiel um 2,5 Prozent auf 4128 Punkte, während der Nemax 50 mit einem Verlust von 4,2 Prozent die Marke von 600 Punkten nach unten durchschlug.
Anleger zittern vor der Gewinnwarnungssaison. "Zurückhaltende Prognosen und schlechte Unternehmensnachrichten belasten weiter die Kurse", sagte ein Händler in New York. Die Investmentbank Goldman Sachs hat zum Beispiel die Schätzungen für den Softwareriesen Siebel deutlich reduziert: Siebel gab zum Börsenstart rund drei Prozent ab. Auch der deutsche Anbieter von Unternehmenssoftware, SAP , rauschte weiter in den Keller.
Viele Marktexperten halten US-Aktien jedoch noch immer für überteuert. So gewichtet die Fondsgesellschaft Fidelity Investments die US-Börsen nach eigenen Angaben leicht unter. Zu den belastenden Faktoren zählen die Experten den schwächelnden US-Dollar. Auch wenn die Produktiviät in Nordamerika stark gestiegen sei, belasten erneute Zweifel über die korrekte Buchhaltung von US-Unternehmen. Viele Investoren warten außerdem auf das Ergebnis der Notenbanksitzung am Mittwoch und halten sich mit Engagements zurück.
Die schlechte Börsenstimmung sorgt auch dafür, dass positive Nachrichten ungehört verpuffen. Der Chiphersteller Intel notierte nahezu unverändert, obwohl das Unternehmen am Montag fünf neue Chips auf den Markt gebracht hat und einen recht optimistischen Ausblick gegeben hat. Die umsatzstärkste US-Drogerie-Kette Walgreen wird am Montag noch vor Börseneröffnung das Ergebnis für das dritte Quartal bekannt geben. Analysten erwarten ein Anstieg des Ergebnisses pro Aktie (EPS) von 21 auf 25 Cent verglichen mit einem Jahr zuvor. Behauptet starteten die Biotech-Unternehmen BioMarin Pharmaceutical und Genzyme in den Handel. Ein gemeinsames Medikament hat nach Unternehmensangaben in Forschungsstudien positive Wirkungen erzielt.
Dax im Tiefenrausch
Der Dax baute nach Eröffnung der US-Börsen seine Verluste aus und notierte zuletzt 3,1 Prozent schwächer bei 4105 Punkten. Anleger werfen vor allem Papiere der Technologiewerte, der Versicherer und der Finanzkonzerne aus den Depots.
Die Aktie des Münchener Finanzkonzerns Allianz gab zeitweise mehr als fünf Prozent ab, konnte sich zuletzt aber minimal erholen. Die Aktie notiert unter 185 Euro. Händler begründeten die Kursverluste damit, dass die Dresdner Bank möglicherweise 120 Millionen Euro Steuergelder an die Bundesrepublik Deutschland und den Freistaat Bayern zurückzahlen müsse. Auch spielen Befürchtungen eine Rolle, dass die Deutsche Bank nach dem Verkauf ihres Münchener Rück-Anteils nun auch ihre vierprozentige Beteiligung an der Allianz reduziert. Nach Angaben von Händlern sei dies eine Vorlage für Hedgefonds, die Allianz-Aktie im Vorfeld leer zu verkaufen.
Auch mit dem Kurs der Münchener Rück ging es weitere drei Prozent auf 215,15 Euro bergab. Im Handelsverlauf am Montag hatte die Aktie ein neues Jahrestief markiert. Auch die HypoVereinsbank und die Commerzbank gerieten unter die Räder. Die anhaltende Börsenschwäche belastet die Ergebnisaussichten der Finanztitel.
T-Aktie deutlich unter neun Euro, SAP fällt weiter
Auch für die Technologietitel ist es erneut ein schwarzer Tag. Die Aktie der Deutsche Telekom gab zuletzt drei Prozent ab und fiel um drei Prozent auf 8,77 Euro. Mit 8,70 Euro hatte das Papier gegen Mittag ein weiteres Allzeittief markiert. Die Verluste bei Epcos und Siemens schwankten zwischen zwei und drei Prozent, während SAP nach den schlechten Nachrichten für den US-Konkurrenten Siebel mit 3,5 Prozent Verlust auf 92,34 Euro rutschte.
Preussag -Aktien gehörten gemeinsam mit RWE und Fresenius zu den wenigen Gewinnern im Dax. Gerüchte, der Touristikkonzern werde gemeinsam mit Germania eine Billigfluglinie gründen, hatten der Preussag-Aktie zunächst deutlich ins Plus verholfen.
Autowerte gehörten auch am Montag zu den Verlierern: BMW , Volkswagen und DaimlerChrysler fielen jeweils zwischen zwei und drei Prozent. Vor allem die Dollar-Schwäche drückt auf die exportorientierten Titel.
Nemax 50 unter 600 Punkten
Neuer Markt im freien Fall
Nach dem Hinauswurf bei der Büdelsdorfer Mobilfunk-Firma MobilCom ringt Firmengründer Gerhard Schmid um ein lukratives Übernahme-Angebot. "Ich erwarte, dass France Telecom den in Deutschland geltenden Gesetzen entspricht und mir und den freien Aktionären ein vernünftiges Angebot unterbreitet", sagte Schmid der FTD. Der französische Telekom-Konzern will nach Informationen der Pariser Wirtschaftszeitung "Les Echos" je Mobilcom-Anteilschein zehn 10 Euro in Aktien bieten. Dagegen fordert Schmid 22 Euro in bar. Die Aktie stürzte unterdessen um weitere zehn Prozent ab und notiert unter neun Euro.
Auch die Aktie von Thiel Logistik gab nach einer kurzfristigen technischen Erholung zuletzt wieder zehn Prozent ab und fiel unter 4,30 Euro. Zu den wenigen Werten, die sich dem Abwärtstrend entgegen stemmen konnten, gehörten Medion und Qiagen mit Zugewinnen zwischen ein und zwei Prozent.
Euro nähert sich der Dollar-Parität
Der Euro ist am Montag im europäischen Devisenhandel zeitweise auf Kurse über 0,9807 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 27 Monaten gestiegen. Händler sprachen von einer anhaltend schlechten Stimmung für den Dollar im Zuge der US-Aktienmarktschwäche. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 0,9787 Dollar.