Börse am Nachmittag: Rallye zum Wochenende - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Rallye zum Wochenende

Die Indizes der deutschen Börsen klettern zum Wochenausklang steil nach oben. Auch in New York werden wieder kräftige Kursgewinne verzeichnet. Der Dax springt über die Marke von 4400 Punkten, Infineon steigt um mehr als dreizehn Prozent.
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Frankfurt am Main - Angesichts ausbleibender Störfeuer aus den USA hat der Dax seine satten Gewinne behaupten können und notierte um 16.30 Uhr bei 4433 Punkten, ein Plus von 4,1 Prozent. Am Neuen Markt erinnerten die Steigerungsraten an die goldenen Zeiten der Wachstumsbörse: Mit einem Plus von 7,1 Prozent präsentierte sich der Nemax 50 auf 585 Zählern.

Händler sagten, die Investoren hätten sich erleichtert darüber gezeigt, dass es am Vortag nicht zu den befürchteten Anschlägen in den USA kam. Einen Tag nach dem "Independence Day" blieb der Handel in den USA erwartungsgemäß umsatzarm und wird schon um 19 Uhr (MESZ) wieder eingestellt - Brückentag auf amerikanisch. Innerhalb der ersten halben Handelsstunde stieg der Dow Jones um 2,5 Prozent auf 9282 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1428 Zählern, ein Plus von 3,6 Prozent.

Die zuvor veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten fielen im Rahmen der Erwartungen aus. Den Angaben zufolge lag zwar der Zuwachs der Beschäftigten außerhalb der US-Landwirtschaft mit einem Plus von 36.000 im Monatsvergleich unter der Analystenprognose von 86.000. Die Arbeitslosenquote stieg jedoch wie erwartet leicht auf 5,9 von 5,8 Prozent.

Run auf die Techwerte in Frankfurt

Die Gewinnerliste im Dax wurde zum Wochenschluss von den Technologiewerten angeführt. Die Infineon-Aktie   verteuerte sich um über dreizehn Prozent auf 16,84 Euro. Dabei hatte die Deutsche Bank ihre Jahresprognosen 2002 und 2003 für den Ertrag je Aktie (EPS) des Halbleiterherstellers gesenkt. Der Titel wurde in einer am Freitag in London veröffentlichten Studie allerdings weiter mit "Kaufen" bestätigt. Zur Erklärung verwies der Experte auf die seiner Meinung nach weiter sinkende Durchschnittspreise für DRAM-Speicherchips. Auch Merrill Lynch senkten ihre Gewinnprognose je Aktie von Infineon, stuften den Titel allerdings unverändert mit "Kaufen" ein. Die Experten sehen Zwölf-Monats-Kursziel bei 32 Euro.

Die Aktie der Deutsche Telekom   hatte im frühen Handel die Marke von zehn Euro geknackt und notierte zuletzt mit einem Plus von 7,7 Prozent auf 10,34 Euro. Das Tageshoch hatte bei 10,45 Euro gelegen. Hier kauften vor allem Hedgefonds nach, die zuvor auf fallende Kurse spekuliert hatten, hieß es in Frankfurt. Einem Zeitungsbericht zufolge verhandelt die Telekom mit der insolventen KirchMedia über die Internet-Rechte für die Fußball-Bundesliga. Fondsmanager Trudbert Merkel von Deka Investment sagte, er halte den jüngsten Kursverfall des Papiers unter die Marke von zehn Euro angesichts der Unternehmenssubstanz für übertrieben.

Auch die Anteilsscheine von Siemens   (plus 4,5 Prozent auf 61,18 Euro), Epcos   (plus 5,9 Prozent auf 32,63 Euro) und SAP   (plus 6,4 Prozent auf 93,51 Euro) präsentierten sich deutlich fester.

Lufthansa im Aufwind

Freundlich zeigten sich auch Lufthansa-Papiere  , die 4,7 Prozent auf 14,18 Euro stiegen. Die Deutsche Post   wird weitere 25 Prozent an der DHL International der Lufthansa-Cargo für 610 Millionen Euro übernehmen.

