Börse am Nachmittag: SAP mit der roten Laterne - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag SAP mit der roten Laterne

Negative Kommentare des IWF zum Wirtschaftswachstum in Deutschland und den USA setzen die Kurse unter Druck. An der Wall Street geben die Indizes einen großen Teil ihrer Auftaktgewinne wieder ab. Im Dax können die Verlierer des Vortages dennoch punkten.
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Frankfurt am Main - Nach den starken Kursverlusten am Vortag hat die Wall Street am Mittwoch freundlich eröffnet. Dow Jones (plus 0,6 Prozent auf 7726 Punkte) und Nasdaq (plus 0,7 Prozent auf 1189 Punkte) gaben bis 16.15 Uhr allerdings wieder einen Großteil ihrer Auftaktgewinne ab.

Flugs ging es auch Frankfurt nach unten. Der Dax notierte am Nachmittag nur noch mit 0,3 Prozent im Plus und fiel auf 2882 Zähler. Die geschundenen Wachstumswerte am Neuen Markt standen im Nemax 50 mit 2,4 Prozent auf 352 Punkte im grünen Bereich.

Zuvor hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Erwartungen an das weltweite Wirtschaftswachstum sowie für die USA und Deutschland gesenkt.

Ifo-Index macht nicht viel Mut

Nach einem erwartungsgemäß leicht verschlechterten Ifo-Geschäftsklimaindex haben die deutschen Aktienmärkte am Mittwoch deutlich an Wert zugelegt und damit einen Teil ihrer starken Verluste der Vortage ausgleichen können.

"Der Ifo-Index ist im Rahmen der Erwartungen gefallen. Das ist zumindest keine negative Überraschung und kurzfristig leicht positiv zu sehen", sagte Analyst Alfred Kaiser vom Bankhaus Nols. "Mittelfristig eröffnen die gefallenen Zukunftserwartungen dem Markt aber keine großartigen Perspektiven." Insgesamt würden die Kriegs- und Konjunktursorgen den Markt weiter belasten, sagten Händler. Im Mittelpunkt des Handels standen die Papiere des Chip-Herstellers Infineon   sowie der Allianz  , die deutlich anzogen.

Der Ifo-Index für Westdeutschland ist im September auf 88,2 Zähler von 88,8 Punkten im August zurückgegangen und damit den vierten Monat in Folge gefallen. Diesen Rückgang hatten von Reuters befragte Volkswirte exakt vorausgesagt. Während die aktuelle Lage leicht besser beurteilt wurde, werteten die Unternehmen die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate erneut deutlich schlechter. "Eine gewisse Stabilisierung ist festzustellen, besonders bei der Beurteilung der gegenwärtigen Lage", sagte Volkswirt Bernd Weidensteiner von der DZ Bank.

Aktienhändler ergänzten, es hätten viele Marktteilnehmer auf weiter fallende Kurse nach dem Ifo-Index gesetzt. Diese müssten nun ihre Positionen schließen, was den Kursanstieg noch beschleunige.

Allianz und Münchener Rück erholen sich

Im Blickpunkt des Handels standen die Aktien der Allianz  , die noch um rund vier Prozent auf rund 100,37 Euro anzogen und damit wieder über die psychologisch wichtige 100-Euro-Marke stiegen. Die Papiere hatten allerdings auch schon mit 103 Euro im Plus gestanden. Nach Angaben der zur Allianz gehörenden Dresdner Bank ist das Allianz-Vorstandsmitglied und Chef der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, Leonhard Fischer, zurückgetreten.

"Dresdner Kleinwort war mitverantwortlich für die Allianz-Verluste im ersten Halbjahr. Jetzt hofft man auf Besserung durch neue Personen und allgemeine Veränderungen", sagte ein Aktienhändler.

Bei der Aktie des Rückversicherers Münchener Rück   erholte sich der Kurs um mehr als 2,60 Prozent auf rund 114 Euro. Händler sagten, das Papier habe zuletzt derart stark verloren, dass es nun zu einer technischen Erholung komme.

