Börse am Nachmittag: Tag der T-Aktie - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Tag der T-Aktie

Die Papiere der Telekom erfreuen sich bester Nachfrage, die meisten Dax-Werte stehen im Plus, am Neuen Markt brummt das Geschäft. Händler rechnen bereits fest mit einer Zinssenkung.
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Frankfurt am Main - Die vorbörslichen Indikatoren in den USA versprechen einen guten Handelsauftakt der US-Börsen: Der Nasdaq Future steht mit 2,7 Prozent im Plus. Diese positiven Vorzeichen und Erwartungen, dass EZB-Chef Wim Duisenberg am kommenden Mittwoch nicht zuletzt wegen einer sich abschwächenden Konjunktur in Europa die Leitzinsen senken wird, treiben die deutschen Aktienmärkte weiter an.

Der Dax marschierte Richtung 6000-Punkte-Marke. Am Nachmittag notierte der Index für die Blue Chips knapp zwei Prozent fester auf 5892 Zähler. Der Index hatte am Morgen den Abwärtskanal nach oben leicht durchbrochen. Damit sei zunächst einmal Luft bis zur Marke von rund 6000 Zählern.

Um den Aufwärtstrend zu halten, seien allerdings auch in den kommenden Tagen anhaltende Käufe auf ganzer Markbreite notwendig, erklärte ein Händler. Sollte der EZB-Chef Duisenberg die Zinsen womöglich nicht oder nur geringfügig senken, könnte die gute Stimmung an den Märkte auch wieder sehr schnell verfliegen. Die Wachstumswerte im Nemax-50 legten zuletzt um satte 5,2 Prozent auf 1436 Zähler zu.

Die gestern am Dax-Ende abgeschlagenen SAP-Vorzüge gehörten am Dienstag fortgesetzt zu den Gewinnern unter den Blue Chips und steigerten sich zuletzt um 7,1 Prozent auf 132 Euro und führten damit die Gewinnerliste im Dax an. Zur Erinnerung: Vor gut sechs Wochen hatte der Wert noch bei rund 200 Euro gestanden. Die Papiere der Siemensfamilie gaben zwar ein wenig nach, konnten aber ihre gestrigen Verluste nahezu wett machen und gehörten weiter zu den Gewinnern. Epcos stiegen um 4 Prozent, die Papiere des Mutterkonzerns Siemens verzeichneten Kursaufschläge von zuletzt 3,2 Prozent, Infineon standen mit 3,3 Prozent im grünen Bereich.

T-Aktie nicht zu bremsen

Die T-Aktie steigerte ihre Kurszuwächse auf mehr als sieben Prozent bei rund 28,72 Euro. "Eine Zinssenkung im Euroland würde vor allem dem Bonner Telekomriesen helfen", erläuterte ein Händler. Jede kleinste Zinssenkung mache sich bei den hohen Schulden der Telekom deutlich bemerkbar. Zudem planen die Bonner im laufenden Jahr Immobilien zu verkaufen, um Schulden abzubauen. Auch die Veräußerung des zehnprozentigen Sprint-Anteils sei im Gespräch, erklärte der Händler weiter. Dies werde positiv vom Markt aufgenommen.

Überdies hatte Credit Suisse First Boston zuvor den europäischen Telekommunikationssektor hochgestuft. Und nicht zuletzt hatte das Investmenthaus Goldman Sachs seine Gewinnreihe für den Rosa Riesen erhöht.

E.ON-Papiere haben von ihrer Power am Vortag nichts verloren. Die Aktien gehörten fortgesetzt zu den Gewinnern im Dax und standen mit 3,25 Prozent auf 56,22 Euro im Plus. Nach der angekündigten Übernahme der britischen Powergen war die Aktie am Vortag als stärkster Wert aus dem Handel gegangen. Anschlusskäufe belebten am Morgen fortgesetzt den Kurs. Analysten bewerten die Übernahme-Offerte positiv. Investmentbanken empfahlen auch heute das Papiere zum Kauf.

Zu den Gewinnern im Dax zählten ebenso konservative Werte wie MAN (plus 4,7 Prozent) und die Papiere von ThyssenKrupp (plus 6,4 Prozent), die damit zuletzt auf dem zweiten Platz rangierten.

DaimlerChrysler-Anteilsscheine zeigten sich am Dienstagmittag nach Bekanntgabe der Smart-Zahlen am Vortag freundlich. Die Papiere standen zuletzt mit 2,54 Prozent auf rund 54 Euro im Plus und waren damit stärker als die Konkurrenten BMW (plus 0,3 Prozent) und Volkswagen (plus 0,9 Prozent). Ein Analyst des Bankhaus Hermann Lampe führte den Gewinn auf die Absatzzahlen für den Kleinwagen Smart zurück. Die Zahlen hätten über den Erwartungen des Marktes gelegen. Dies zeige am heutigen Dienstag noch seinen positiven Effekt auf den Aktienkurs.

