Börse am Nachmittag: Rückenwind aus den USA - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Rückenwind aus den USA

Die US-Börsen eröffnen stark. Dax-Technologietitel können ihre Verluste zum Teil abbauen. SAP-Aktien machen einen Satz in die Dax-Spitze. Sowohl in New York als auch in Deutschland deutet alles auf einen positiven Wochenausklang hin.
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Frankfurt am Main – Das Bruttoinlandsprodukt in den USA ist im zweiten Quartal um zwei Prozent gestiegen. Wall-Street-Analysten haben lediglich einen Zuwachs von 1,1 Prozent erwartet. Der Anstieg wird vor allem auf höhere Konsumausgaben zurückgeführt. Die US-Konjunktur zeigt sich also stärker als Analysten dies angenommen haben.

Zwar sinkt damit die Chance auf eine erneute Zinssenkung durch die US-Notenbank. Nach der jüngsten unerwarteten und bereits vierten Leitzinssenkung in diesem Jahr durch Alan Greenspan zeigen sich die Investoren in den USA davon allerdings wenig beeindruckt.

Die US-Börsen starteten mit deutlichen Kursaufschlägen. Der Dow Jones legte bis 16.15 Uhr 0,9 Prozent auf 10.786 Zähler zu. Die Nasdaq schnellte mit 2,3 Prozent auf 2081 Zähler in die Höhe. Zu den größten Gewinnern zählten zunächst Finanzwerte und Aktien aus dem Bereich Einzelhandel.

Die deutschen Aktienindizes hatten bereits gegen 15 Uhr ins Plus gedreht. Der Dax notierte zuletzt mit 0,9 Prozent auf 6176 Zähler im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax-50 notierten nur noch mit 0,1 Prozent bei 1808 Zählern im Minus. Gegen Mittag hatte das Minus noch rund 2,5 Prozent betragen.

Deutsche Telekom, Münchener Rück, Allianz und Adidas führten die Gewinnerliste im Dax mit Kursaufschlägen von jeweils rund zwei Prozent an.

Am anderen Ende des Index fanden sich die Papiere der Deutsche Lufthansa wieder. Die Aktie verlor zuletzt noch 2,55 Prozent auf 20,62 Euro. Zeitweise war sie auf 19,60 Euro gefallen, was einem Verlust von mehr als sieben Prozent entspricht. Händler sagten, dass die Ergebnisse "sehr enttäuschend" ausgefallen und vom Markt äußerst schlecht aufgenommen worden seien. Die Lufthansa hatte im ersten Quartal 2001 einen Gewinneinbruch ausgewiesen. Zudem werde das Papier durch die anhaltenden Tarifkonflikt mit den Piloten belastet, sagten Börsianer.

Unter Verkaufsdruck standen auch Chemiewerte. Die Papiere von Bayer verbilligten sich zuletzt noch um 3,7 Prozent auf 47,55 Euro. Im ersten Quartal 2001 ist der Konzerngewinn um 21 Prozent auf 442 Millionen Euro (864 Millionen Mark) gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Unter Kursabschlägen litten auch die Anteilsscheine von BASF mit Kursabschlägen von rund 2,6 Prozent auf rund 48 Euro.

Siemens verbuchten am Freitag erneut Verluste, konnten diese allerdings mit Eröffnung der US-Börsen verringern. Zuletzt betrugen sie noch 2,2 Prozent auf 118,44 Euro. Am Vortag war die Aktie einer der größten Dax-Verlierer, nachdem der Münchener Konzern keinen Ausblick für das zweite Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres hatte geben wollte. Am Freitag hatten dann die Investmentbanken Lehman Brothers und Salomon Smith Barney die Siemens-Aktien herabgestuft.

Epcos-Papiere standen zuletzt noch mit rund zwei Prozent auf knapp 69 Euro im roten Bereich. Infineon verzeichneten hingegen ein Kursplus von 0,6 Prozent auf knapp 47 Euro. Gegen Mittag hatten die Kursabschläge noch rund zwei Prozent betragen.

Die Anteilsscheine von SAP hatten ohnehin den ganzen Tag besser als der Rest der Tech-Titel notiert. Gegen Nachmittag machten die Anteilsscheine einen großen Satz nach vorne und notieren mit knapp zwei Prozent bei 175,30 Euro im Plus. Händler sagten, die Stimmung für das Hochtechnologiepapier sei nach wie vor sehr gut. SAP hatte in der vergangenen Woche Quartalsergebnisse vorgelegt, die vom Markt positiv aufgenommen worden waren.

