Börse am Nachmittag Nur DaimlerChrysler glänzt
Frankfurt am Main - Die Verluste an den deutschen Aktienmärkten haben sich zum frühen Nachmittag ausgeweitet. Der Nasdaq Future stand mit rund drei Prozent im Minus und ließ für 15.30 Uhr einen sehr schwachen Handelsauftakt der Technologiebörse erwarten. Die Hiobsbotschaften von Microsoft, Nortel Networks, Gateway und die pessimistische Einschätzung zum weltweiten Handygeschäft von Ericsson zeigten damit weiter ihre Wirkung.
Trotz guter Quartalszahlen von DaimlerChrysler lag der Dax gegen 14.30 Uhr mit 1,9 Prozent auf 5718 Zählern im Minus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 fielen unter die Marke von 1100 Zähler und rutschten mit mehr als sechs Prozent weiter ab. Ebenso testete der marktbreitere Nemax All Share ein neues Jahrestief nach dem anderen. Mit MB Software stand am Neuen Markt der nächste Pleitekandidat fest. Das Unternehmen ist zahlungsunfähig und hat Insolvenantrag gestellt.
DaimlerChrysler waren heute im Dax der einzige Lichtblick. Der Autobauer hat die Erwartungen übertroffen und ist wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Die Aktie stand mit Kursaufschlägen von 1,24 Prozent auf knapp 57 Euro an der Spitze des Dax. Dahinter gab es nur noch Verlierer.
Technologiewerte im Dax standen weiter unter Druck. Infineon stemmte sich dabei mit Kursabschlägen von knapp einem Prozent auf 26,35 Euro noch am besten gegen den Abwärtstrend. Siemens verloren 3,20 Prozent auf 59,79 Euro. Epcos gaben 1,32 Prozent auf 53,52 Euro nach.
Das insgesamt schwache Marktumfeld für Technologiewerte sowie Gewinnmitnahmen drückten die Aktien von SAP mit 3,77 Prozent auf 153 Euro ins Minus. Das Papiere hatte nach hervorragenden Geschäftszahlen gestern mit mehr als elf Prozent im Plus geschlossen.
Schering-Aktien leiden unter Studie
Schwächste Werte im Dax waren die Aktien von Schering und der HypoVereinsbank. Die Aktien der HypoVereinsbank verbilligten sich um 5,84 Prozent auf knapp 50 Euro. Das Investmenthaus Goldman Sachs hat die Gewinnprognosen für das Geldinstitut drastisch gesenkt. So erwarten die Analysten für 2001 nur noch einen Gewinn je Aktie (EPS) von 2,93 Euro, was 22,5 Prozent unter den ursprünglichen Schätzungen liegt. Für 2002 revidierten die Experten die Gewinnprognose um 19,8 Prozent auf 3,48 Euro je Aktie.
Schering verloren 4,2 Prozent auf 57,35 Euro. Einer niederländischen Studie zufolge sollen Empfängnis verhütende Mittel der dritten Generation Blutverklumpungen in den Venen fördern.
Dresdner Bank notierten mit Abschlägen von 3,43 Prozent auf 45 Euro ebenfalls am Dax-Ende. Das Papier wird am Montag von den Aktien des Finanzdienstleisters MLP ersetzt.
Nach der Bekanntgabe der Deutschen Börse am Freitagvormittag, Penny Stocks unter bestimmten Bedingungen vom Handel auszuschließen, gaben die Kurse der um einen Euro notierenden Papiere zum großen Teil zweistellig nach und zogen Nemax 50 und Nemax All Share auf neue Jahrestiefs. Insgesamt 15 Werte im Nemax All Share verzeichneten Verluste zwischen 15 und 22 Prozent.
Unter den im Nemax 50 versammelten Blue Chip des Neuen Marktes stand nicht ein Wert im Plus. Zu den großen Verlierern zählten die Aktien von ACG. Peter Bohn, Vorstandschef des Chipkarten-Spezialisten, ist von seinem Amt zurückgetreten. Das Papier reagierte zuletzt mit Abschlägen um zwölf Prozent auf 8,20 Euro. Softwaretitel wie Intershop und Brokat zeigten sich jeweils rund zwölf Prozent schwächer.
Der Telekom-Dienstleister MobilCom hat im zweiten Quartal weniger Neukunden gewonnen, den Anteil der als wertvoller betrachteten Vertragskunden allerdings gesteigert. Als Grund für den Rückgang führte das Unternehmen vor allem die gekürzten Handy-Subventionen an. Die Aktie verbilligte sich um vier Prozent auf 12,28 Euro.
Die Gerüchte um eine Übernahme der Brokat wurden von der Tageszeitung "Die Welt" wieder aufgewärmt. Branchenkenner würden davon ausgehen, dass das Softwareunternehmen im dritten Quartal einen dringend gesuchten Investor präsentieren könne. Die Aktien standen zuletzt dennoch mit 3,54 Prozent auf rund drei Euro im Minus.
Schlechte Nachrichten aus den USA
Mit wenig erfreulichen Nachrichten aus den USA müssen sich heute die Börsianer und Investoren in Deutschland befassen: Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft warnte während einer Analystenkonferenz nach US-Börsenschluss vor niedrigeren Gewinnen und Umsätzen für das laufende Quartal. Gateway meldete ein Ergebnis unter den Markterwartungen: Der Computerhersteller fuhr einen Verlust von zwei Cents pro Aktie ein, nach einem Gewinn von 36 Cents im Vorjahr. Auch Gateway sprach eine Gewinnwarnung aus.
Schließlich meldete mit Nortel Networks der weltweit größte Telekomausrüster einen Rekordverlust von 19,4 Milliarden US-Dollar. Es war einer der höchsten Verluste, den je ein nordamerikanisches Unternehmen verbucht hat. Der Computer- und Softwarekonzern Sun Microsystems hat im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2000/2001 (30. Juni) einen Verlust von 88 Millionen Dollar (197 Millionen Mark) verbucht gegenüber einem Gewinn von 720 Millionen Dollar in der Vorjahresvergleichszeit.
Die US-Börsen hatten in Erwartung der Quartalszahlen nach Börsenschluss einen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben. Der Dow Jones ging mit einem Plus von 0,38 Prozent auf 10.610 Punkte aus dem Handel. Die US-Technologiebörse Nasdaq gewann 1,5 Prozent auf 2047 Zähler.