Börse am Nachmittag: Raus aus den USA - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Raus aus den USA

Der Dax verharrt klar im Minus, vor allem Auto- und Techwerte verlieren deutlich. Nach mehreren Gewinnwarnungen rutschen Nemax 50 und All Share steil ab. Aus den USA ist kaum Hilfe zu erwarten.
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Frankfurt am Main -Während der Dax bis 13.50 Uhr seine Verluste auf 1,6 Prozent bei 4129 Zählern ausbaute, geriet der Neue Markt nach mehreren Gewinnwarnungen völlig unter die Räder. Die Indizes Nemax 50 und Nemax All Share verloren zeitweise mehr als acht Prozent und markierten Rekordtiefs. Vor allem die Umsatz- und Gewinnwarnung des Schwergewichts Qiagen   hatte den Ausverkauf beschleunigt.

Auch die Vorgaben aus den USA drückten auf die Stimmung. "Die US-Börsen belasten den deutschen Aktienmarkt", begründete Aktienhändler Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers die Verluste. "Der Markt reagiert heute äußerst sensibel auf negative Nachrichten." Die Marktteilnehmer würden sich mit Engagements in Aktien bis nach den anstehenden US-Feiertag zurückhalten, sagte Helmer.

"Überstehen wir den 4. Juli ungeschoren, dann kann es beim Dax um mehrere hundert Punkte wieder aufwärts gehen." Darüber hinaus belastete eine Umsatzwarnung des amerikanischen Chipherstellers AMD die Stimmung an den Märkten. Technologiewerte wie SAP   und Infineon   gaben kräftig ab.

In den USA werden am Nachmittag noch verschiedene Konjunkturdaten erwartet. Neben den wöchentlichen Anträgen auf Arbeitslosenhilfe stehen die Daten für den Einkaufsmanager-Index des nichtverarbeitenden Gewerbes an. Zudem erwarten die Börsianer die Zahlen zu den Auftragseingängen der Industrie für den Monat Mai.

Entscheidendes Gewicht messen Marktbeobachter vor allem dem US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Juni bei, der am Freitag veröffentlicht wird. Aus informierten Kreisen soll die Zahl der gestrichenen Stellen auf rund 94.000 stark gestiegen sein. Besonders sei die Telekommunikationsindustrie betroffen.

Im Dax gab es nur noch wenige Gewinner. Anleger flüchteten in die aus ihrer Sicht wenigen sicheren Häfen, wobei hier insbesondere defensive Werte wie BASF  , Henkel   und Linde   profitierten. Ansonsten standen die Zeichen auf rot.

Unter den Finanzwerten gaben HypoVereinsbank   mehr als zwei Prozent ab auf knapp 31 Euro. Auch die Titel der Deutsche Bank   rutschten zuletzt mit rund einem Prozent in die Verlustzone. Allianz   fielen um rund drei Prozent auf 182 Euro ab. Münchener Rück   verloren ein Prozent auf 221 Euro.

Ein Bericht der "Prior Börse", dem zufolge die Deutsche Bank mit Credit Suisse fusionieren will, wurde am Markt mit Skepsis beurteilt. "Das sind reine Spekulationen", sagte ein Markteilnehmer. MLP   verloren knapp vier Prozent auf 28,63 Euro.

Die Aktie der Deutsche Telekom   konnte an den guten Handelauftakt nicht anknüpfen und rutschte zuletzt mit rund zwei Prozent auf 9,34 Euro in die Verlustzone. Am Vortag hatte das Papier mehr als sechs Prozent nachgegeben.

Technologiewerte standen ausnahmslos im roten Bereich. Siemens   rutschten mit 2,50 Prozent auf 56 Euro ab. Epcos   verbuchten Kursabschläge von mehr als drei Prozent auf rund 30 Euro. Bei Infineon   betrugen die Verluste als acht Prozent auf 13,30.

US-Gewinnwarnungen belasten SAP

SAP   gerieten mit Verlusten von mehr als fünf Prozent auf 86 Euro unter die Räder. Händler begründeten die starken Abschläge mit einer Umsatzwarnung des US-Softwarekonzerns I2 Technologies  , die nach Börsenschluss veröffentlicht worden war. I2-Aktien fielen nachbörslich um rund 18 Prozent. Auch die amerikanischen Softwareproduzenten Openwave und Kana Software hatten nach Börsenschluss eine Gewinnwarnung ausgesprochen.

Ein Händler sagte, SAP könne sich nicht einer Prognosesenkung des US-Konkurrenten I2 Technologies entziehen. "Es ist ironisch, dass SAP wegen I2 fällt, weil es I2 gerade wegen SAP schlechter geht", sagte ein Aktienstratege einer deutschen Großbank. "SAP hat in den letzten 18 Monaten I2 das Essen weggegessen und deswegen musste I2 eine Gewinnwarnung nach der anderen rausgeben."

Händler machten für die erneuten Abschläge im Technologiebereich auch die Umsatzwarnung des US-Technologiekonzerns AMD   verantwortlich. AMD gab am Morgen eine Umsatzwarnung für das zweite Quartal heraus. Nach ursprünglich 620 bis 700 Millionen Dollar Umsatz erwartet der Konzern nun nur noch 600 Millionen Dollar Umsatz.

Auto-Titel notierten zuletzt einheitlich im roten Bereich. DaimlerChrysler  , BMW   und Volkswagen   gaben zwischen zwei und knapp sechs Prozent ab. Bei Volkswagen rechnen Experten mittlerweile damit, dass die Wolfsburger Autobauer nicht mehr ihre Prognosen halten können. "Die US-Autoabsatzzahlen sind erschütternd", sagte Aktienhändler Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. Die Wolfsburger haben in den USA im Juni weniger Fahrzeuge als noch vor einem Jahr verkauft.