Rabenschwarzer Tag für SCM-Papiere

Die Aktien von Mobilcom drehten wieder mit rund 5,6 Prozent auf 18,80 Euro ins Plus. Die Privatbank Merck Finck & Co. hatte das Kursziel für den Wert am Freitagmorgen auf 30 Euro angehoben und die Aktien von "Halten" auf "Kaufen" hochgestuft. Dies hatte die Aktie zunächst beflügelt. Ohne fundamentale Nachrichten verbesserten sich die Papiere von Highlight Communications um rund neun Prozent auf 10,58 Euro und führten damit die Gewinnerliste im Nemax-50 an. Zu den Gewinnern im Nemax-50 zählten auch EM.TV. Hier soll der Finanzvorstand seinen Hut nehmen. Das Medienunternehmen bestätigte die Meldung allerdings nicht

Der deutsch-amerikanische Computer-Chipkartenhersteller SCM Microsystems wurde die rote Laterne im Nemax-50 nicht los. Das Unternehmen hat im ersten Quartal 2001 unerwartet einen Nettoverlust von 18,35 Millionen Dollar oder 1,20 Dollar je Aktie ausgewiesen. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen einen Gewinn von 2,68 Millionen oder 0,17 Dollar je Aktie erwirtschaftet. Die Papier verlor zuletzt noch rund 39 Prozent auf 10,74 Euro.

Kannten Insider Camelot-Zahlen vor Veröffentlichung?

Ein Deasaster erlebten am Freitag die Papiere des Kommunikationsdienstleisters Camelot, die zuletzt noch rund 40 Prozent auf 1,29 Euro verloren. Das im marktbreiteren Nemax-All-Share notierte Unternehmen hat die Umsatz- und Gewinn-Prognosen für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Solche Nachrichten strafen die Investoren fortgesetzt mit starken Verkäufen ab.

Im Vorfeld der grottenschlechten Quartalszahlen war der Handelsumsatz mit Camelot-Aktien am Donnerstag etwa sechsmal so hoch wie zu herkömmlichen Handelstagen. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass Insider von den schwachen Zahlen bereits vor der Veröffentlichung Kenntnis hatten. Die Wertpapieraufsicht hat sich eingeschaltet und eine Voruntersuchung eingeleitet.

Der angeschlagene Seniorenheim-Betreiber Refugium prüft eine mögliche Zusammenarbeit mit der Hamburger Marseille-Kliniken AG. Der Aufsichtsrat von Refugium habe auf seiner Sitzung am 25. April die geplante Zusammenarbeit mit der Marseille-Kliniken einhellig begrüßt, heiß es. Die Anleger scheinen dem ebenfalls zuzustimmen: Refugium gewannen 27 Prozent auf rund zwei Euro und gehörten damit zu den stärksten Werten am gesamten Neuen Markt.

Foris verteuerten sich um rund 23 Prozent und kosteten 5,75 Euro. Zuvor war die Aktie schon bis auf 6,25 Euro gestiegen. Der Prozess-Finanzierer habe die Umsatzerlöse im ersten Quartal von 5,3 Millionen Mark auf 8,9 Millionen Mark gesteigert. Im Gesamtjahr soll der Umsatz mehr als 100 Millionen Mark betragen. Außerdem soll das Jahresergebnis positiv ausfallen. Diese Nachrichten kommen bei den Anlegern an. Das Papier ist gefragt.

Die am Frankfurter Neuen Markt notierte Metabox AG in Hildesheim wollte heute eigentlich ihre Zahlen vorstellen. Das Skandalunternehmen sagte dann aber kurzerhand ab. Metabox verschob die Pressekonferenz und will die Geschäftszahlen für das Jahr 2000 nach Börsenschluss bekannt geben. Die Investoren zeigten sich verärgert und verkauften das Papier fortgesetzt. Die Aktie gab um rund acht Prozent auf schlappe 1,70 Euro nach.

Das Unternehmen, das Set-Top-Boxen für die Internetnutzung per Fernsehen entwickelt, gilt als angeschlagen und steht im Visier der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Ermittlungen werden nach Behördenangaben noch Monate dauern, weil auch im Ausland recherchiert wird. Dabei geht es um Börsenmitteilungen zu drei angeblich großen Metabox-Lieferungen ins Ausland.

Kann der Neue Markt seinen Höhenflug fortsetzen?

Selbst eine Bombendrohung hatte am Donnerstag die Wachstumswerte am Neuen Markt bei ihrem Drang nach oben nicht aufhalten können, obwohl die Nasdaq immer wieder schwache Vorgaben geliefert hatte. Kann der Neue Markt an seinem Aufwärtstrend festhalten? Denn die Wachstumswerte haben in dieser Woche bereits rund 15 Prozent zulegen können.

Technische Analysten billigen dem Nemax-50 mittelfristig einen Anstieg von bis zu 2100 Zählern zu. Der Index habe den Abwärtstrendkanal nach oben durchbrochen. Jetzt sei eine Erholungsphase mit weiteren Kursaufschlägen angezeigt. Die Liquidität im Markt sei hoch. Vor allem Investmentfonds seien engagiert, und auch von großen ausländischen Investoren berichteten Händler am Donnerstag. Dennoch bleibe der Markt anfällig für Schwankungen. Das Ende der Berichtssaison müsse abgewartet werden. Dann wisse man genauer, ob der jüngste Aufschwung auch nachhaltig sei.