Börse am Nachmittag: SAP zieht davon - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag SAP zieht davon

Die unerwartete Leitzinssenkung der EZB und die starke Eröffnung der US-Börsen drücken die deutschen Aktienmärkte deutlich ins Plus. Die Tech-Werte im Dax können zulegen.
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Frankfurt am Main - Die US-Börsen wiesen gut eine Stunde nach Eröffnung ein passables Plus auf. Die Industriewerte im Dow Jones legten zuletzt um 0,9 Prozent auf 10.966 Zähler zu. Die US-Technologiebörse Nasdaq gewann 0,9 Prozent auf 2180 Zähler.

Gerüchte über eine mögliche Heraufstufung des Halbleitersektors und Hoffnungen auf eine erneute Zinssenkung durch die US-Notenbank Fed hatten im vorbörslichen Handel den Nasdaq Future auf mehr als zwei Prozent nach oben getrieben.

Neben der überraschenden Leitzinssenkung durch die EZB profitierten die deutschen Aktien von der festen Eröffnung der US-Börsen. Der Dax pendelte sich auf hohem Niveau bei einem Plus von 2,1 Prozent bei rund 6200 Zählern ein. Die Wachstumswerte im Nemax 50 gaben wieder nach, verzeichneten aber noch ein Plus von 0,9 Prozent bei 1830 Zählern.

"Dax hat Potenzial bis 6400 Punkte"

Händler zeigten sich von der Leitzinssenkung in der Eurozone um 25 Basispunkte sehr überrascht. Das habe keiner erwartet, sagten viele Börsianer übereinstimmend. Dax und Nemax 50 waren nach der Entscheidung der EZB beide durchschnittlich um mehr als ein Prozent angesteigen. Nun müsse aber erst einmal abgewartet werden, ob die Tendenz anhalte, hieß es. Sollte der Dax die Marke von 6200 Zählern nachhaltig überwinden können, bestünde weiteres Aufwärtspotenzial auf bis zu 6400 Punkte, sagte ein Börsianer.

Analysten kritisierten aber, die EZB habe die Märkte nicht vorbereitet und riskiere einen Glaubwürdigkeitsverlust.

Die Technologiewerte im Dax machten nach der Zinsentscheidung einen großen Satz nach vorn und konnten ihre Gewinne auch halten. SAP setzten sich mit Kursaufschlägen von 4,85 Prozent auf knapp 176 Euro in der Spitze des Dax fest. Infineon stiegen um 2,4 Prozent auf knapp 47 Euro. Die Anteilsscheine des Bauelementeherstellers Epcos verteuerten sich um 3,6 Prozent auf 73,58 Euro. Siemens-Papiere standen mit 2,42 Prozent bei 84,60 Euro im Plus.

Überraschend stark notierten auch die Titel der Deutsche Post AG, die sich um rund 3,6 Prozent auf 18,28 Euro steigern konnten. Die Aktie habe die Marke von 17 Euro erfolgreich überwunden, begründeten Händler die Kursgewinne bei dem ehemaligen Monopolisten.

Nach überzeugenden Zahlen für das erste Quartal konnte BMW seine Kursgewinne ausbauen. Der Autobauer zeigte sich auch für den Rest des Jahres optimistisch. Und vor allem der optimistische Ausblick schien die Anleger fortgesetzt zum Kauf der Aktie zu animieren. Das Papier legte zuletzt 5,52 auf 41,65 Euro zu und belegte damit Platz zwei.

Auch die Aktien von DaimlerChrysler (plus 1,2 Prozent auf runde 57 Euro) und Volkswagen (plus 2,2 Prozent auf rund 56,60 Euro) legten zu. Die deutliche Abwärtstendenz auf dem deutschen Automobilmarkt scheint gestoppt: Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet unter Berufung auf inoffizielle Berechnungen des Verbandes der Automobilindustrie, dass die Neuzulassungen im April gegenüber dem Vorjahresmonat um vier bis fünf Prozent gestiegen sind.

Die Aktie des größten deutschen Handelskonzerns Metro rutschte am Nachmittag weiter ab und stand mit 1,26 Prozent auf 48,63 Euro in Minus. Im ersten Quartal 2001 konnte Metro an das Wachstum des Vorjahres anknüpfen. Der Umsatz sei in diesem Zeitraum um 5,2 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro gestiegen. Das Betriebsergebnis sei um rund ein Drittel auf 13,7 Millionen Euro gestiegen. Die Nachfrage der Verbraucher werde sich voraussichtlich nicht wesentlich verändern, urteilte der Vorstand.

Kursabschläge musste auch die Aktie der Degussa AG hinnehmen. Das Papier verlor zuletzt 1,44 Prozent auf 34,20 Euro und gehörte damit zu den größten Verlierern im Dax. Das Vorsteuer-Ergebnis Ebit sei im ersten Quartal um 19 Prozent auf 213 Millionen Euro eingebrochen, teilte das deutsche Spezialchemie-Unternehmen mit.

