Börse am Nachmittag Techtitel im Tiefentaumel
Frankfurt am Main - Der Dax hat einen Teil seiner Verluste nach Eröffnung der Wall Street wieder abbauen können, blieb am Nachmittag aber noch deutlich im Minus. Der deutsche Leitindex notierte um 16 Uhr auf 4568 Punkten, ein Minus von 0,8 Prozent. Noch deutlicher gaben die Nebenwerte ab: Der MDax sank um 1,3 Prozent auf 4172 Zähler. Am Neuen Markt wurde der Nemax 50 erneut von einem massiven Kursrückgang beim Schwergewicht Mobilcom belastet. Der Auswahlindex rauschte um 4,5 Prozent auf 680 Punkte nach unten. Das Börsenbarometer erreichte damit das Niveau vom September 2001, als es im Zuge der Anschläge in den USA stark abfiel.
In den USA eröffneten die Börsen schwächer, zogen im frühen Handel aber deutlich an. Der Dow Jones notierte nach einer halben Handelsstunde auf 9555 Punkten, ein Plus von 0,4 Prozent. Die Nasdaq kletterte um 0,3 Prozent auf 1501 Zähler.
Neben den schlechten US-Börsenvorgaben lasteten auch Sorgen vor möglichen Anschlägen auf der Stimmung am Markt, sagte ein Frankfurter Börsianer. "Psychologisch ist das ein Faktor, das hilft dem nervösen Markt sicherlich nicht. Man glaubt zwar nicht richtig daran, aber mit der Reisezeit vor der Haustür macht man sich zumindest seine Gedanken." Der BND hatte nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung vor Anschlägen der El-Kaida-Gruppe mit Flugzeugen auf deutsche Großstädte gewarnt.
Im Mittelpunkt des Händler-Interesses standen im Dax der Versicherungskonzern Allianz und der Software-Hersteller SAP . "Der Dax tummelt sich im Bereich der Tiefstände, wie wir sie zuletzt im Herbst 2001 gesehen haben", sagt Adig-Fondsmanager Kerstan von Schlotheim. Seiner Einschätzung nach werde sich eine Bodenbildung bei 4400 bis 4500 Punkten ausbilden.
Allianz: Kritik auf der Hauptversammlung
Am Tag der Hauptversammlung sank die Aktie der Allianz um 2,1 Prozent auf 220,28 Euro. Aktionärsvertreter haben auf der Hauptversammlung vorsichtige Kritik an der Übernahme der Dresdner Bank geübt. Zwar sei das Modell eines integrierten Finanzdienstleisters grundsätzlich plausibel, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Auf den Aktienkurs habe sich dies jedoch bislang "nur negativ" ausgewirkt. Auch Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hob hervor, dass sich der Kurs der Allianz-Aktie nach der Transaktion schlechter als der Branchendurchschnitt entwickelt habe. Deshalb stelle sich die Frage, ob die Übernahme der richtige Schritt gewesen sei und ob dafür ein angemessener Preis gezahlt wurde. In der Dresdner Bank seien "die Probleme des Bankgewerbes ganz besonders kumuliert", meinte Schneider.
Schwach notierte die Aktie des Software-Konzerns SAP , die mit Minus fünf Prozent auf 106,55 Euro die rote Laterne im Dax hielt. Händler begründeten die Verluste mit der allgemeinen Markttendenz, aber auch mit erwartet schlechten Unternehmensbilanzen für das laufende Quartal beim US-Konkurrenten Siebel Systems.
Techwerte deutlich unter Druck
Zu den schwächsten Werten zählten wieder die Technologiewerte wie Deutsche Telekom , Infineon und Epcos . Die T-Aktie sank zuletzt auf 10,31 Euro - ein Verlust von 3,2 Prozent. Die Anteilsscheine von Infineon und Epcos verloren mehr als vier Prozent.
Die Autowerte konnten sich dem schwachen Handelstrend ebenfalls nicht entziehen. Volkswagen-Titel sanken um 1,5 Prozent auf 54,13 Euro. Die Aktien von BMW fielen um 2,2 Prozent auf 44,27 Euro und DaimlerChrysler-Papiere gaben 0,3 Prozent auf 50,27 Euro ab.
Nennenswerte Gewinne verbuchten die Aktien von Adidas Salomon und Metro , die jeweils knapp über ein Prozent gewannen.