Neuer Markt: War's das?

Neuer Markt markiert neue Allzeittiefs

Die Aktien am Neuen Markt haben am Mittwoch ihre Talfahrt der vergangenen Handelstagen beschleunigt. Der marktbreite Nemax All Share fiel unter die 600 Punkte. Auch der Auswahlindex Nemax stürzte auf ein Rekordtief bei 512 Punkten und büßte ebenfalls zeitweilig mehr als acht Prozent ein.

Ein Düsseldorfer Händler führte die starken Verluste überwiegend auf den Kursverfall von Qiagen zurück. "Der Neue Markt reagiert momentan nur auf schlechte Nachrichten", sagte der Händler. Käme eine gute Unternehmensmeldung, dann ginge sie im Markt unter.

Börse straft Gewinnwarnungen ab

Die Aktionäre des am Neuen Markt notierten Chipbrokers CE Consumer   treffen sich heute zur Hauptversammlung. Das Unternehmen hatte am Dienstag mit einer Gewinnwarnung überrascht und dies mit einem Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 47 Millionen Euro begründet. Die Aktie notierte am zuletzt als 20 Prozent leichter auf 1,51 Euro.

Völlig unter die Räder kamen die Aktien des niederländischen Biotechunternehmens Qiagen  , die am Morgen eine Umsatz- und Gewinnwarnung herausgegeben hatten. Die Aktie stürzte um mehr als 42 Prozent auf rund sechs Euro ab.

Die Aktie des Prüfgeräterherstellers für die Chipindustrie Suess Microtec   konnte ihren Kurssturz vom Vortag nicht stoppen. Nach Verlusten von 31 Prozent am Dienstag, gab die Aktie weitere acht Prozent auf 12,69 Euro nach. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten, dass das Unternehmen im laufenden und kommenden Jahr weniger einnehmen wird als sie zuvor prognostiziert hatten.

Zu den wenigen Gewinnern zählten die Aktien von Thiel Logistik  , die sich um mehr als vier Prozent verbesserten und damit ihren Aufwärtstrend des Vortages fortsetzen konnten.

Hoffnung für Babcock Borsig

Ein Krisengipfel soll heute in letzter Minute den angeschlagenen Oberhausener Maschinenbaukonzern Babcock Borsig   retten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hat den Babcock-Vorstand, die Anteilseigner und Banken nach Düsseldorf eingeladen. Ohne Hilfen droht Babcock das Insolvenzverfahren. Die Aktien von Babcock legte zuletzt rund 25 Prozent 1,25 Euro zu, nachdem sich am Vortag in einer spektakulären Aufholjagd ihre Verluste von rund 20 Prozent nahezu ausgeglichen hatten.

Nach Medienberichten gibt es Aussichten auf einen Durchbruch. Unter anderem ist von einem möglichen raschen Verkauf des lukrativen US-Geschäfts die Rede. Der Geldbedarf zur Sanierung wird auf 700 Millionen Euro geschätzt. 50 Millionen Euro müssen noch heute für Gehaltszahlungen aufgebracht werden.

Schwache Vorgaben der Wall Street

Schwache Vorgaben der Wall Street

Der Dow Jones schloss 1,1 Prozent schwächer auf 9007 Zählern und damit über der psychologisch wichtigen Marke von 9000 Punkten. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, gab 3,3 Prozent auf 1357 Punkte ab, der tiefste Stand seit fünf Jahren. Das umfassendeste Börsenbarometer, der S&P 500, fiel auf den tiefsten Stand seit Januar 1998 zurück, notierte aber immerhin knapp über der langfristigen Unterstützungslinie von 944 Punkten. Sollte der Index hier in den nächsten Tagen durchrauschen, wäre ein Absturz bis auf 800 Punkte möglich, hieß es.

Natürlich lasteten auch in New York die Spekulationen um den französisch-amerikanischen Konzern Vivendi   auf den Märkten. So gab etwa AOL Time Warner deutlich ab. Heute wird bei Vivendi über die Nachfolge von Jean-Marie Messier entschieden.

Vielmehr als Vivendi drückten allerdings neu aufgeflammte Ängste über mögliche weitere Bilanzierungsskandale nach Worldcom   auf die Stimmung. Besorgt zeigten sich die Märkte auch darüber, dass es am Nationalfeiertag Independence Day (4. Juli) zu Terroranschlägen kommen könnte. Dies hätte ebenfalls zu Verkäufen geführt, sagten Händler in New York.

In einer ungewöhnlich offenen Rede bat Unternehmenschef John Sidgemore am späten Dienstagabend Investoren, Gläubiger und "ganz Amerika" eindringlich um Geduld. Sidgemore versprach volle Aufklärung des Bilanzskandals, wollte aber eine Insolvenz des Telekomkonzerns nicht ausschließen.

AMD gibt Umsatzwarnung heraus

Mit deutlichen Kursabschlägen ist auch bei den am Neuen Markt notierten SZ Testsysteme   rechnen. Nach Börsenschluss gab der notierte Hersteller von automatischen Testsystemen zur Prüfung von Halbleiterbauteilen eine saftige Gewinnwarnung heraus. Das Unternehmen hat wegen der andauernden Flaute in der Halbleiterindustrie seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2001/2002 gesenkt. Zudem soll die Zahl der Mitarbeiter weltweit von 390 auf 300 reduziert werden.

Die asiatische Leitbörse in Tokio verbuchte am Mittwoch deutliche Gewinne. Der Nikkei schloss 1,8 Prozent fester auf 10.812 Zähler.