Börse am Nachmittag Strohfeuer nach US-Daten
Frankfurt am Main - Unter dem Einfluss überraschend positiver Daten zur Arbeitsproduktivität in den USA hat sich der Dax spürbar von seinen Tiefständen erholt, er konnte sein Plus im weiteren Verlauf jedoch nicht halten. Geschwächt durch ein neues Allzeittief beim Indexschwergewicht Deutsche Telekom war der Leitindex zeitweise auf 4773 Punkte gefallen.
Die US-Arbeitsproduktivität ohne den Agrarsektor ist im ersten Quartal 2002 so stark gewachsen wie seit dem zweiten Vierteljahr 1983 nicht mehr. Wie das US-Arbeitsministerium in Washington mitteilte, kletterte sie im Vergleich mit dem Vorquartal um 8,6 Prozent. Dieser Produktivitätsanstieg übertraf die Expertenschätzungen. Jedoch warnen Volkswirte vor einer Überbewertung der Daten. Analysten sehen den hohen Anstieg durch Sondereffekte begünstigt. So hätten Beschäftigungsabbau und der Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden die Produktivität positiv beeinflusst.
Zudem steht noch eine Rede von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan an. Zentrales Thema auf dem Parkett ist die im Tagesverlauf erwartete Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed, die allerdings erst nach Börsenschluss in Frankfurt erwartet wird.
Nach einem kurzen Ausflug ins Plus hat der Dax bis 16 Uhr wieder nachgegeben und notierte auf 4853 Punkten, ein Minus von 0,6 Prozent. Der MDax aus 70 Nebenwerten sank um 1,5 Prozent auf 4430 Zähler und der Nemax 50 gab am Neuen Markt um 1,9 Prozent nach auf 782 Punkte.
In den USA entwickelten sich die Börsen nach einer freundlichen Eröffnung uneinheitlich. Der Dow Jones notierte nach einer halben Handelsstunde auf 9830 Punkten, ein knappes Plus von 0,2 Prozent. Die Nasdaq gab um 0,7 Prozent auf 1566 Zähler nach.
T-Aktie auf Rekordtief
Die Aktie der Deutschen Telekom sank im Handelsverlauf auf ein neues Allzeittief bei 12,38 Euro, kletterte zuletzt aber wieder auf 12,97 Euro, ein Plus von 1,3 Prozent. Der schwache Trend beschränkte sich nicht auf den Dax: "Es wird auf breiter Front verkauft, da steht die Telekom in Europa nicht alleine da", sagte Analyst Holger Bosse von Helaba Trust.
"Technische Unterstützungslinien sind durchbrochen worden - die Stimmung strebt dem Tiefpunkt entgegen", fügte er an. Ob France Telecom in Paris, die Mobilfunkaktie Vodafone in London oder Telecom Italia in Mailand: Sämtliche Telefongesellschaften gerieten erheblich unter Abgabedruck und erreichten an den Börsen neue Tiefststände.
Der Softwarewert SAP geriet erheblich unter Druck und verbilligten sich um 2,4 Prozent auf 129,75 Euro. Als "Schuss vor den Bug" bezeichnete ein Software-Analyst den Eintritt von Microsoft in den europäischen Markt für Unternehmenssoftware. Mit der Übernahme der dänischen Navision für 300 Dänische Kronen je Aktie stößt der US-Konzern in den Markt für kleinere und mittelgroße Kunden vor, auf dem auch SAP tätig ist.
Infineon und Epcos führen den Dax an
Von den guten US-Konjunkturdaten haben vor allem die beiden Technologiewerte Infineon und Epcos profitiert, die am Morgen noch im Minus notierten. Am Nachmittag führte die Aktie des Chipherstellers die Dax-Gewinnerliste mit einem Aufschlag von 5,1 Prozent auf 18,19 Euro an, Epcos-Titel folgten mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 43,44 Euro. Auch der Mutterkonzern Siemens präsentierte sich freundlich. Einige Experten rechnen auch in den kommenden Tagen mit Kurssteigerungen, wenn sich die Markterwartungen auf eine deutliche Ergebnisverbesserung des US-Netzwerkausrüsters Cisco erfüllen sollten. Das Unternehmen will am Dienstag nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vorlegen.