Die Aktie der Comdirect Bank legte zuletzt um 3,8 Prozent auf 13,1 Euro zu, nachdem bekannt wurde, dass der Direkt-Broker in den ersten drei Monaten 40.624 neue Kunden hinzu gewonnen hatte. Bedingt durch das schwache Börsenumfeld sei aber das betreute Kundenvermögen auf 8,9 Milliarden Euro zurückgegangen. Zum 31.12.2000 waren es noch 10,2 Milliarden Euro gewesen.

Die Konkurrenz zeigte sich dagegen schwächer. Consors verloren 0,3 Prozent, Direkt Anlage Bank gehörten mit Verlusten von zuletzt mehr als zwei Prozent zu den größten Verlierern im Nemax-50.

Das Investmenthaus Goldman Sachs hatte die Papiere der Direkt Anlage Bank zuvor von seiner Empfehlungsliste genommen. In der Begründung führten die Analysten den harten Preiskampf an. Viele Online-Anbieter müssten ihre Dienstleistungen immer günstiger anbieten, dies würde aber die Umsätze nach unten ziehen. Zusätzlich wirke sich die Talfahrt an den Aktienmärkten negativ aus. Die Analysten von Goldman Sachs haben deshalb auch ihre Schätzungen für das Ergebnis je Aktie (EPS) für 2001 von einem Gewinn von 0,9 Euro auf einen Verlust von 0,60 Euro reduziert. Für 2002 erwarten sie ein Verlust von 0,01 Euro.

Die Aktien der Evotec Biosystems AG verteuerten sich zuletzt um 8,51 Prozent auf knapp 18 Euro. Das Unternehmen hat einen Technologievertrag mit der Celltech Group abgeschlossen.

Die niederländische Qiagen und Nemax-50-Schwergewicht kletterte um 6,2 Prozent auf 23,12 Euro. Das Unternehmen will die Ebit-Marge in den kommenden fünf bis sechs Jahren auf 30 Prozent steigern. Der derzeitige Wert von 20 Prozent sei früher als geplant erreicht worden. Zudem peile der Biotech-Zulieferer eine jährliche Umsatzsteigerung um 30 bis 40 Prozent an.

Die Heyde-Gruppe hat im vergangenen Geschäftsjahr ihren Umsatz um 73 Prozent auf 312 Millionen Mark gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) belaufe sich aber nach US-GAAP auf Minus 46,9 Millionen Mark. Bereits vor einigen Monten habe Heyde deshalb mit einem Restrukturierungsprogramm begonnen. Dennoch erwarte Heyde auch für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres einen deutlichen Verlust. Zusätzlich hat das Unternehmen zwei Firmenkäufe abgesagt. Der Markt reagierte recht verhalten auf diese Nachricht, die Aktie büßte rund ein Prozent auf 1,90 Euro ein.

Dagegen legte die Kontron Embedded Computers AG um 11,87 Prozent auf 37,70 Euro zu. Der Anbieter miniaturisierter Computer hat im ersten Quartal 2001 einen Rekordumsatz von über 100 Millionen Mark erzielt.

Am Neuen Markt rutschten die Aktien des Filmrechtehändlers Advanced Medien zuletzt wieder um mehr als 20 Prozent auf 0,72 Euro abgegeben. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Konzernverlust von 71,8 Millionen Mark erwirtschaftet. Wie Advanced Medien mitteilte, seien hierfür operative Verluste in allen Geschäftsfeldern, marktbedingte außerplanmäßige Wertberichtigungen auf das Filmvermögen in Höhe von 18,1 Millionen Mark und Wertberichtigungen auf Forderungen in Höhe von 27 Millionen Mark verantwortlich. Nach erheblichen Absatzproblemen im Kerngeschäftsfeld Filmrechtehandel sei der Umsatz auf 56,3 Millionen Mark zurückgegangen. Insbesondere im vierten Quartal habe es schwache Geschäfte gegeben. Die Anleger trennen sich von dem Wert in Scharen.

Teldafax bleibt vom Handel ausgesetzt

Die Aktie des angeschlagenen Telekom-Unternehmen Teldafax ist am Dienstag in Frankfurt voraussichtlich für den ganzen Tag vom Handel ausgesetzt worden. Wie die Deutsche Börse AG, Frankfurt, weiter mitteilte, geschieht dieser Schritt auf Antrag des Emittenten wegen einer bevorstehenden wichtigen Mitteilung. Einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Focus-Money" zufolge will Teldafax den Serviceprovider Netztel Plus verkaufen, um Geld in die Kasse zu bekommen.