"Die Zahlen waren auf den ersten Blick grottenschlecht", kommentierte ein Frankfurter Börsenhändler die Geschäftszahlen, die Degussa am Donnerstag vorgelegt hatte. Außerdem hätten Abstufungen einiger Investmenthäuser den Kurs von Degussa gedrückt, sagte der Händler.

Neuer Markt: Comdirect erholen sich

Comdirect konnten sich vom Ende des Nemax 50 deutlich nach oben arbeiten und notierten zuletzt in etwa auf ihrem Vortagesniveau bei 14 Euro. Nach Vorlage der Quartalszahlen war der Wert zunächst deutlich abgerutscht und gehörte zu den größten Verlierern im Index. Das Konzernergebnis lag vor Steuern im ersten Quartal bei minus 19,8 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Online-Broker noch einen Gewinn 10 Millionen Euro ausgewiesen.

"Ich erwarte für keine der Direktbanken ein positives erstes Quartal", sagte ein auf die Banken spezialisierter Analyst. Neben den schwachen Handelsumsätzen der Privatanleger würden die Kosten für die europäische Expansion den Ausblick trüben.

Deutlich verbessern konnten sich die Papiere der Direkt Anlage Bank, die zuletzt sogar mit 1,3 Prozent bei 22 Euro im Plus standen. Zuvor gehörte der Wert mit Abschlägen von rund sechs Prozent ebenfalls zu den großen Verlierern im Nemax-50. Der Konkurrent Consors verzeichnete ein Plus von etwa Prozent auf 30,25 Euro.

Constantin Film abgestraft

Die Constantin Film hat ihre Planzahlen für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert und wurde von der Börse dafür mit immer stärker ansteigenden Kursverlusten abgestraft. Zugleich hatte das Bankhaus Merck Finck die Aktie von "Kaufen" auf "Halten" herabgestuft.

Voraussichtlich werde man bei einem Umsatz von 230 Millionen Mark ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) in Höhe von 18 Millionen Mark erzielen, hieß es. Ursprünglich hatte das Unternehmen 280 Millionen Mark Umsatz und ein Ebit von 27 Millionen Mark angepeilt. Grund für die Korrektur seien späte Kinostarts und enttäuschende Einspielergebnisse einiger Filme. Die Aktie brach zuletzt um mehr als 15 Prozent auf 16,31 Euro ein und war damit fortgesetzt schwächster Wert im Nemax 50.

Der Mobilfunkkonzern Mobilcom AG hat im ersten Quartal 2001 einen geringeren operativen Verlust und einen höheren Umsatz als von Analysten erwartet ausgewiesen. Das Papier stand zuletzt mit rund 1,5 Prozent bei knapp 21,66 Euro im roten Bereich. Die Berenberg Bank empfahl den Anlegern, das Papier zu reduzieren.

Aixtron begeistert Aktienhändler

Die Aktien des Aachener Hochtechnologie-Maschinenbauers Aixtron profitierten zunächst von der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das erste Quartal und hatten um mehr als vier Prozent zugelegt, rutschten zeitweilig ab und stiegen dann wieder auf plus 3,08 Prozent bei knapp 94 Euro.

"So etwas wie Aixtron begeistert mich. Ihnen gelingt es immer wieder, die Börse zu überraschen", sagte Andreas Kehl, Aktienhändler der Deutschen Bank. Ein anderer Händler beurteilte die Zahlen ebenfalls als gut. "Wenn Aixtron einen Großauftrag schneller abwickeln kann, dann fallen die Zahlen eben besser aus", sagte er. Im abgelaufenen ersten Quartal hatte Aixtron sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich gesteigert und die Prognosen für das gesamte Geschäftsjahr 2001 bekräftigt.

Der Softwareentwickler Brokat hat im ersten Quartal 2001 bei steigendem Umsatz seinen Nettoverlust gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich ausgeweitet. Der Umsatz sei um 118 Prozent auf 43 (Vorjahr: 19,7) Millionen Euro gestiegen. Die Aktie legte am Vormittag zunächst mehr als fünf Prozent zu, rutschte dann aber immer weiter ab. Zuletzt verzeichnete das Papier Kursabschläge von 6,5 Prozent auf 11,21 Euro. Die mit den Zahlen zugleich gemeldete Kooperation mit dem Mobilfunkkonzern Vodafone konnte die Anleger offenbar nicht mehr zum Kauf des Papiers animieren.

Die Papiere der Softwareschmiede Intershop rutschten zuletzt wieder tiefer in die Verlustzone bei Kursabschlägen von 3,7 Prozent auf 5,17 Euro. Nach einem Pressebericht hätten sich die Hinweise auf einen Verstoß gegen die Ad-hoc-Publizität durch das Unternehmen verdichtet.