Börse am Nachmittag US-Hiobsbotschaften bleiben aus
New York - Der Dow Jones notierte nach rund 30 Minuten Handel 0,3 Prozent schwächer bei 9202 Punkten, während der Technologieindex Nasdaq Composite unentschlossen um den Vortagesschluss von 1647 Punkten tendierte. Die Angst vor weiteren Milzbrand-Anschlägen und die vorübergehende Schließung des Kongresses hatte gestern auch an der Börse die Stimmung belastet. Zudem warnte US-Notenbankpräsident Greenspan vor einer uneinheitlichen Entwicklung und einem vorübergehenden Rückgang der Produktivität in den USA.
Dies belegt auch der Anstieg der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die um 6000 auf 490.000 geklettert sind. Das ist ein höherer Stand als erwartet. Am Nachmittag wird der Einkaufsmanager-Index NAPM veröffentlicht.
Zahlengewitter ohne böse Überraschungen
Die neuen Unternehmenszahlen sorgten am Donnerstag jedoch für eine Entspannung. Die vorbörslich bekannt gewordenen Quartalsberichte fielen besser aus als angenommen. Der weltgrößte Automobilkonzern General Motors übertraf die Erwartungen, blieb aber deutlich hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Der Getränkekonzern Coca-Cola hat im dritten Quartal die Erwartungen ebenfalls übertroffen. Das Bankhaus Merrill Lynch veröffentlichte für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 44 Cent je Aktie. Analysten hatten im Durchschnitt mit 41 Cent gerechnet.
Positive Nachrichten gab es auch vom Pharmahersteller Merck & Co. . Dieser hält an seinen Prognosen fest und präsentierte einen besser als prognostiziert ausgefallenen Gewinn. Konkurrent Eli Lilly überbot ebenfalls die Erwartungen der Marktbeobachter. Auch McDonald's und der Flugzeughersteller Boeing lieferten Quartalsberichte im Rahmen der Analystenerwartungen.
Die US-Technologiekonzerne AMD und Texas Instruments hatten bereits gestern nach Börsenschluss die Markterwartungen erfüllt, Apple konnte sie sogar übertreffen. Heute nach Börsenschluss geben unter anderem Microsoft und Sun Microsystems ihre Zahlen bekannt.
Dax leicht erholt
Die deutschen Aktienmärkte haben ihr Minus am Nachmittag ein wenig reduziert. Der Dax stand gegen 16 Uhr noch mit 1,4 Prozent im Minus und notierte bei 4579 Punkten. Die Wachstumswerte im Nemax 50 waren am Morgen zunächst mit fünf Prozent in den roten Bereich gerutscht. Am Nachmittag notierte der Index wieder minimal im Plus bei 1012 Punkten.
SAP drückt auf die Stimmung
Der Softwarekonzern SAP hat mit einer Umsatzwarnung am Morgen für Unmut gesorgt. Die Aktien fielen zeitweise um 18 Prozent auf 104 Euro, reduzierten ihr Minus aber zuletzt auf 14 Prozent. Es seien weniger die Zahlen an sich, diese seien im Vergleich zur Branche ganz gut, sagte Trudbert Merkel, Fondsmanagerin bei Deka in Frankfurt. "Es ist eher der Vertrauensbruch, da sie bis zuletzt an ihren Prognosen festgehalten haben", sagte Merkel.
SAP hatte am Morgen mitgeteilt, nur noch mit einem Umsatzwachstum von 15 Prozent statt den bisher erwarteten 20 Prozent zu rechnen. Den Kurs der Aktie belasteten zudem Gerüchte, das Investmenthaus Goldman Sachs wolle das Kursziel für SAP auf 75 Euro senken.
Defensive Werte gefragt
Die kurze Liste der Kursgewinner bildete sich aus den Verlierern des Vortags. So erholten sich Degussa um 3,7 Prozent. Adidas-Salomon verteuerten sich um 2,8 Prozent auf 62,74 Euro, während Linde und Bayer jeweils 1,5 Prozent zulegten. Die Nachfrage nach dem Anthrax-Medikament Ciprobay hatte den Kurs von Bayer bereits gestern gestützt.
Die Enttäuschung über SAP sorgte auch für Verluste in der Technologiebranche. Siemens gaben mehr als drei Prozent nach. Das Investmenthaus Morgan Stanley hat zudem die Gewinnprognose für Siemens für das Jahr 2002 deutlich reduziert. Infineon verringerte sein Minus auf knapp vier Prozent und 16,80 Euro, blieb aber neben SAP und ThyssenKrupp einer der größten Verlierer im Dax. Die Erholung der Infineon-Aktie, die sich in den vergangenen Tagen sehr robust gezeigt hatte, ist damit unterbrochen.
Neuer Markt robust
Die Gewinnerliste der Wachstumswerte im Nemax 50 führten EM.TV an, nachdem sie am Vortag deutlich nachgegeben hatten. Der Filmrechtehändler setzt damit seine Achterbahnfahrt fort. Konstant auf Erholungskurs sind dagegen die Biotechnologietitel. MediGene und Evotec gewannen zwischen sechs und zehn Prozent hinzu. Auch MorphoSys und Lion Bioscience verzeichneten Zuwächse von mehr als fünf Prozent.
Kontron verteuerten sich zuletzt um 6,4 Prozent auf 13,68 Euro. Der Hersteller von so genannten embedded computers hatte vor Handelsbeginn den Erwerb der Industrial Computer Source Inc. zu einem Kaufpreis von 23 Millionen Dollar in bar mitgeteilt.
Die Papiere des im Nemax All Share gelisteten Pennystocks PopNet schnellten zeitweise um mehr als 150 Prozent auf knapp ein Euro hoch. Das Internet-Unternehmen hatte zuvor bekannt gegeben, dass im Rahmen seines Insolvenzeröffnungsverfahrens erste Übernahmegespräche zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen seien.
Zahlen von Microsoft und Sun nach Börsenschluss
Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft wird nach Einschätzung von Branchenanalysten heute nach Börsenschluss für das erste Fiskalquartal einen Gewinn je Aktie von 38 bis 42 US-Cent vorlegen. Die Durchschnittsschätzung der Analysten liegt bei 39 Cent je Aktie, nachdem das Unternehmen ein Jahr zuvor einen Ertrag von 46 Cent erwirtschaftet hatte. Die Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass der Umsatz nur am unteren Ende der Markterwartungen liegen werde. Die Analysten schätzen die Erlöse auf 5,8 Milliarden bis 6,2 Milliarden Dollar.
Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9026 (Mittwoch: 0,9022) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1669 (2,1678) Mark. Am Nachmittag wurde der Euro für 0,9039 Dollar gehandelt.