Börse am Nachmittag Rallye legt eine Pause ein
Frankfurt am Main Nach der Rallye vom Vortag haben die Aktienmärkte vorerst eine Ruhepause eingelegt. Der Dax hat seine Gewinne aus dem frühen Handel nahezu vollständig abgegeben und notierte gegen 16.30 Uhr bei 5276 Punkten, ein Plus von 0,3 Prozent. Am Neuen Markt hat der Nemax 50 sein Minus ausgebaut und verlor um 0,7 Prozent auf 1318 Zähler.
An der Wall Street eröffnete der Dow Jones unentschlossen und schwankte stark. Nach einer Handelsstunde notierte der Blue-Chip-Index nur knapp über der Vortagesschlusslinie bei 10.122 Punkten. Die Nasdaq hielt sich ebenfalls nur knapp im grünen Bereich, ist im Verlauf aber schon mehrmals ins Minus gerutscht.
Vor Börseneröffnung gab das US-Arbeitsministerium enttäuschende Wirtschaftsindikatoren bekannt. Die Produktivität der Amerikaner ist im dritten Quartal nur noch mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent gestiegen. Eine frühere Schätzung war von 2,7 Prozent ausgegangen. Die Schlangen in den Landesarbeitsämtern sind in der vergangenen Berichtswoche erheblich kürzer geworden. Die Zahl neuer Antragsteller auf Arbeitslosenunterstützung fiel zwar um 18.000 auf 475.000. Experten hatten jedoch mit einen Rückgang auf 459.000 gerechnet.
In Frankfurt ist die Entscheidung der EZB, die Leitzinsen unverändert zu belassen, bereits erwartet worden und hatte keine Auswirkungen auf den Handel. Leichten Druck übten dagegen die deutschen Konjunkturdaten aus. Demnach ist der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im Oktober 2001 gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 0,9 Prozent gesunken. Analysten hatten im Durchschnitt einen Anstieg von 0,5 Prozent erwartet. Auf Jahressicht nahm der Auftragseingang im Oktober 2001 um 6,5 Prozent ab. Die Prognosen lagen hier bei minus 7,5 Prozent.
Finanzwerte machen das Rennen
In der Dax-Gewinnerliste standen die Aktien von MLP ganz oben. Die Papiere kletterten um über zwei Prozent auf 84,73 Euro. Zuvor hatte die Berenberg Bank die Titel zum Kauf empfohlen und ein Kursziel von 114 Euro ausgegeben. Ebenfalls freundlich präsentierte sich die Deutsche Bank . Mit einem Kursaufschlag von 1,8 Prozent auf 76,76 Euro notierte die Aktie deutlich fester. Die Rivalen Commerzbank und HypoVereinsbank hielten sich ebenfalls im Plus.
Die Technologiewerte litten zum Teil unter heftigen Gewinnmitnahmen und schwankten im Tagesverlauf stark. Infineon-Papiere verloren zuletzt rund 2,6 Prozent auf 27,52 Euro. In den vergangen beiden Handelstagen hatten die Anteilsscheine jedoch rund 25 Prozent zugelegt. Die SAP-Aktie rutschte trotz positiver Analystenkommentare von der Deutschen Bank und von Merrill Lynch um 2,2 Prozent auf 152,61 Euro. Siemens und Epcos behaupteten sich und notierten nahezu unverändert.
Lufthansa-Titel gaben auf 15,55 Euro nach, ein Minus von vier Prozent. Die Fluglinie wird eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro begeben. Dadurch sollten kurzfristige Verbindlichkeiten refinanziert werden, teilte die Fluggesellschaft am Donnerstagmorgen mit. Die Wandelschuldverschreibung laufe über zehn Jahre. Das Bezugsrecht für Altaktionäre werde nach einem entsprechenden Beschluss des Aufsichtsrats ausgeschlossen. Experten beurteilten die Wandelanleihe als eine versteckte Kapitalerhöhung.
Neuer Markt: Comdirect und Consors an der Spitze
Im Nemax 50 erholten sich Consors von ihren Vortagesverlusten und stiegen um 3,1 Prozent auf 9,84 Euro. Der Vorstandsvorsitzende des Online Brokers, Karl Matthäus Schmidt habe vom neuen Chef der Schmidt Bank, Paul Wieandt, die Zusicherung erhalten, dass Consors nur als Ganzes verkauft werde. Das sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Allerdings seien die Verkaufsgespräche unterbrochen, die aber nun wieder aufgenommen werden sollen. Als Interessenten für Consors würden derzeit die Postbank und der französische Online Broker Fimatex gehandelt. Ein Verkauf sei bis Ende Dezember nicht auszuschließen, hieß es weiter.
Die übrigen Online Broker entwickelten sich am Morgen unterschiedlich. Bei Comdirect scheinen die Anleger nach wie vor den Kundenzulauf zu honorieren. Das Unternehmen habe in den zwei Wochen seit dem 16. November 1500 neue Kunden gewonnen, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die Aktie gewann zuletzt rund fünf Prozent auf 12,96 Euro und war damit weiter Spitzenreiter im Nemax 50. Die DAB Bank lag mit vier Prozent auf 14,70 Euro im Minus.
Deutlich unter Druck stand die Aktie von Teleplan , die 5,9 Prozent auf 18,05 Euro verlor. Ein an der Börse bekannt gewordener Verkauf von annähernd zwei Millionen Aktien durch den Vorstandschef des Unternehmens hatte den Kurs belastet. "Obwohl der Handel außerhalb der Börse stattgefunden hat, bekam ein Börsianer Wind davon - und petzte. So etwas belastet natürlich den Aktienkurs, denn das Vertrauen der Börse ist erst einmal weg," sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer bestätigte diesen Grund: "Ich habe auch davon gehört und der Verkauf dürfte auch der Grund für den Kursrutsch sein."
Kurs des Euro gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8889 (Mittwoch: 0,8919) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2003 (2,1929) Mark. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6255 (0,6270) Pfund, 110,72 (110,84) Yen und 1,4741 (1,4747) Schweizer Franken fest.