Schwächer präsentierten sich auch die Bankenwerte, nachdem die Ratingagentur Moody's nach eigenen Angaben demnächst möglicherweise ihre Ratings für einige US-Banken herunternehmen könnte. Deutsche-Bank-Aktien verloren 2,1 Prozent auf 74,40 Euro, HypoVereinsbank-Titel gaben ebenfalls 2,1 Prozent auf 37,50 Euro nach.
Aixtron und Qiagen deutlich im Plus - Schwache Zahlen bei Consors
Aixtron trotz Umsatzeinbußen im Plus
Am Neuen Markt realisierten die Papiere von Aixtron nach einem Ausflug in die Verlustzone zuletzt wieder Kurssteigerungen. Aixtron hatte im ersten Quartal 2002 weniger verdient als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, konnte die durchschnittliche Analystenerwartung beim Gewinn aber übertreffen. Die Aktien gewannen 4,3 Prozent auf 14,55 Euro.
Die Aktien von Qiagen verteuerten sich um 5,6 Prozent auf 15,45 Euro. Qiagen konnte Umsatz und Gewinn im ersten Quartal steigern. Die Ergebnisse haben laut Analyst Juri Jenker von der Privatbank Merck Finck & Co zwar leicht unter den Erwartungen gelegen, allerdings sei zugleich auch von einem stärkeren Dollar-Wechselkurs ausgegangen worden. Nun werde mit Spannung auf den Ausblick des Unternehmens gewartet.
Schwaches Geschäft bei Consors
Dagegen wies der Ende April von der französischen Bank BNP Paribas übernommene Online-Broker Consors im ersten Quartal einen weiteren Rückgang im operativen Geschäft auf. Wie die im Nemax 50 notierte Consors Discount-Broker AG am Dienstag mitteilte, verringerte sich der Nettoverlust jedoch wegen des Sparprogramms. Der Verlust je Aktie betrug demnach im ersten Quartal 0,28 Euro nach einem Verlust von 0,33 Euro im Vorjahreszeitraum. Der gesamte operative Ertrag sei von 56,4 Millionen Euro auf 34,3 Millionen Euro gefallen. Die Zahl der Trades fiel nach Consors-Angaben um 43 Prozent auf 1,4 Millionen. Consors notierte zuletzt um den Vortagesschluss bei 12,27 Euro.
Deutlich im Minus notierte die IM Internationalmedia . Das Papier hielt mit einem Abschlag von mehr als neun Prozent auf 5,70 Euro die rote Laterne im Nemax 50.
Euro etwas schwächer - Tokios Börse unter Druck
Kurs des Euro gefallen
Der Kurs des Euro ist am Dienstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9125 (Montag: 0,9144) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0959 (1,0936) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6230 (0,6230) Pfund, 116,97 (116,34) Yen und 1,4592 (1,4563) Schweizer Franken fest.
Tokio schließt schwach
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Dienstag nach einem verlängerten Wochenende schwach geschlossen. Die schwachen Vorgaben der amerikanischen Börsen hätten die Tokioter Kurse ins Minus gezogen, sagten Händler. Auch die Schwäche des Dollar zum Yen laste auf den Kursen.
Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte gab um deutliche 234,97 Punkte oder zwei Prozent auf 11.316 Zähler nach. Der breit angelegte Topix büßte um 12,38 Punkte oder 1,1 Prozent auf 1074 Zähler ein.
Vor allem die Technologiewerte litten unter den schwachen Vorgaben der Wall Street. Rohm verloren 760 Yen auf 18.300 Yen. Advantest fielen um 650 Yen auf 8600 Yen. Kyocera verbilligten sich um 410 Yen auf 8550 Yen. Auch die Aktien der Chiphersteller verbuchten Verluste: Fujitsu fielen um 59 Yen auf 922 Yen. NEC verloren 49 Yen auf 926 Yen und Toshiba rutschen 20 Yen auf 553 Yen.
Der Kurs der Toyota-Aktien rutschte um 70 Yen auf 3400 Yen, während Nissan fünf Yen auf 958 Yen gewann.