Börse am Nachmittag Terrorangst belastet Wall Street
New York / Frankfurt am Main Nicht nur schlechte Unternehmensnachrichten von Lucent und Honeywell belasten die Kurse an der Wall Street. Auch die Angst vor weiteren Terroranschlägen kehrt zurück: Nach der Festnahme dreier verdächtiger Männer in Florida haben die US-Behörden eine Terrorwarnung veröffentlicht. Zudem ist das Vertrauen der US-Verbraucher, die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft, weiter gesunken.
Der Dow Jones gab bis 16.05 Uhr um 1,5 Prozent auf 8256 Punkte nach, während der Nasdaq Composite 0,3 Prozent auf 1275 Zähler verlor. In Frankfurt waren die Indizes zu diesem Zeitpunkt tief in der Verlustzone: Der Dax lag mit einem Minus von 2,5 Prozent bei 3335 Punkten, dern Nemax notierte 4,8 Prozent schwächer bei 419 Punkten. Die Gewinnwarnung des US-Mischkonzerns Honeywell und eine Umsatzwarnung des angeschlagenen US-Netzwerkausrüsters Lucent haben Anleger zu weiteren Verkäufen motiviert, sagten Händler. Honeywell verwies auf das "sehr schwierige wirtschaftliche Umfeld". Lucent rechnet wegen des schwachen Marktes mit einem Umsatzeinbruch von 20 bis 25 Prozent im vierten Geschäftsquartal.
Verbrauchervertrauen drückt auf die Märkte
Auch neue Konjunkturdaten brachten keine Entlastung. Die US-Einzelhandelsumsätze sind im August zwar um 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat und damit etwas stärker als erwartet gestiegen, jedoch ist nach Angaben der Universität Michigan das Vertrauen der US-Verbraucher weiter gesunken: Der Index ist im September auf 86,2 (Vormonat: 87,6) Punkte gesunken.
Bereits am Donnerstag hatte der Dow Jones um mehr als 200 Punkte nachgegeben. Nach der Rede von US-Präsident George W. Bush vor den Vereinten Nationen wird ein Krieg zwischen den USA und dem Irak immer wahrscheinlicher. Sorgen um die Wirtschaft und die weltpolitische Lage belasten die Märkte.
Nasdaq: Chiptitel unter Druck
Verluste im Halbleitersektor belasten die Nasdaq. Die Investmentbank Lehman Brothers hatte erklärt, die Aktien der Chipausrüster dürften in den kommenden Monaten weiter unter Druck bleiben. Weiterhin hat US-Notenbankchef Alan Greenspan mit seiner Rede vor dem Repräsentantenhaus die Hoffnungen auf einen baldigen Wirtschaftsaufschwung in den USA gebremst. Die Abstufungen zahlreicher Analystenhäuser drückten außerdem auf die deutschen Hightechtitel.
Gute Nachrichten von Motorola und Adobe
Der Mobiltelefon- und Chiphersteller Motorola hat die Gewinnprognose für sein Halbleitergeschäft im dritten und vierten Quartal dieses Jahres sowie den Ausblick für die Branche weltweit bekräftigt. Erfreulich auch: Der US-Softwarehersteller Adobe Systems hat im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Gewinn je Aktie von 0,22 Dollar erzielt und damit Analysten-Schätzungen von 0,19 Dollar übertroffen.
Dax baut Verluste aus Allianz bricht ein
Massive Kursverluste des Finanzkonzerns Allianz , des Softwareherstellers SAP und die drohende Pleite von Mobilcom haben den deutschen Aktienmarkt am Freitag erneut stark belastet. Die Rezessions- und Kriegsängste halten Anleger trotz vermeindlich günstiger Kurse weiterhin vom Markt fern. Zu den Gewinnern am Dax zählten am Nachmittag lediglich TUI , Henkel und Degussa .
Der Dax gab bis 15.50 Uhr um 3,5 Prozent nach und droht unter die Marke von 3300 Punkten zu fallen. Von seinem im August markierten Fünfjahrestief ist der Index noch rund 90 Punkte entfernt. Am Neuen Markt verlor der Auswahlindex Nemax 50 zeitweise mehr als fünf Prozent auf ein Rekordtief von 415 Zählern. Zuletzt notierte der Index bei 418 Punkten.
