Börse am Nachmittag: Rückenwind aus New York - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Rückenwind aus New York

Die Wall Street eröffnet freundlich. Der Dax schiebt sich in die Gewinnzone, obwohl er durch Siemens und T-Aktie belastet wird. Am Neuen Markt herrscht Bombenstimmung: Biotechnologiewerte ziehen stark an.
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Frankfurt am Main – Der Dow Jones kletterte bis 16 Uhr um 0,5 Prozent auf 10.676 Zähler. Der Technologieindex Nasdaq Composite gewann sogar 1,5 Prozent auf 2090 Punkte hinzu. Die Investmentbank UBS Warburg rechnet mit einer konjunkturellen Erholung in den USA in der zweiten Jahreshälfte: Dies wog zu Handelsbeginn offenbar schwerer als die Herabstufung des Glasfasersektors durch JP Morgan.

Der Glasfaserhersteller Corning wird heute Quartalszahlen vorlegen. Für die Entwicklung der Hightechwerte ist außerdem das jährliche Analystentreffen zur Entwicklung des Chipherstellers Intel wichtig. Pharmawerte litten zu Handelsbeginn unter Gewinnmitnahmen, dagegen legte der Medienriese Walt Disney weiter zu. An der Nasdaq zogen Oracle und Microsoft an.

Der Dax kletterte bis 16 Uhr um 0,1 Prozent auf 6123 Zähler. Der Nemax 50 baute seine Gewinne um sechs Prozent auf 1814 Punkte aus. Nach einer zweistündigen Unterbrechung ist der Parketthandel an der Frankfurter Börse wieder aufgenommen worden. Das Gebäude war aufgrund einer Bombendrohung vorübergehend geräumt worden. Der Xetra-Handel lief unbeeinträchtigt weiter.

EZB bleibt ungerührt

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Leitzinsen in der Euro-Zone unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Mindestbietungssatz beim Zinstender betrage unverändert 4,75 Prozent, teilte die EZB nach ihrer turnusmäßigen Ratssitzung in Frankfurt mit.

Die Börse reagierte gelassen: Wegen der anhaltenden Inflationsrisiken in vielen Ländern der Euro-Zone hatten die meisten Analysten nicht mit einem Zinsschritt gerechnet. Der Druck auf die Währungshüter von Politikern und Finanzmärkten war jedoch gewachsen, nachdem die US-Notenbank Fed in der vergangenen Woche die Zinsen erneut deutlich nach unten geschraubt hatte.

Oldies führen Dax an

Im Dax haben die defensiven Titel ihre Gewinne ausgebaut. Sie profitierten von Umschichtungen aus Technologiewerten. Ganz oben spurtet adidas Salomon voran. Die Aktie legte um 4,9 Prozent auf 68,20 Euro zu. Auch Metro (plus 4,6 Prozent) und Fresenius Medical Care (plus 4,4 Prozent) präsentierten sich fest.

Siemens-Bilanz belastet auch Epcos

Schlusslicht im Dax war mit einem Minus von knapp fünf Prozent die Aktie von Siemens, deren Kurs auf 121,20 Euro fiel. Der Gewinnrückgang im zweiten Quartal fiel stärker aus als von Analysten erwartet. Negativ bewerteten Händler jedoch den fehlenden Ausblick: Der Konzern wollte zu den Geschäftsaussichten im dritten und vierten Quartal keine Stellung nehmen. Stattdessen gab Siemens einen massiven Stellenabbau in der Mobilfunksparte bekannt.

Die Bauelemente-Tochter Epcos litt ebenfalls unter der Bilanz. Die Aktie verlor zwei Prozent auf 69,60 Euro. Infineon-Papiere legten dagegen 2,8 Prozent zu.

Vor Börseneröffnung hat auch BASF seine Quartalszahlen vorgelegt. Der Chemie-Konzern erwartet für das zweite Quartal einen deutlichen Gewinnanstieg. In den ersten drei Monaten 2001 stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 9,7 Prozent auf rund 9,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um mehr als vier Prozent auf 962 Millionen Euro. Damit wurden die Erwartungen des Marktes zwar nur knapp erfüllt, die Aktie zog dennoch um 1,1 Prozent an. Auch die Aktien vom Rivalen Bayer legten etwa 1,2 Prozent zu.

