Börse am Nachmittag Tech-Titel wieder im Plus
Frankfurt am Main - Die Stimmung am Markt hat sich nach den massiven Gewinnmitnahmen im frühen Handel wieder gebessert. Bis 14.30 Uhr näherte sich der Dax der Vortagesschlusslinie und notierte mit 6153 Punkten nur noch leicht im Minus. Einen kleinen Spurt legten die Wachstumswerte hin: Der Nemax 50 befreite sich aus dem roten Bereich und konnte mit 1686 Zählern sogar ein leichtes Plus verbuchen. Das Tagestief wurde bei 1635 Zählern gemessen. Der M-Dax verharrte knapp unter der Vortagesschlusslinie bei 4610 Punkten.
Die leichte Aufwärtsbewegung an den Börsen wurde von einem freundlichen Nasdaq-Future mitgetragen, der mit über zwei Prozent im Plus notierte und auf eine gute Eröffnung in New York hindeutet. Auch der S&P-Future präsentierte sich stark.
Erst nach Eröffnung der Wall Street werde sich zeigen, ob die jüngste Kurserholung nachhaltig sei, sagten Händler. Den Ausblick für die Aktienmärkte machte Stefan Buchholz, Aktienhändler bei der DG Bank, von der weiteren Entwicklung der US-Technologiebörse Nasdaq abhängig. "Wenn die Nasdaq sich einigermaßen über der Marke von 2000 Punkten hält, muss davon ausgegangen werden, dass der Markt jetzt von der Tendenz her weiterhin nach oben geht, weil doch viele sich im Moment sehr stark zurück gehalten haben. Mit jedem Tag, wo der Markt fester nach oben geht, wird der Druck auf Fondsmanager größer. Die müssen dann nachziehen und kaufen den Markt nach oben."
Die SAP-Aktie hielt mit einem Aufschlag von über acht Prozent auf 166,50 Euro die Spitze in der Dax-Gewinnerliste. Die am Morgen vor Börseneröffnung veröffentlichen Zahlen haben Händler positiv kommentiert: "Die Zahlen sind gut", sagte ein Händler. "Sehr gut" nannte sie Michael Bahlmann vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg, "erheblich besser als das, was die Mehrheit der Analysten erwartet hat." Dass das Unternehmen trotz des schwierigen Umfelds seine Wachstumsziele über das erste Halbjahr hinaus auf das dritte Quartal ausgeweitet habe, wertete der Analyst als "Zeichen der Stärke für SAP".
Ohne Berücksichtigung der Kosten für Mitarbeiter-Bonusprogramme habe das operative Ergebnis bis Ende März um 82 Prozent auf 233 Millionen Euro zugelegt, teilte das Unternehmen mit. Für die Zukunft wird mit einem anhaltend starken Wachstum gerechnet.
Nach einer schwachen Eröffnung zogen auch die restlichen Technologiewerte im Dax wieder etwas an: Siemens-Titel stiegen um 1,2 Prozent auf 130,60 Euro. Epcos drehte ins Plus und notierte leicht über dem Vortagesschlusskurs. Infineon-Aktien reduzierten ihre Verluste auf minus 1,4 Prozent bei 49,05 Euro.
Die Aktien der Deutschen Telekom, die am Vormittag bereits unter 30 Euro gehandelt wurden, kletterten wieder auf 30,31 Euro und verteuerten sich damit leicht zum Vortagesschlusskurs.
Thyssen Krupp profitierte von einer Heraufstufung der Commerzbank und Medienberichten, denen zufolge der Industriekonzern einen Freizeitpark nahe Krefeld plane. In Zusammenarbeit mit Universal Studios soll auf einem ehemaligen Hüttenfeld massiv investiert werden. Anleger honorierten die Pläne mit einem Aufschlag von 1,3 Prozent auf 17,20 Euro.
Automobilwerte notierten uneinheitlich. Volkswagen-Aktien präsentierte sich mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 53,66 Euro sehr fest. Die Aktie der Münchener BMW kletterte um 0,6 Prozent auf 37,14 Euro. Kursabschläge verbuchte dagegen die Aktie des deutsch-amerikanischen Autokonzerns DaimlerChrysler. Das Papier fiel um 0,3 Prozent auf 54,50 Euro.
Degussa wird nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ihre Edelmetalltochter DMC2 voraussichtlich an das amerikanische Spezialchemieunternehmen OM Group verkaufen. Der Vertrag solle Ende der Woche unterzeichnet werden. Die Zeitung berief sich auf Angaben aus Verhandlungskreisen. Die Aktie des Unternehmens kletterte um 2,6 Prozent auf 32,74 Euro.
Größter Verlierer im Dax war Preussag. Die Anteilsscheine verbilligten sich um 3,5 Prozent auf 37,35 Euro.
Neuer Markt erholt sich wieder
Nachdem am Neuen Markt die Kurse am Vormittag eingebrochen sind, erholten sich die Wachstumswerte im Handelsverlauf wieder. Im Nemax 50 überzeugten vor allem die Titel von IM International Media mit einem Kursaufschlag von über zehn Prozent auf 25,70 Euro.
Heyde hat seine frühen Gewinne wieder abgeben müssen. Die Aktie führte am Morgen die Gewinnerliste an, notierte am Nachmittag jedoch nur noch 2,2 Prozent im Plus bei vier Euro. Ein Händler sagte, dass es Gerüchte gebe, wonach die Deutsche Bank das Softwarehaus übernehmen wolle. Ob das stimme, sei dahingestellt, erkläre aber möglicherweise die derzeitige "Euphorie" für den Wert. Am Mittwoch legte der Wert zeitweise um bis zu 100 Prozent zu.
Pixelpark hat nach der Kursrallye der vergangenen Handelstage einen Teil seiner Gewinne abgeben müssen und hielt mit einem Abschlag von 11,3 Prozent die rote Laterne im Nemax 50.
Im breiter gefassten Nemax-All-Share kletterte TelDaFax um 68 Prozent auf 0,84 Euro. Nachdem die Leitung des Telekommunikationsanbieters genau zwei Wochen lang gekappt waren, erwirkte das Marburger Unternehmen eine einstweilige Verfügung gegen die Deutsche Telekom. Die Telekom muss demnach die Zusammenschaltung mit dem Netz der Teldafax unverzüglich wieder herstellen.
Marius Hoerner, Analyst bei Lang & Schwarz, rät Anlegern, die Aktie nicht zu kaufen. Da würden nun Zocker "die schnelle Mark machen", die bereit seien, ein hohes Risiko einzugehen. Er gab sich angesichts der einstweiligen Verfügung gegen die Telekom gelassen: Die Verfügung sei kein endgültiges Urteil, der Streit zwischen den Unternehmen werde noch Wochen weitergehen.
Hoffnungen auf baldige EZB-Zinssenkung stärkt den Euro
Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte um 14.30 Uhr bei 0,8832 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 0,8778 Dollar festgesetzt. Die Marktteilnehmer erwarteten, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung die Leitzinsen senken werde, nachdem die US-Notenbank Fed am Mittwoch überraschend die Zinsen um 50 Basispunkte verringert hatte, sagten Händler. Die erneute Zinssenkung durch die Fed habe es der EZB leichter gemacht, die Zinsen zu senken, hieß es.
Der Rentenmarkt zeigte sich schwächer. Der Richtung weisende zehnjährige Bund-Future büßte 0,13 Prozent auf 107,61 Zähler ein. Der Rentenindex Rex notierte unverändert bei 112,22 Punkten.