Der Finanzdienstleister MLP   beendet sein seit 1995 bestehendes Joint Venture mit der österreichischen Uniqa Versicherung und verkauft seinen 50-Prozent-Anteil an der Wiener MLP-Lebensversicherung AG. Uniqa solle die Beteiligung für 85 Millionen Euro bis Ende des Jahres erwerben, teilte MLP am Freitag mit. Die Aktie zog zuletzt um 5,4 Prozent auf 30,70 Euro an. Die Marktschwergewichte Allianz   (plus 5,5 Prozent) und Münchener Rück   (plus 3,6 Prozent) waren ebenfalls stark gefragt.

Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat ihr mittelfristiges Rating für MAN   von "Reduzieren/Verkaufen" auf "Neutral" angehoben und langfristig von "Neutral" auf "Kaufen" herauf gestuft. Die Aktie habe ein Kurspotential bis 25 Euro, hieß es am Morgen. MAN-Titel präsentierten sich nach einem unentschiedenen Auftakt zuletzt 1,7 Prozent fester auf 21,98 Euro. Der Titel hatte bereits am Vortag um mehr als fünf Prozent zugelegt.

Eon nach Ministererlaubnis im Minus

Lediglich zwei Werte notierten im roten Bereich. Die 'Aktie Gelb' der Deutschen Post   verlor 0,6 Prozent auf 13,18 Euro. Die rote Laterne hielt Eon  . Das Papier rutschte um ein Prozent auf 59 Euro. Der Energieversorger kann die Essener Ruhrgas AG auf Grund einer Ministererlaubnis unter Auflagen übernehmen.

Wirtschafts-Staatssekretär Alfred Tacke teilte am Freitag in Berlin mit, die Übernahme der Ruhrgas werde entgegen dem Veto des Bundeskartellamtes genehmigt. So müsse sich der fusionierte Konzern von seinen Beteiligungen an der Leipziger Verbundnetz Gas (VNG) trennen. Abgeben müsse das Unternehmen auch seine Beteiligungen an dem Regionalversorger EWE und der Gelsenwasser. Außerdem müsse Eon/Ruhrgas in den nächsten drei Jahren im Auktionsverfahren 75 Milliarden Kilowattstunden Erdgas an Wettbewerber abgeben. Er gehe davon, dass die Ministererlaubnis in Übereinstimmung mit dem EU-Recht stehe, sagte Tacker vor Journalisten.

Zocker spielen mit Babcock Borsig - Thiel stürzt ab

Unsichere Lage bei Babcock Borsig

Spekulative Anleger haben der Aktie des angeschlagenen Oberhausener Traditionsunternehmens Babcock Borsig   am Freitag eine Achterbahnfahrt beschert. Am Nachmittag zeigte sich der Kurs 15,5 Prozent schwächer bei 1,47 Euro, nachdem die Aktie im Tagesverlauf zeitweise 22,4 Prozent schwächer und acht Prozent fester notiert worden war.

"Natürlich" werde der Kurs von spekulativen Käufen bewegt, sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Zudem setzten einige Anleger darauf, dass die Banken dem Unternehmen zur Rettung beisprängen. "Aber im Grunde tut sich bei dem Preis nicht viel, ob der Wert nun acht Prozent verliert oder nicht", sagte ein weiterer Händler. "Die Lage ist sehr ernst", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) am Freitag in Düsseldorf. "50:50 ist sehr positiv gedacht", sagte er zu den Rettungschancen.

Neuer Markt auf Erholungskurs

"Dies ist die lange erwartete technische Gegenreaktion auf die herben Verluste der vergangenen Tage und Wochen. Bis Montag kann die Erholung vielleicht so weiter gehen. Und danach werden wir wahrscheinlich wieder in Richtung Tiefststände zurückfallen", sagte eine bayerische Händlerin.

"Die Unternehmensnachrichten sind alles andere als gut und Fonds schon lange raus aus dem Segment", erklärte ein Kollege. Am Markt sei zu hören, dass der Chiphersteller CE Consumer erneut über einen Ausstieg aus dem Segment nachdenke. "Vielleicht kann sich das Unternehmen einfach die Kosten für das Listing im Neuen Markt nicht mehr leisten", sagte der Börsianer.

