Börse am Nachmittag: Tiefes, tiefes Rot - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Tiefes, tiefes Rot

Verluste bei Finanz- und Technologietiteln drücken den Dax noch tiefer. Die US-Futures deuten darauf hin, dass auch an der Nasdaq die Talfahrt weitergehen wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Rund zwei Stunden vor Handelsbeginn in New York notierte der Nasdaq Future klar im Minus, während der S & P Future zumindest auf eine knapp behauptete Eröffnung bei den Standardwerten hindeutet. Ein gesunkenes Vertrauen der US-Verbraucher und warnende Töne des Chipherstellers Intel   hatten die US-Börsen bereits gestern auf Talfahrt geschickt.

Die Zahlen des Computerherstellers Hewlett Packard   trafen nach Börsenschluss zwar die Erwartungen, konnten jedoch für keinen Stimmungswechsel sorgen. Die Drohungen der US-Administration gegenüber dem Irak und die im September beginnende Gewinnwarnungssaison locken Anleger trotz vermeintlich niedriger Bewertungen nicht gerade zum Einstieg.

Trübsal auch in Frankfurt: Der Dax notierte um 13.30 Uhr 2,1 Prozent im Minus und blieb klar unter 3800 Zählern. Am Neuen Markt baute der Nemax 50 seine Verluste auf 3,1 Prozent aus und droht erneut unter die Marke von 500 Punkten zu fallen.

ifo-Index setzt Finanztitel unter Druck

Zu den größten Verlierern im Dax gehörten bis zum frühen Nachmittag die Deutsche Bank  , Commerzbank  , Allianz   und HypoVereinsbank   mit Verlusten zwischen 2,5 und 3,1 Prozent. Grund sind die pessimistischen Konjunkturerwartungen der Geschäftsleute in Deutschland: Der Geschäftsklimaindex des Münchener ifo Instituts ist in Westdeutschland von 89,9 Punkten im Vormonat auf 88,8 Punkte gesunken. Damit signalisiere der Indikator, dass der Aufschwung zumindest vorübergehend unterbrochen sein könnte, teilte das Wirtschaftsforschungsinstitut mit. Nach nun drei Rückgängen in Folge sprechen Experten von einer negativen Trendwende.

Techwerte auf der Verkaufsliste

Unter den erneut aufkommenden Rezessionsängsten litten auch die Technologietitel. Siemens  , SAP und Epcos   gerieten besonders stark unter Druck, während die T-Aktie ihre Verluste auf 1,8 Prozent begrenzen konnte. Der Chiphersteller Infineon   (minus 2,3 Prozent) war bereits gestern nach dem skeptischen Intel-Ausblick unter Druck geraten. Die Investmentbank Morgan Stanley hat sich zudem skeptisch zur Chipbranche geäußert.

Post expandiert in Asien

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Degussa  , MAN   und der Deutschen Post  . Die Post will offenbar in Asien auf Einkaufstour gehen. Der Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel werde am 26. September Verträge über Zukäufe auf dem asiatischen Markt für Logistik- und Expressdienstleistungen unterschreiben, berichtet die Tageszeitung "Die Welt".

Die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP   gab im frühen Handel um mehr als zehn Prozent auf 13,80 Euro ab, konnte ihre Verluste aber zuletzt deutlich reduzieren. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat eine Klage zweier Aktionärinnen abgewiesen. Die Klägerinnen wollten einen Hauptversammlungsbeschluss vom November 2000 für nichtig erklären lassen.

Neuer Markt: MobilCom legt nach Klage zu

Beate Uhse steigert Umsatz

Die im Nebenwerte-Index MDax notierte Aktie von Beate Uhse   kletterte nach Vorlage der Geschäftszahlen um knapp fünf Prozent. Der Erotikkonzern steigerte im ersten Halbjahr trotz flauer Konjunktur Umsatz und Gewinn und bestätigte die 2002-Prognose.

Am Neuen Markt gehörte MobilCom   in einem sehr schwachen Markt zu den wenigen Gewinnern. MobilCom verklagt die Millenium GmbH auf Rückzahlung von 70,9 Millionen Euro. Diese Summe habe Mobilcom als Prämie für ein Aktienoptionsprogramm gezahlt. Hinter der Millenium GmbH steht Sybille Schmid-Sindram, die Ehefrau des ehemaligen Mobilcom-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schmid. Laut MobilCom hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO in einem Gutachten vom Mai 2002 im Rahmen des Optionsgeschäfts mehrere Gesetzverstöße des ehemaligen Vorstandsvositzenden Schmid festgestellt.

Mit EM.TV verzeichnete neben MobilCom eine zweite Zockeraktie Gewinne. "Am Neuen Markt toben sich nur noch die Zocker aus, langfristige Anleger sind längst weg", kommentierte ein Händler das Geschehen am ehemaligen "Wachstumssegment" der Deutschen Börse.

Wall Street: HP trifft die Erwartungen

Wall Street schwach

Das gesunkene Verbrauchervertrauen und eine zurückhaltende Prognose des weltgrößten Chipherstellers Intel   haben die US-Börsen gestern auf Talfahrt geschickt. Der Nasdaq Composite schloss nahe Tagestief mit einem Verlust von 3,2 Prozent, während der Dow Jones im späten Handel seine Verluste auf 1,1 Prozent ausbaute und bei 8824 Zählern schloss.

HP hat es schwer

Auch die Zahlen von Hewlett Packard   nach US-Börsenschluss konnten Anleger nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Der Computer- und Druckerkonzern hat angesichts hoher Sonderbelastungen im Zusammenhang mit dem Kauf von Compaq Computer im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust von zwei Milliarden Dollar oder 67 Cent je Aktie verbucht. Der Gewinn ohne Sonderbelastungen kletterte jedoch auf 14 Cent je Aktie, und damit traf HP die Erwartungen des Marktes. Weiterer Wermutstropfen ist allerdings, dass die Umsätze im PC-Bereich stärker als erwartet zurückgegangen sind. Die Aktie legte nachbörslich leicht zu, nachdem sie am Dienstag Abend mit einem sehr schwachen Markt stark gefallen war.

Angesichts des schwachen Verbrauchervertrauens, das im August auf den niedrigsten Stand seit November gerutscht ist, traten andere Konjunkturzahlen in den Hintergrund. Der US-Auftragseingang für langlebige Güter wie Autos, Flugzeuge, Maschinen und Haushaltsgeräte war im Juli unerwartet stark um 8,7 Prozent in die Höhe geschossen. Wirtschaftsweise warnten allerdings davor, dass diese Ziffer von Monat zu Monat oft massive Schwankungen aufweist.

Cheney treibt Nachfrage nach Öl- und Rüstungsaktien

An den US-Märkten konnten angesichts des Kriegsgeredes von US-Vizepräsident Dick Cheney Ölwerte, Gold- und Rüstungsaktien profitieren. Dagegen gaben Schwergewichte wie Intel  , Microsoft   und IBM   Kursverluste deutlich nach. Einzelhandelswerte standen ebenfalls unter Abgabedruck.

Nikkei schwach, Euro über 98 US-Cent

Der Kurs des Euro war bereits am Dienstag Abend über die Marke auf Grund des schwachen US-Verbrauchervertrauens über die Marke von 98 US-Cent gestiegen. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 0,9774 US-Dollar festgesetzt. Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch nach den schwachen US-Vorgaben deutlich schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab 1,4 Prozent ab und schloss bei 9766 Zählern.