Börse am Nachmittag Nur keine Euphorie
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte stehen am frühen Nachmittag weiter fest im Plus. Ein freundlich notierender Nasdaq Future (plus 0,7 Prozent) macht Hoffnung auf einen guten Handelsauftakt in New York. Gegen 14.35 Uhr stand der Dax mit rund einem Prozent im Plus auf 5810 Punkten. Wie weggewischt schienen die Warnungen einiger Händler vom Morgen, dass der Index keinesfalls unter die charttechnische Unterstützungslinie von 5650 Punkten fallen dürfe. Vor allem einer Rallye bei den Technologiewerten hatte der Dax seine seit Mittag andauernde Aufwärtsbewegung zu verdanken.
Die Wachstumswerte im Nemax 50 standen noch mit 3,8 Prozent auf 1240 Zähler im Plus. Vor etwa zwei Wochen sprachen technische Analysten von der Gefahr, der Index könne unter die Marke von 1000 Punkten rutschen. Heute Mittag wiederum wurden Stimmen laut, die einen Aufwärtstrend bis zu 1500 Zählern des Nemax 50 für möglich halten. Doch Händler warnen: "Die Kurssteigerung der letzten Tage ist bei den geringen Umsätzen nur eine technische Erholung", warnte ein Händler vor allzu viel Optimismus: "Es ist lediglich ein erster Versuch einer Bodenbildung". Bei den geringen Umsätzen hätten die Kurse derzeit kaum Aussagekraft.
Infineon gehörten mit Kursaufschlägen von 3,40 Prozent auf 29,78 Euro zu den größten Gewinnern im Dax. "Offenbar hat sich die Meinung verbreitet, dass man bei den Halbleiteraktien das Schlimmste erlebt hat. Der gegenwärtige Kurs wird nach den Hochstufungen der vergangenen Tage zum Einstieg genutzt", sagte Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck.
Die Papiere des Bauelemente-Herstellers Epcos kletterten um 3,48 Prozent auf 51,38 Euro und führten damit die Gewinnerliste an. Siemens verbesserten sich um 2,89 Prozent auf 63,38 Euro. Zuvor hatte sich die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein positiv zu dem Titel geäußert und räumte der Aktie gute Chancen ein, die charttechnische Widerstandslinie von 65,10 Euro zu knacken. Dass die Netzwerksparte offenbar kurz vor der Pleite steht, scheint die Investoren nicht zu stören.
SAP verteuerten sich um 2,28 Prozent auf knapp 163,75 Euro. Vor Bekanntgabe der Halbjahreszahlen Mitte dieser Woche steigerte sich die T-Aktie um 2,50 Prozent auf 25,79 Euro. Gefragt waren auch Chemie- und Pharmatitel: Bayer, BASF, Schering und Henkel legten im Schnitt rund zwei Prozent zu. Der Aufschwung im Dax stand also auf breiter Basis wenn auch dürftigen Umsätzen.
Unter Verkaufsdruck hatten zunächst Finanztitel gestanden, konnten aber ihre Verluste reduzieren. Das Investmenthaus Morgan Stanley hatte am Vormittag den europäischen Bankensektor auf "Underperform" herabgestuft. Größter Verlierer im Dax waren die Aktien des Finanzdienstleisters MLP, die sich um 3,30 Prozent auf 90 Euro verbilligte. Unter Analysten gilt die Aktie trotz der deutlichen Abschlägen seit dem Börsenstart immer noch als überbewertet.
Deutsche Bank, HypoVereinsbank und auch die Aktien der Commerzbank konnten ihre Verluste ausgleichen und pendelten in etwa um ihr Vortagesniveau.
Volkswagen litten unter Gewinnmitnahmen, konnten aber ihre Verluste auf minus 0,74 Prozent bei 52,34 Euro begrenzen. Die Aktien hatten am Freitag nach Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal zugelegt. Die Aktien von DaimlerChrysler standen mit 0,30 Prozent auf 56,61 Euro im grünen Bereich. Das Investmenthaus Merrill Lynch hatte am Morgen die Aktien von "Neutral" auf "Reduzieren" gestuft. Chrysler-Chef Dieter Zetsche hatte zudem in einem Interview erklärt, dass er auf nordamerikanischen Markt auch langfristig nur eingeschränkte Chancen für Diesel-Pkw sehe. Diese Nachrichten fanden bei den Investoren offenbar wenig Gehör.
Neuer Markt: Zocker treiben EM.TV an
Das krisengeschüttelte Medienunternehmen EM.TV hat seine Beteiligung an dem US-Medienkonzern Crown Media verkauft. Der Verkaufserlös betrage gut 200 Millionen Mark, einschließlich sonstiger vereinbarter Zahlungen erhalte EM.TV insgesamt 103 Millionen Dollar, teilte EM.TV mit. Mit dem Erlös solle der Schuldenberg verkleinert werden. Die Aktie führte die Gewinnerliste im Nemax 50 mit Kursaufschlägen von zuletzt rund 22 Prozent auf 3,79 Euro an. "Wie an den Vortagen ist das nur eine wilde Zockerei", sagte ein Händler. Auch durch den Vorstandswechsel in der vergangenen Woche habe sich fundamental noch nichts geändert. Die Quartalszahlen seien sehr schlecht gewesen: Zudem sei das Kerngeschäft, der Filmrechtehandel, komplett zusammen gebrochen.
Kinowelt gegen den Trend schwach
Gegen den Aufwärtstrend der Medienaktien ist die Aktie der Kinowelt gefallen. Während der Subindex Media und Entertainment-Aktien um 3,28 Prozent stieg, verloren die Kinowelt-Papiere knapp sechs Prozent auf 2,45 Euro. Händler begründeten dies mit Befürchtungen der Anleger, Kinowelt könnte schwache Quartalszahlen in dieser Woche vorlegen. Der Kursanstieg der Medienwerte sei auf die Kursrallye bei EM.TV zurückzuführen.
Die Halbjahreszahlen von Umweltkontor kamen bei den Investoren jedenfalls gut an. Sie weisen unter anderem eine Umsatzverdopplung gegenüber dem Vorjahr aus. Die Aktien stiegen zuletzt um 13 Prozent auf rund knapp 42 Euro und belegten damit einen Spitzenplatz im Nemax 50.
Bei Brokat dagegen nähert sich die Aktie allmählich ihrem Jahrestief von 1,86. Mit Abschlägen von 7,56 Prozent auf rund zwei Euro belegte die Aktie den letzen Platz im Nemax-50. Das Software-Unternehmen steckt in argen finanziellen Schwierigkeiten und rechnet im zweiten Quartal mit einem Nettoverlust von mehr als 800 Millionen Euro. Analysten sehen das Unternehmen am Rande der Pleite.