Börse am Nachmittag US-Daten belasten
Frankfurt am Main - Einen Tag nach Vorlage einer soliden Bilanz setzt sich RWE mit einem Gewinn von rund sechs Prozent an die Spitze im Dax. Der Index notierte am frühen Nachmittag mit 0,4 Prozent nur noch leicht im Plus.
Der Nemax 50 drehte wieder ins Minus: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA für die Woche zum 22. September sind deutlich gestiegen und auf dem höchsten Stand seit neun Jahren. Der Auftragseingang langlebiger Güter für August ist leicht gesunken. Diese Daten sorgten auch für schwache US-Futures.
Zins bleibt unverändert
Die EZB hat die Leitzinsen unverändert gelassen. Die europäischen Währungshüter hatten bereits nach den Terroranschlägen in den USA am 17. September im Gleichschritt mit der US-Notenbank die Leitzinsen für die Euroregion um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. Der wichtigste Leitzins für die Euroregion liegt nach insgesamt drei Senkungsschritten in diesem Jahr derzeit bei 3,75 Prozent.
Finanzwerte gesucht
Trotz der Gewinneinbrüche bei den US-Investmentbanken Goldman Sachs und Bear Stearns notierten Banken und Versicherer im Dax im Plus. Die Senkung der Allianz-Gewinnprognose für das laufende Jahr um 37 Prozent durch Morgan Stanley zeigte ebenfalls keine unmittelbaren Auswirkungen. Am deutlichsten legten Münchener Rück , Allianz und Deutsche Bank zu.
Lediglich die Commerzbank gab gegen den Trend nach. Die Commerzbank hat am Donnerstag die Vorverlegung ihrer Aufsichtsratssitzung vom 12. November auf den 15. Oktober bestätigt. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es dazu, Grund für die frühere Sitzung könnte ein möglicher Personalabbau bei der Bank sein.
Auch die Pharmatitel Fresenius und Schering legten zu. Pharma profitiert von der Neubewertung der Branchen nach den Attentaten und steigt im Vergleich zu Tourismus-, Finanz- und konjunktursensiblen Werten in der Anlegergunst.
Die Aktie der Lufthansa rutschte nach festem Beginn dagegen wieder ins Minus. Die Airline gab bekannt, mit höheren Preisen und einem Einstellungsstopp gegen die Schwäche auf dem Luftmarktsektor zu kämpfen.
Autowerte uneinheitlich
Die Aktien von DaimlerChrysler bauten ihr Plus zeitweise auf 2,2 Prozent aus, während BMW 1,5 Prozent fester notierte und Volkswagen 1,4 Prozent nachgab. Experten befürchten, dass DaimlerChrysler seine Gewinnprognose nicht halten kann, da die Nachfrage nach Autos in den USA auf Grund der Terroranschläge gesunken sei. Am heutigen Donnerstag erörtert der Aufsichtsrat die Lage.
Technologie schwach
Zu den Verlierern im Dax gehörte am Nachmittag die Technologie-Familie. Siemens und Deutsche Telekom bauten ihre Verluste aus. Infineon (minus 3,7 Prozent) findet einfach keinen Boden: In den USA hatten sich am Mittwoch mehrere Analysten kritisch zu der Halbleiterbranche geäußert. Die Lagerbestände seien weiterhin zu hoch, einer Preiserholung zumindest kurzfristig nicht zu erwarten.
Auch BASF gehörte zu den Verlierern. Das Unternehmen wird seine angestrebte Gewinnsteigerung um zehn Prozent angesichts der Konjunkturlage wohl nicht halten können. J.P. Morgan Chase hat außerdem die Gewinnerwartungen für den europäischen Chemiesektor gesenkt.
Neuer Markt folgt schwachem Nasdaq-Future
Im Nemax 50 gaben die Aktien von Biodata zweistellig nach. Am Vortag waren die Papiere des Sicherheitssoftware-Unternehmens als letzte aus dem Rennen gegangen. Auch Lambda Physik geriet schwer unter Druck. An die Index-Spitze setzten sich der Breitbandanbieter PrimaCom vor D-Logistics und Lion Bioscience .
Deutliche Verluste am Neuen Markt erlitten die Aktien von Travel24.com. Das Internet-Reiseportal hatte vor Börsenstart seine Prognosen für Umsatz und Betriebsergebnis in diesem Jahr gesenkt. Grund seien Restrukturierungsmaßnahmen sowie Einbußen nach den Terroranschlägen in den USA
Der Euro notierte am frühen Nachmittag bei 0,917 Dollar. Die EZB hat die Leitzinsen unverändert gelassen.