Allianz-Aktie bald unter 100 Euro?
Im Dax standen die Papiere des Versicherers Allianz unter starkem Abgabedruck und verloren zeitweilig mehr als acht Prozent auf rund 101 Euro, den tiefsten Stand seit 1993. Die Allianz wird bei ihrer Gruppengesellschaft Fireman's Fund die Reserven für Asbest und Umweltrisiken in den USA um 750 Millionen Dollar aufstocken.
Mit den fallenden Börsen sinkt zudem auch der Substanzwert der Versicherer, die Aktien als stille Reserven halten. In den vergangenen sechs Monaten hat die Allianz an der Börse knapp 48 Milliarden Euro ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt, was in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Libyens entspricht. Nach Marktgerüchten gehört auch die HypoVereinsbank zu den Verkäufern. Die Bank benötigt dringend Geld und ist an der Allianz noch mit 4,6 Prozent beteiligt.
Kursrutsch bei SAP und Infineon
Negative Analystenkommentare belasteten auch Infineon sowie SAP . SAP-Papiere büßten zuletzt ebenfalls rund acht Prozent auf 60,85 Euro ein. Die Investmentbank UBS Warburg hat die Titel auf "Hold" von zuvor "Buy" heruntergestuft und das Kursziel auf 65 von 90 Euro gesenkt.
Infineon -Aktien verloren mehr als fünf Prozent und fielen zeitweise auf ein Allzeittiefvon 8,52 Euro. Bereits am Vortag hatte das Papier knapp elf Prozent verloren. Eine nachhaltige Erholung der wichtigen Speicherchippreise sei nicht erkennbar, schrieben die Analysten von M.M. Warburg, die zugleich ihre Gewinnschätzungen für Infineon reduzierten.
Die Aktie der Deutsche Telekom verlor zuletzt 3,70 Prozent auf 10,14 Euro. Das Unternehmen will nach Presseangaben angeblich die Grundgebühr um einen Euro anheben und verhandele derzeit darüber mit der Regulierungsbehörde. Beobachter halten es kurz vor der Wahl allerdings für unwahrscheinlich, dass die Behörde ihre Zustimmung dieser Preiserhöhung erteilen wird. Möglicherweise drückten auch die schlechten Zahlen der France Telecom auf den Kurs der T-Aktie. Der französische Konzern wies nach ersten Meldungen am Freitag für das erste Halbjahr ein Nettodefizit von 12,2 Milliarden Euro aus.
Neuer Markt: MobilCom vor der Insolvenz
Mobilcom: Wertverlust von rund sieben Milliarden
Am Neuen Markt geht die Talfahrt ungebremst weiter. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis der Nemax 50 auch die Marke von 400 nach unten durchschlägt. "Hier toben sich nur noch Spekulanten aus", bemerkte ein Händler. Der Kursverfall sei auch ein Beleg dafür, dass die Deutsche Börse die Probleme am "Wachstumsmarkt" nie in den Griff bekommen habe.
Dramatische Kursverluste mussten die Anteilseigner von MobilCom hinnehmen. Das Papier gab zunächst um rund die Hälfte auf 0,90 Euro nach, kletterte zuletzt aber wieder über die Marke von ein Euro. Zuvor hatte der Großaktionär France Télécom MobilCom die finanzielle Unterstützung entzogen. Daraufhin kündigte MobilCom-Chef Thorsten Grenz an, das Unternehmen werde noch am Freitag einen Insolvenzantrag stellen.
Die Aktie sei nun nur noch für Zocker interessant, sagten Analysten. Seit Ende Juli 2000, als die Aktie von MobilCom noch 147,49 Euro kostete, hat das Papier 99,5 Prozent verloren. Die Marktkapitalisierung fiel in diesem Zeitraum auf 35 Millionen Euro von rund sieben Milliarden Euro.
Euro fester
Der Euro ist zum Wochenschluss gestiegen. Die Europäische Zentralbank hat am Freitag den Referenzkurs auf 0,9810 US-Dollar (Vortag: 0,9757 Dollar) festgestellt. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung gegen 0,9832 US-Dollar gehandelt.