Um rund 3,50 Prozent auf 6,64 Euro zogen die Papiere von Infineon   an. "Der Infineon-Kursanstieg ist in erster Linie eine technische Reaktion auf die massiven Verluste der Tage zuvor und im Rahmen der allgemeinen Dax-Erholung zu sehen", sagte Analyst Rüdiger Kühnle von der Baden-Württembergischen Bank.

Insgesamt gebe es im Halbleiter-Markt aber noch immer ein starkes Überangebot, und eine Entspannung sei nicht in Sicht. Die Konsolidierung müsse noch weiter voranschreiten.

TUI-Erholung dürfte nicht lange anhalten

Erholt präsentierten sich zudem die Papiere der TUI  . Die Aktien des Reisekonzerns stiegen um mehr als 6,65 Prozent auf 17,13 Euro. "Das ist eine technische Erholung, die aber nicht anhalten wird, weil der Ölpreis weiter hoch ist und das ebenso wie die Kriegsgefahr im Irak den Sektor belastet", sagte ein Händler. Der Ölpreis der führenden europäischen Marke Brent notiert derzeit bei rund 29 Dollar. TUI jüngst allerdings auch einen Anstieg bei den Buchungen gemeldet.

Siemens trotz Problemen mit Gewinnen

Nach frühen Verlusten waren Siemens-Aktien   kräftig ins Plus, gaben zuletzt aber wieder einen Großteil der Zugewinne ab. Die Aktie notierte noch mit rund einem Prozent im Plus auf 37,85 Euro. In der Festnetzsparte ICN des Siemens-Konzerns hat sich die Geschäftsentwicklung weiter verschlechtert. Im laufenden Quartal seien Umsatz und Auftragseingang um rund 30 Prozent gesunken.

Zudem lasse der Kursverlust von Infineon   die Deckungslücke im Pensionsfonds von Siemens wachsen, meldet die "Financial Times Deutschland". Ende Juni - als die Infineon-Aktie noch bei 16 Euro notierte - betrug die Lücke rund 5,1 Milliarden Euro.

Die Aktie von SAP   rutschte zuletzt als eine der wenigen Dax-Aktien in die Verlustzone. Das Minus betrug am Nachmittag rund zwei Prozent auf 52,44 Euro. Der Softwarekonzern hatte zuvor nach Presseberichten seinen eisernen Sparwillen bekräftigt. Rund 600 Millionen Euro müsse der Konzern einsparen, wenn er sein Ziel einer operativen Ergebnismarge von 21 Prozent in diesem Geschäftsjahr erreichen wolle. Das Unternehmen hat nach Informationen des "Wall Street Journal Europe" Schwierigkeiten, seine selbst gesteckten Gewinnziele in diesem Jahr zu erreichen.

Telekom will Gebühren erhöhen

Die T-Aktie kletterte um mehr als sechs Prozent auf 9,72 Euro. Die Deutsche Telekom   will nach einem Bericht der "FAZ" die Gebühren für Kabelanschlüsse um bis zu zehn Prozent je Anschluss und Monat erhöhen. Zudem plane das Unternehmen, sich bei Telefonanschlüssen alle Arbeiten vom Verlegen der Leitung bis zur Telefonsteckdose zusätzlich zur Pauschalgebühr bezahlen zu lassen. Die Aktie hatte am Vortag zu den wenigen Gewinnern im Dax gezählt.

Am Neuen Markt verteuerten sich die Anteilsscheine von Singulus   um mehr als 16 Prozent auf 12,42 Euro und führte damit den Nemax 50 an. Das Unternehmen erwartet für das dritte Quartal einen Umsatz von deutlich mehr als 70 Millionen Euro. Zudem werde das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) den Vorjahreswert übertreffen.

Zu den Gewinnern zählte auch einige der am Vortag arg verprügelten Chipwerte. Micronas gewannen 14 Prozent auf rund 18 Euro hinzu. Aixtron   erholten sich mit plus zwölf Prozent auf 5,20 Euro.

Die Aktie des Mobilfunkers MobilCom   notierte nahezu unverändert mit 1,50 Prozent im Plus auf rund zwei Euro. Das Büdelsdorfer Unternehmen sucht offenbar einen neuen Partner für den Aufbau des UMTS-Netzes. Als Kandidat werde in Unternehmenskreisen laut "Welt" Hutchison Whampoa genannt.