Börse am Nachmittag Tech-Werte unter Druck
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte zeigten sich am frühen Nachmittag auf schwachem Niveau wenig verändert. Der Dax fiel bis 13.50 Uhr um 0,4 Prozent auf 5829 Punkte. Die Wachstumswerte im Nemax 50 zeigten sich 0,3 Prozent schwächer bei 1340 Zählern. Die Anleger hielten sich zurück und warteten die Entscheidung der US-Notenbank ab. Experten rechnen mit einer weiteren Zinssenkung um 25 Basispunkte.
Nach dem Konkurrenten BASF hat auch der Chemie- und Pharmakonzern Bayer für das Geschäftsjahr 2001 eine Gewinnwarnung abgegeben. Der Konzern erwartet bis zum Jahresende ein operatives Ergebnis vor Sonderposten in der Größenordnung von drei Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen 3,3 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Die Börse blieb von der Ergebniskorrektur relativ unbeeindruckt. So notierte die Bayer-Aktie nur 0,21 Prozent leichter auf 43,25 Euro. Händler begründeten die vergleichsweise moderaten Kursabschläge damit, dass die Aktie nach den Gewinnwarnungen der Konkurrenten bereits unter Verkaufsdruck gestanden hatte. BASF standen mit 0,82 Prozent bei 43,45 Euro im Minus. Henkel drehten ins Plus mit 0,36 Prozent auf 69,44 Euro. Degussa gehörten mit Kursaufschlägen von 0,6 Prozent auf 32,15 Euro noch zu den stärksten Werten im Dax 30.
Schwächster Wert im Dax waren weiter die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon, die nach Verlusten von sieben Prozent am Vortag zuletzt weitere 3,54 Prozent auf 26,42 Euro nachgaben. Im Markt hielten sich hartnäckig Gerüchte über eine mögliche Kapitalerhöhung. Epcos verloren 1,25 Prozent auf 63,20 Euro.
Der Markt für Telekommunikationsnetzwerke hat nach Ansicht der Siemens AG seine Talsohle erreicht. Eine Erholung sei jedoch noch nicht absehbar, sagte Andreas Mattes, Vorstand des Siemens-Bereichs Information and Communication Networks (ICN) der "Financial Times Deutschland". Der Markt bleibe in einem "Wackel-Zustand". ICN steht nach Angaben der Zeitung im Siemens-Konzern neben der Mobilfunksparte derzeit am stärksten unter Druck, die Marge zu steigern. Die Aktien von Siemens verloren zuletzt 1,81 Prozent auf 70,47 Euro und setzten damit ihren Abwärtstrend vom Vortag fort.
Stärkster Wert im Dax waren zwischenzeitlich die Aktien von SAP. Sie fielen dann aber wieder auf 162,85 Euro zurück ein Plus von rund 0,7 Prozent. Larry Ellison, Vorstandsvorsitzender des US-Softwareherstellers Oracle, hatte in einem Interview gesagt, er rechne trotz der allgemein schlechten Lage der Technologiebranche im vierten Quartal diesen Jahres mit einem Nachfrageanstieg für sein Unternehmen. Dies hatte die Aktie von SAP zwischenzeitlich beflügelt.
Die Europäische Kommission wird die versprochenen Beihilfen der Bundesregierung und des Landes Sachsen für die so genannte Gläserne Fabrik des Volkswagen-Konzerns in Dresden offenbar genehmigen. Wie das "Handelsblatt" heute berichtet, könne VW mit einem Bescheid noch vor der Sommerpause rechnen. Allerdings werde damit gerechnet, dass die Kommission die Gesamtsumme in Höhe von 194 Millionen Mark leicht nach unten korrigieren werden, schreibt das Blatt. Die Papiere von VW gaben 1,4 Prozent auf 53,44 Euro nach und belegten damit den vorletzten Platz im Dax.