Die Aktien des Chipbroker CE Consumer   (plus 11,7 Prozent auf zwei Euro) und ACG   (plus 11,1 Prozent auf zwei Euro) gehörten jedenfalls zu den Gewinnern im Nemax 50.

Thiel stürzt nach Fehltrade ab

Thiel Logistik   erlebten heute einen seltsamen Handelsverlauf. Die Aktie hatte am Vormittag mit mehr als elf Prozent auf knapp sechs Euro im Plus gestanden und setzte damit ihre Aufwärtstendenz der vergangenen Tage fort. Gegen elf Uhr ging des dann auf einmal steil bergab. Zuletzt stand das Papier bei 3,99 Euro: ein Verlust von rund vier Prozent.

Nach Informationen des Nachrichtensenders n-tv soll angeblich eine Fehleingabe für den Kurssturz gesorgt haben. So seien fälschlicherweise mehr als 200.000 Aktien durch eine große Adresse auf den Markt geworfen worden. Danach wurde wieder zurück gekauft. "Da hat wohl einer auf den falschen Knopf gedrückt. Und dann kam auch noch die Volaaussetzung zu spät", zitiert die Nachrichtenagentur vwd einen Händler. Das alles habe dazu geführt, dass die Papiere nun wieder eingesammelt werden müssten. "Ich habe ja schon viel am Neuen Markt gesehen, aber das war unglaublich. Das könnte jemanden richtig teuer zu stehen kommen", so der Beobachter.

Die Titel von Thiel waren in den vergangenen Wochen kräftig unter Abgabedruck geraten, nachdem zwei Großaktionäre umfangreiche Aktienverkäufe getätigt hatten. Angesichts einer unklaren Unternehmensentwicklung hatte die Investmentbank Morgan Stanley die Aktien kürzlich von "Overweight" auf "Equal-Weight" herunter gestuft, nachdem sie das Kursziel zuvor von 20,50 Euro auf 8,90 Euro gesenkt hatte.

Technische Erholung in Tokio - Euro etwas schwächer

Tokio: Fester nach ruhigem Geschäft

Die Börse in Tokio hat die Woche am Freitag fester beendet. Bei den Anlegern überwog das Aufatmen nach einem US-Nationalfeiertag ohne Terroranschläge, berichteten Händler in Tokio. Gleichzeitig war die Rede von einer technischen Reaktion nach den klaren Verlusten in der ersten Wochenhälfte.

Der Nikkei 225 beendete das Geschäft um 1,8 Prozent höher bei 10.826 Punkten. Das Tageshoch erreichte der Nikkei bei 10.885 Punkten. Der marktbreitere Topix schloss um 0,9 Prozent höher bei 1042 Punkten. Das Handelsvolumen war allerdings unterdurchschnittlich.

Das Risiko weiterer Kursverluste dürfe am japanischen Aktienmarkt trotz eines versöhnlichen Wochenschlusses nicht unterschätzt werden, sagte Analyst Yutaka Miura von Shinko Securities. Am Freitag habe besonders der stabile Yen den Markt gestützt.

Unter den schwer im Nikkei gewichteten Technologietiteln stiegen Advantest   um 290 auf 7480 Yen, Kyocera   legten 250 auf 8880 Yen zu, TDK   gewannen 230 auf 5780 und Tokyo Electron   verteuerten sich um 280 auf 7520 Yen.

Chipwerte waren ebenfalls überdurchschnittlich gesucht. Fujitsu   stiegen um 23 auf 835, NEC   gewannen 23 auf 834 Yen, Hitachi   stiegen um 23 auf 775 und Toshiba   legten 21 auf 400 Yen zu.

Euro unter der Marke von 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9725 (Donnerstag: 0,9790) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0283 (1,0215) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6412 (0,6414) Pfund, 116,98 (117,46) Yen und 1,4659 (1,4646) Schweizer Franken fest.