Mobilcom-Streit eskaliert - Euro etwas stärker
Mobilcom-Streit eskaliert
Am Neuen Markt notierten Mobilcom-Aktien mehr als 25 Prozent leichter bei 5,40 Euro. Es gebe noch viele Fragezeichen zur Zukunft des Unternehmens, sagte ein Händler. Deswegen bleibe die Unsicherheit im Markt und die Aktie stark volatil. Am Dienstag hatte der Großaktionär France Télécom ihren Kooperationsvertrag mit Mobilcom zum Aufbau des UMTS-Netzes gekündigt. Mobilcom teilte mit, es gebe dafür keine rechtliche Grundlage. Die Mobilcom-Aktie war gestern bereits um annähernd 50 Prozent eingebrochen. Ob die von den Franzosen angestrengte Trennung gelingt, ist unter Experten umstritten - Mobilcom will die Trennung rechtlich prüfen lassen.
Die Aktie von France Télécom hat die nach Aufkündigung der Kooperation erzielten Kursgewinne vom Vortag teilweise wieder abgegeben. Der Kurs verlor an der Pariser Börse zuletzt knapp sechs Prozent. Der Anstieg der France-Télécom-Aktie am Vortag um 8,27 Prozent nach Bekanntgabe der Vertragskündigung sei für Gewinnmitnahmen genutzt worden, hieß es am Markt. Die Aktie des hochverschuldeten französischen Konzerns hat seit Jahresanfang mehr als 60 Prozent ihres Werts verloren. Der Druck auf die Telekommunikations- und Technologiewerte wird nach Auffassung von Analysten in Paris andauern. Überwiegend wurde die Entscheidung der France Télécom positiv bewertet. "France Télécom hat endlich Konsequenzen gezogen", erklärte ein Analyst. Ohne Hilfe der Franzosen könne Mobilcom die im Juli fällig werdenden Kredite über 4,7 Milliarden Euro nicht bedienen. Vom Maklerhaus Fideuram Wargny hieß es, "die Karte eines möglichen Konkurses (von Mobilcom) scheint nun unabänderlich ins Spiel gebracht".
Stark unter Druck standen am Neuen Markt auch die Techwerte Trintech (minus 16,8 Prozent auf 1,49 Euro) und Dialog Semiconductors (minus 20,5 Prozent auf 2,02 Euro).
Das Nemax-Schwergewicht T-Online konnte sich am Morgen dem schwachen Trend widersetzen, fiel im weiteren Handelsverlauf jedoch ins Minus. Zuletzt notierte das Papier 4,4 Prozent schwächer auf 8,51 Euro.
US-Vorgaben belasten Nikkei
Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 1,1 Prozent auf 11.327 Punkte ein. Der breiter gefasste Topix gab um 0,7 Prozent auf 1093 Zähler nach.
Die Stimmung für japanische Aktien sei aber trotz der Kursverluste gut, sagte Akira Nakamura von Chuo Securities. Er sah den Grund für die schwache Sitzung in dem Verfall von Optionen am Freitag. Bis dahin könne der Nikkei 225 auf 11.000 Punkte sinken. Danach rechnet er aber wieder mit steigenden Kursen.
Autowerte notierten uneinheitlich. Der Yen-Kurs zum Dollar bringe nur ausgewählten Titeln einen Aufschwung. So verteuerten sich Honda um 40 auf 5380 Yen, Hino Motors notierten mit 376 Yen um elf Yen leichter. Toyota gaben dagegen 20 auf 3230 Yen ab.
Geschwächt durch den Kursrutsch von Techwerte an der Wall Street wurden auch japanischen Technologietitel verkauft. Rohm verloren 470 Yen auf 17.820 Yen, TDK gaben 200 Yen ab auf 6240 Yen. Chipwerte gingen den gleichen Weg nach unten. Fujitsu sanken um 14 auf 886 Yen, Oki Electric schlossen um zehn Yen leichter bei 273 Yen. Hitachi verloren sieben Yen auf 860. Nach dem Verfallstag werde sich die Stimmung wieder zugunsten der Techwerte drehen, zeigt sich Akira Nakamura sicher.
Kurs des Euro gestiegen
Der Kurs präsentierte sich am Mittwoch wieder stärker. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9452 (Dienstag: 0,9417) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0580 (1,0619) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6431 (0,6430) Pfund, 118,73 (118,14) Yen und 1,4774 (1,4752) Schweizer Franken fest.