Zumwinkel will zupacken
Mit zusätzlichen unternehmerischen Anstrengungen und einer Kommunikationsoffensive will die Deutsche Post AG den auch aus ihrer Sicht unbefriedigenden Aktienkurs beflügeln. Ab sofort werde die Investor-Relations-Arbeit deutlich verstärkt. Zudem werde man im gesamten Konzern durch Synergien "ganz neue Kräfte" frei setzen. Die "Aktie Gelb" notierte am Tag der Hauptversammlung mehr als ein Prozent stärker auf 18,54 Euro und führte damit den Dax an.
Die Aktien des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP haben am Mittwoch anfänglich von der gestrigen Entscheidung des Arbeitskreises Aktienindizes profitiert, den Wert in den Dax 30 aufzunehmen. Zuletzt rutschte der Kurs auf Grund von Gewinnmitnahmen jedoch auf 122,60 Euro ein Verlust von 1,92 Prozent.
Die Aktien des auf die Herstellung patentfreier Medikamente (Generika) spezialisierten Pharmaunternehmens Stada haben sich am Mittwoch mit einem Plus von 1,34 Prozent auf 26,50 Euro deutlich besser als der Smax entwickelt. Aktienhändler erklärten die Kursgewinne mit der Aufnahme des Titels in den M-Dax, in dem die 70 wichtigsten Nebenwerte gelistet sind. Am Vorabend hatte die Deutsche Börse mitgeteilt, dass Stada bis spätestens 21. September 2001 auf den nächsten freiwerdenden Platz im M-Dax aufrücke.
Trotz positiver Vorgaben der US-Technologiebörse Nasdaq zeigte sich der Neue Markt schwächer. "Keiner hat den Mut, jetzt in das Wachstumssegment zu investieren", sagte ein Händler. Die Anleger suchten lieber ihr Glück in den Dax-Werten.
Die schlechten Nachrichten, die aus den USA kommen der Halbleiterhersteller Vitesse Semiconductor hat seine Prognosen für das dritte Quartal gesenkt - beeindruckten den Neuen Markt allerdings wenig, sagte der Händler. Zum Beispiel Aixtron, die Maschinen für die Chipindustrie produzieren, liefen gut. Der Wert stieg um 7,18 Prozent auf 32,69 Euro und stand damit in der Spitze des Nemax 50.
Die Pixelpark AG hat vor ihren Aktionären das Ziel bekräftigt, noch in diesem Jahr die Gewinnzone zu erreichen. "Wir wollen ab Ende des Jahres schwarze Zahlen schreiben", sagte Vorstandschef Paulus Neef auf der Hauptversammlung in Berlin. Neben den Personalkosten würden auch die Infrastruktur- und Reisekosten gesenkt. Zudem verwies Neef darauf, dass bis Jahresende weltweit etwa 300 Stellen abgebaut werden sollen. Finanzvorstand Annette Koch kündigte an, dass sich das Unternehmen aus Osteuropa zurückziehen werde.
Die Börse zeigte sich von der Ankündigung wenig beeindruckt. Die Aktie von Pixelpark verlor zuletzt mehr als vier Prozent auf 5,76 Euro gehörte mit zu den schwächsten Werten im Nemax 50.
Unter starkem Verkaufsdruck litten Logistik-Werte: D. Logistics verloren 6,74 Prozent auf 13,70 Euro. Das Nemax-50-Schwergewicht Thiel Logistik verbilligte sich um 5,16 Prozent auf 18,20 Euro.
Die Adlink Internet Media AG hat den Rückkauf eigener Aktien im Umfang von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals beschlossen. Die Aktien stiegen um 17 Prozent auf schlappe 1,59 Euro. Ebenso in der Spitze des marktbreiteren Nemax All Share standen die Papiere von LPKF Laser & Electronics, die um rund 17,43 Prozent auf 7,68 Euro zulegten. Das Unternehmen hatte am Vortag eine Umsatzwarnung ausgegeben und war mit Kursverlusten von 33 Prozent in den Keller gerauscht.