Börse am Nachmittag New York säuft ab
Frankfurt am Main Die amerikanischen Aktienmärkte haben erwartungsgemäß schwach eröffnet. Der Dow Jones fiel zunächst um 0,9 Prozent auf 9617 Zähler. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, rutschte angesichts der nach Börsenschluss veröffentlichten Gewinnwarnungen von Technologiekonzernen zunächst um 1,4 Prozent auf 1521 Zähler ab.
Der Chipproduzent AMD und der Computerkonzern Apple hatten am Vorabend ihre Geschäftsprognosen für das laufende Quartal gesenkt. Apple fielen zu Handelsbeginn um 14 Prozent, auch AMD gaben kräftig nach. Der Softwarehersteller Oracle erwartet zudem für das laufende Quartal einen Rückgang beim Gewinn.
Die deutschen Aktienmärkte hatten die schlechten Nachrichten aus den USA am Mittwoch bereits mit kräftigen Kursverlusten vor allem bei Technologiewerten zum Teil verarbeitet. Der Dax notierte gegen 15.50 Uhr mit 2,3 Prozent auf 4342 Zähler im roten Bereich. Am Neuen Markt war der Auswahlindex Nemax 50 gegenüber den Mittagsstunden weiter abgerutscht und verlor zuletzt rund vier Prozent auf 654 Punkte.
Die Verliererliste im Dax wurde von Technologiewerten angeführt. Infineon-Titel brachen 6,4 Prozent auf 15,73 Euro ein. Die Meldung, dass die Kosten bei Speicherchips schneller als geplant gesenkt würden, gehe angesichts der Gewinnwarnung von AMD unter, sagt ein Händler.
Epcos-Aktien rutschten um 3,6 Prozent auf 34 Euro ab. Die Papiere des Herstellers elektronischer Bauelemente wurden nach Angaben von Analysten wieder einmal unberechtigt in den großen "Halbleiterhut" geworfen. Die Papiere von Siemens sanken um mehr als drei Prozent auf 59,15 Euro, SAP verloren ebenfalls mehr als drei Prozent auf 101,80 Euro.
Die T-Aktie war zwischenzeitlich unter die Marke von zehn Euro gerutscht und verbuchte zuletzt einen Kursabschlag von 3,6 Prozent auf 10,02 Euro.
"Aktie Gelb" fällt auf Acht-Monats-Tief
Die Anteilsscheine der Deutschen Post verloren 2,3 Prozent auf 13,30 Euro, nachdem aus Kommissionskreisen verlautete, dass Brüssel die Post zur Rückzahlung verpflichten werde. Der Tagestiefstand von 13,20 Euro - noch vor Bekanntwerden der Kommissions-Entscheidung erreicht war der niedrigste Preis seit September vergangenen Jahres.
Die Aktien der HypoVereinsbank standen deutlich unter Druck und verloren rund drei Prozent auf 31,70 Euro. Börsianer erklärten die hohen Abgaben mit einer Analyse von ING Barings.
Das Investmenthaus hatte sein Kursziel für die HVB-Aktie von 44 Euro auf 40 Euro nach unten geschraubt. Damit habe sein Haus auf die anhaltend schwache Wirtschaft in Deutschland reagiert, begründete ING Barings Analyst Volker von Kruechten. Seine Einstufung mit "Kaufen" behielt der Experte dennoch bei. Neben dem gesenkten Kursziel gebe es keine schlechten Meldungen, die HVB belasten könnten, sagte ein Händler. "Im Gegenteil: Die Konkurrenten haben Probleme beim Aufbau, was gut für die Hypo ist", sagte der Börsianer. Positiv wertete er auch ein Interesse der Hypo-Tochter Bank Austria an der größten rumänischen Bank Banca Comerciale Romana. "Darauf achtet der Aktienmarkt aber gar nicht, weil die Stimmung einfach mies ist", sagte der Händler.
Münchener Rück gleicht Vortagsverluste aus
Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählte das Papier der Münchener Rück mit einem Plus von 2,3 Prozent auf 224 Euro. Das Papier hatte am Vortag nach Gerüchten über eine Platzierung von rund acht Millionen Münchener-Rück-Aktien durch die Deutsche Bank mehr als vier Prozent verloren.
Lufthansa mit optimistischer Prognose
Die Aktien der Lufthansa haben sich auf Grund einer optimistischen Geschäftsprognose gut behauptet. Die Anteilsscheine der größten deutschen Fluggesellschaft notierten mit 14,04 Euro in der Dax-Spitze in etwa auf dem Vortageskurs, nachdem sie bereits schon mit rund einem Prozent im Plus gestanden hatten.