Telekom gibt nach

Die Aktien der Deutschen Telekom drehten nach einer festen Eröffnung ins Minus und verloren zuletzt 2,5 Prozent auf 28,05 Euro. In den USA hat die Federal Communications Commission (FCC) die Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens VoiceStream genehmigt, jedoch hat die Telekom im Kampf um die "Letzte Meile" in Deutschland eine Niederlage erlitten.

DaimlerChrysler-Titel notierten minimal im Plus bei 55,28 Euro. Die angekündigte Restrukturierung des Konzerns sei auf dem richtigen Weg, fasste ein Händler einer Frankfurter Großbank die am Vortag veröffentlichten Quartalszahlen zusammen.

Neuer Markt am dritten Tag im Vorwärtsgang

Der Nemax 50 hat seine Gewinne mit sechs Prozent weiter ausgebaut. Der Nemax All Share legte zuletzt 3,4 Prozent zu. "Wir befinden uns in einem intakten Aufwärtstrend", sagte ein Händler.

Vor allem die Schwergewichte im Nemax 50 wie T-Online mit plus 5,4 Prozent und Qiagen mit plus 7,6 Prozent auf 30,04 Euro zogen den Markt nach oben: Jetzt würden Index-Fonds verstärkt in den Markt gehen und liquide Titel kaufen, erklärte der Händler die Gewinne. Größter Gewinner war am Nachmittag das Biotechnologie-Unternehmen Evotec mit 16 Prozent Kursplus auf 18,10 Euro. Evotec OAI hat einen Dienstleistungsvertrag mit Serono, einem europäischen Biotechnologie-Unternehmen, unterzeichnet. Im Rahmen dieser Vereinbarung wird Evotec OAI ein neuartiges biologisches Testsystem für pharmazeutische Wirkstoffe entwickeln.

Eingebrochen ist die Aktie von Brokat. Sie verlor zwölf Prozent und wurde bei 7,70 Euro gehandelt. Damit war sie größter Verlierer im Nemax 50. Der Software-Anbieter erwartet nun einen Gesamtumsatz zwischen 180 und 190 Millionen Euro. Bisher ging Brokat von einem Umsatzwachstum von 100 Prozent im Vergleich zum vergangenen Geschäftsjahr aus, als der Umsatz bei 119,6 Millionen Euro gelegen hatte. Schlusslicht im Nemax 50 war Comroad mit 13 Prozent Verlust.

Intertainment legt zu

Die Berichtssaison geht auch am Neuen Markt weiter: Hohe Rücklagen im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit gegen einen US-Partner haben den Gewinn des Medienkonzerns Intertainment im Jahr 2000 schrumpfen lassen. Der Jahresüberschuss sank um 17 Prozent auf rund elf Millionen Mark. Das Ergebnis je Aktie betrage 1,02 Mark nach 1,38 Mark im Vorjahr. Der Umsatz stieg um mehr als Dreifache auf rund 172 Millionen Mark.

Eine Intertainment-Tochter hatte vor einem US-Gericht Klage gegen die Franchise Pictures wegen "betrügerisch überhöhter Filmbudgets" eingereicht. Die Börse scheint trotz des durchwachsenen Ergebnisses optimistisch für das Medienunternehmen zu sein: Die Aktie gewann zwölf Prozent auf 6,30 Euro.

Web.de zieht nach Quartalszahlen an

Web.de hat im ersten Quartal 2001 Umsatzerlöse von 3,3 Millionen Euro erzielt; eine Steigerung gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um 116 Prozent. Der Verlust konnte im ersten Quartal 2001 im Vergleich zum vierten Jahresviertel des vergangenen Jahres erwartungsgemäß auf minus neun Millionen Euro gesenkt werden. Zum Ende des Geschäftsjahres 2002 soll die Gewinnschwelle erreicht werden. Die Papiere legten zuletzt elf Prozent auf 7,20 Euro zu.

Euro nach Zinsentscheid über 90 Cent

Der Euro hat sich nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Zinsen nicht zu senken, behauptet präsentiert. Er kostete gegen 16 Uhr 0,901 Dollar. Am Mittwoch hatte die EZB den Referenzkurs auf 0,8947 (Dienstag: 0,8973) Dollar festgesetzt.