Börse am Nachmittag Überraschender Freudensprung
New York/Frankfurt am Main - In den USA sind die Bestellungen für langlebige Güter wie Möbel, Unterhaltungselektronik oder Autos im Juli stärker als erwartet gestiegen. Die Auftragseingänge hätten gemessen am Vormonat um 8,7 Prozent zugelegt, teilte das Handelsministeriums am Dienstag in Washington mit. Das ist der größte Zuwachs seit Oktober 2001. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Plus von lediglich 2,2 Prozent gerechnet. Nach den überraschend starken Konjunkturdaten wird die bereits vielfach geforderte Zinssenkung der US-Notenbank recht unwahrscheinlich.
Warten auf Konsumenten-Index
Trotz der guten Konjunkturzahlen halten sich US-Anleger noch mit Käufen zurück. Um 16 Uhr wird der Index zum Verbrauchervertrauen, der von der Universität Michigan ermittelt wird, bekannt gegeben. Diese Daten dürften dann die Richtung für den Handelstag weisen. Schätzungen von Börsianern liegen bei einem Index von 97 Punkten - nachdem es im Juli einen deutlichen Rückgang gegeben hatte, hoffen Marktbeobachter auf eine leichte Erholung im Index.
Der Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte stieg bis 15.45 Uhr um 77 Punkte oder 0,9 Prozent auf 89996 Zähler, und der Nasdaq Composite gewann 0,2 Prozent auf 1395 Zähler.
Das Kriegsgerassel der USA sorgte für ein Kursplus bei Ölaktien. Vor einer Versammlung von US-Kriegsveteranen hatte US-Vizepräsident Dick Cheney betont, ein militärischer Schlag gegen den Irak sei notwendig.
HP meldet nach Handelsschluss
Im Blickpunkt der Anleger stehen auch die Aktien des Computerkonzerns Hewlett Packard . Das Unternehmen legte erstmals seit Fusion mit Compaq nach Börsenschluss seine Quartalszahlen vor. Analysten gehen davon aus, dass HP im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal (per 31. Juli) bei gesunkenem Umsatz mehr verdient hat als im Jahr zuvor.
Der weltweit größte Chiphersteller Intel rechnet im dritten Quartal mit einem moderaten Gewinnwachstum. Er sehe nur eine leichte Verbesserung des IT-Umfelds, sagte Intel-Chef Craig Barrett am Dienstag in Penang. Nur wenige Unternehmen würden noch in IT-Infrastruktur investieren. Ein Ende des Abschwungs sei noch nicht absehbar.
Kurssprung im Dax
Kurssprung im Dax
Der Dax hat seine Gewinne am Mittag daraufhin deutlich ausgebaut und kletterte bis 15.30 Uhr um 105 Punkte (2,8 Prozent). Damit nähert sich der Index der 9000-Punkte-Marke. Am Neuen Markt drehte der Nemax 50 ebenfalls um 0,8 Prozent ins Plus.
Der kurzfristige Kursanstieg sei insgesamt mit Vorsicht zu genießen, warnte Christian Schmidt, Aktienhändler bei der Helaba. Es gebe bedeutende Belastungsfaktoren. "Ein Krieg gegen den Irak wird immer wahrscheinlicher", sagte er. US-Vizepräsident Dick Cheney hatte am Vorabend mit Bezug auf den Irak erklärt, das Risiko der Untätigkeit sei größer als das Risiko des Handelns.
Automobiltitel charttechnisch attraktiv
Mit dem allgemeinen Aufschwung am Markt schoben sich am Mittag die Titel der Schwergewichte Siemens, T-Aktie und Allianz mit Aufschlägen von jeweils rund vier Prozent an die Spitze. Zu den Gewinnern im Dax gehörten auch die Automobiltitel. Es gebe eine Menge größerer Aufträge, die die Kurse beflügelten, sagte ein Frankfurter Händler.
Die Titel von BMW kletterten um 3,6 Prozent und testeten erneut die Marke von 40 Euro. DaimlerChrysler-Papiere notierten 3,1 Prozent fester auf 46,32 Euro und Volkswagen-Aktien legten um 1,4 Prozent zu.
"Bei BMW haben hier einige die Hoffnung, dass der Wert in den EuroStoxx 50 aufgenommen werden könnte", sagte ein Händler. Bei DaimlerChrysler beflügele hingegen das Gerücht, dass eine große US-Adresse ihre Renault-Aktienbestände in DaimlerChysler-Aktien umschichte, sagte ein anderer Händler.
Techwerte erholt
Auch die Technologiewerte erholten sich. Lediglich die Anteile des Chip-Herstellers Infineon blieben mit leichten Verlusten hinter der Kurserholung zurück. Epcos kletterte trotz skeptischer Kommentare von US-Analysten um drei Prozent. Morgan Stanley zufolge sei das derzeitige Bewertungsniveau noch zu hoch.
Die Aktie der Lufthansa verteuerte sich um 1,6 Prozent auf 13,47 Euro. Die Airline reagiert mit einem neuen Tarifsystem für Flüge in Europa auf die wachsende Konkurrenz von Billigfliegern und auf Preisoffensiven traditioneller Wettbewerber.
Kurssprung im Dax
WCM: "Alles schon bekannt"
Die Aktie der WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG hat nach Bekanntgabe von schwachen Zahlen etwas zugelegt. Das Unternehmen rutschte im ersten Halbjahr bei deutlich gestiegenen Umsätzen in die Verlustzone. Das im MDax notierte Papier stieg im frühen Handel bei schwachen Umsätzen um 0,3 Prozent auf 3,09 Euro. "Die Zahlen kamen so wie vor einem Monat angekündigt", sagte ein Händler. Er sehe WCM "höher, als sie jetzt stehen". Das Papier sei allerdings von Bilanzgerüchten belastet. "Die Aktie hat Flecken bekommen". Auch ein anderer Marktteilnehmer urteilte: "Alles schon bekannt".
Am Neuen Markt zählten die Aktien von Balda , Nordex und T-Online zu den Gewinnern. Nordex hatte gestern Zahlen vorgelegt, die Anleger zufrieden stimmten. T-Online legt offiziell am Donnerstag seine Zahlen vor, nachdem bereits einige Daten am vergangenen Freitag durchgesickert waren.
Die Aktien der TV-Senderfamilie ProSiebenSat.1 setzten ihren Höhenflug des Vortages fort und stiegen um 3,9 Prozent auf 8,05 Euro. Bereits am Montag hatte der nun unter Umständen mögliche Direkteinstieg von Investoren bei ProSieben den Wert der Aktie um fast fünf Prozent steigen lassen. Bislang hatte die insolvente Mediengruppe KirchMedia, die die Mehrheit an ProSieben hält, einen solchen Direkteinstieg stets abgelehnt. ProSieben ist der begehrteste Teil von KirchMedia.
Euro über 97 US-Cent
Der Kurs des Euro hat sich am Dienstag klar über der Marke von 97 US-Cent behauptet. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Dienstag auf 0,9774 US-Dollar fest.