Die Lufthansa peilt 2002 ein deutlich höheres Ergebnis an. Erwartet werde ein operativer Gewinn von 400 Millionen Euro, teilte der Konzern am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Köln mit. Im Krisenjahr 2001 war der operative Gewinn auf 28 Millionen Euro geschrumpft nach 1,04 Milliarden Euro im Jahr. "Das neue Ziel für den operativen Gewinn liegt über dem, was Analysten prognostizieren", sagte der Händler einer großen europäischen Bank. Sein eigenes Institut erwarte lediglich ein operatives Ergebnis von 350 Millionen Euro. Die Prognose hat nach Händlerangaben die Sorgen über die wachsende Konkurrenz so genannter Billigflieger überlagert. Nach den Konkurrenten Ryanair und EasyJet will auch die Billigfluggesellschaft Buzz stärker in den deutschen Markt.
Cargolifter und WCM im Aufwind Neuer Markt am Boden
Rettung für Cargolifter?
Im MDax notierte Aktie von Cargolifter verzeichnete Kursaufschläge von zuletzt rund elf Prozent auf 1,13 Euro. Das Land Brandenburg hat dem insolventen Luftschiffbauer eine Soforthilfe von 4,15 Millionen Euro gewährt, mit der die Infrastrukturkosten des Luftschiffbauers vorerst gesichert sind.
Die WCM-Aktie kletterte um rund vier Prozent auf 7,44 Euro. Am Vortag war die Aktie eingebrochen, nachdem ein Investmenthaus aus der Schweiz eine negative Analyse herausgegeben hatte. WCM-Chef Roland Flach spricht von gezielter Manipulation und will gegen die United Zurich Finance AG eine Klage einreichen. Die Analyse sei geschäftsschädigend, sagte Maren Moisl, Sprecherin der Beteiligungsgesellschaft. Die WGZ-Bank hat am Mittwoch das Papier zum Kauf empfohlen.
Neuer Markt deutlich unter Druck
Am Neuen Markt sorgten die schlechten Unternehmensnachrichten für deutlichen Verkaufsdruck. Lediglich Mobilcom konnte sich mit Kursgewinnen von rund 2,5 Prozent auf 8,51 Euro gegen den Negativ-Trend stemmen. AT&S kletterten um rund ein Prozent auf 10,70 Euro.
Aktien von ACG verloren mehr als sechs Prozent auf 3,05 Euro. Der Chip- und Chipkartenhändler will sich noch in diesem Jahr von seiner Produktion von Smartcards trennen. "Das Ziel ist ein Verkaufspreis von 40 Millionen Euro", sagte Vorstandschef Cornelius Boersch der "Financial Times Deutschland". Zwei Investmentbanken seien mit dem Verkauf beauftragt.
Morphosys-Titel waren am Nachmittag mit mehr als vier Prozent auf 21,15 Euro in die Verlustzone gerutscht. Das Biotech-Unternehmen hat ein europäisches Patent für seine Antikörper-Bibliothek HuCAL erhalten, wie die Gesellschaft am Mittwoch in Martinsried mitteilte. Sowohl in den USA als auch in Australien seien bereits HuCAL-Patente erteilt worden. Zusätzliche Teilanmeldungen seien derzeit noch in verschiedenen Ländern anhängig.
Dagegen führte Suess Microtec mit einem Verlust von rund elf Prozent auf knapp 17 Euro die Liste der Verlierer im Nemax 50 an.
Weniger Aktienoptionen auch bei T-Online
Die Anteilsscheine von T-Online verbilligten sich um knapp vier Prozent auf 8,50 Euro. Die Führungskräfte der Telekom-Tochter erhalten in diesem Jahr 40 Prozent weniger Aktienoptionen als im Vorjahr, bestätigte das Unternehmen eine Meldung von "Focus Money". Erst am Vortag teilte die Telekom mit, dass der Vorstand dieses Jahr auf die Zuteilung von Aktienoptionen verzichte.
Euro deutlich über 95 Cent
Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9561 (Dienstag: 0,9484) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0459 (1,0544) Euro. Zuletzt kletterte die Gemeinschaftswährung auf 0,9566 Dollar.
Der Euro profitiere von der Unsicherheit an den Aktienmärkten in den USA, sagten Händler. Die europäische Währung dürfte im Verhältnis zum Dollar so lange weiter zulegen, bis die Zweifel an der Bilanzierungspraxis in den USA und die Unsicherheit über die künftige Wirtschaftsentwicklung ausgeräumt seien, sagte Devisen-Experte Takashi Fujieda bei der Mizuho Asset Trust Bank.