Börse am Nachmittag: Wall Street bremst Euphorie - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Wall Street bremst Euphorie

Nach Eröffnung der New Yorker Börsen rutschen Dax und Nemax etwas von ihren Tageshöchstständen zurück. Während Preussag unbeirrt die Dax-Spitze verteidigt, leiden Infineon-Papiere unter Verkaufsdruck.
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Frankfurt am Main - Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Mittwoch deutlich im Plus eröffnet. In Folge von Gewinnmitnahmen rutschten die Indizes aber knapp eine Stunden nach Handelsauftakt wieder ab.

Der Dow Jones stand gegen 16.20 Uhr mit 0,3 Prozent auf 8635 im Minus. Die US-Technologiebörse Nasdaq drehte ebenfalls und stand zuletzt mit 0,3 Prozent auf 1496 Punkten im roten Bereich. Die deutschen Aktienmärkte, die zuvor mit deutlichen Kursaufschlägen auf die besonnenen Äußerungen von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld reagiert hatten, gaben nach. Der Dax verlor auf plus 3,1 Prozent bei 4134 Punkten. Am Neuen Markt stand der Nemax 50 noch mit vier Prozent auf 763 Punkten im Plus. Die USA hatten erklärt, keinen Großangriff im Kampf gegen den Terrorismus starten zu wollen.

Mit einem Kursaufschlag von mehr als neun Prozent auf 25,15 Euro führten die Titel von Preussag   den Dax an. "Preussag hat kaum Marktanteile in den USA. Die Anschläge treffen das Unternehmen also nicht direkt", sagte ein Börsianer. Die Urlaubslust der Deutschen werde auf mittlere Sicht nicht nachlassen, fügte er hinzu. "Und die Hauptreiseziele wie Italien und Spanien sind sicher." Damit habe das Papier nach den deutlichen Abschlägen wieder Nachholpotenzial.

Ähnlich die Situation bei der Lufthansa   . Das Papier verteuerte sich um knapp sieben Prozent und kletterte wieder über die Zehn-Euro-Marke. Händler sagten, es werde einen für Lufthansa besseren Kompromiss mit den Versicherungsfirmen geben als zunächst erwartet worden war. Die Lufthansa prüft nach eigenen Angaben derzeit die von den Versicherungen neu angebotene und erhöhte Haftpflicht für Drittschäden durch Krieg und Terror. Zudem profitiere der Wert auch von dem gesunkenen Ölpreis, sagte ein Händler, zumal die OPEC-Staaten bereit seien, trotz des Ölpreisverfalls die Nachfrage nicht zu drosseln.

Infineon   waren am Nachmittag erneut deutlich in den roten Bereich gedreht und verloren zuletzt rund 2,26 Prozent auf 12,97 Euro im Minus. Die Aktie gehörten damit zu den schwächsten Werten im Dax. Die Siemens-Tochter hatte am Morgen erklärt, dass sein Kostensenkungsprogramm Impact erfolgreich umgesetzt wurde. Mit Impact will Infineon in den nächsten zwölf Monaten über eine Milliarde Euro ergebniswirksam einsparen. Zum Ende des Kalenderjahres 2001 werde bereits ein Abbau von rund 2400 Stellen realisiert sein, davon 1900 im Ausland und 500 in Deutschland. Davon konnte der Wert allerdings nur kurzfristig profitieren.

Bereits im frühen Handel waren die Titel von einer kritischen Studie zum Halbleitersektor des Investmenthauses Bear Stearns belastet worden. Die Analysten gehen nicht von einer Erholung der Branche vor Ende 2002 oder Anfang 2003 aus. Die US-Konkurrenten AMD und Micron schockten den Markt zudem mit Hiobsbotschaften wie hohen Kosten und Massenentlassungen.

Siemens   standen mit einem Aufschlag von 6,62 Prozent auf 42,85 Euro dagegen in der Spitzengruppe des Dax. Gerüchten zu Folge seien am Vortag 27 Millionen Aktien außerhalb des Marktes platziert worden, sagte der Händler. Das hätte den Kurs zeitweise gedrückt, nun erhole sich der Wert.

Die Aktie von RWE   notierte nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen zuletzt noch mit rund drei Prozent auf 41,15 Euro im Plus. Das Unternehmen hat sein Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro gesteigert und die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Unbeeindruckt von reduzierten Goldman-Sachs-Prognosen zogen Henkel-Aktien   um 2,71 Prozent. Bayer-Papiere gewannen 4,7 Prozent auf 30 Euro. Das renommierte Investmenthaus hatte zudem auch für BASF (plus 5,30 Prozent auf 37 Euro) seine Erwartungen gesenkt. Die Reduzierung spiegele die pessimistische Haltung der Experten hinsichtlich der Industrieproduktion in den nächsten Quartalen wider, heißt es in einer Studie. Sowohl das vierte Quartal 2001 als auch das erste Quartal 2002 dürfte nach Einschätzung der Analysten bescheiden ausfallen.

Neuer Markt weiter orientierungslos

"Das ist ein Nachholen, da das Niveau des Neuen Marktes noch unter dem der US-Technologiebörse Nasdaq liegt", sagte ein Händler. Der Nasdaq habe nach den Terroranschlägen deutlich weniger abgegeben als der Neue Markt. Zudem sei es positiv aufgenommen worden, dass die US-Börsen trotz der schlechten September-Daten zum US-Verbrauchervertrauen im Plus geschlossen hätten. Der Neue Markt bleibe aber weiterhin orientierungslos.

Größter Gewinner im Nemax 50 war die Aktie von Morphosys   (plus 20,4 Prozent auf 23,40 Euro) und Broadvision   (plus 12,2 Prozent auf 1,10 Euro). Biotech-Analystin Christiane Dienhart von der HypoVereinsbank sah keine fundamentalen Neuigkeiten, die den Kurs von Morphposys derzeit beeinflussen könnten. Die Ende vergangener Woche bekannt gewordene Patentklage hatte das Papiers deutlich belastet.

Der Pennystock von Fantastic   gewann 13 Prozent auf 0,44 Euro. Der Breitbandspezialist hatte zuvor weitere Schritte zur Kostensenkung angekündigt und diese mit der Marktlage vor allem im Telekommunikationssektor begründet. Fantastic will mehr als ein Drittel der derzeit 167 Mitarbeiter entlassen.

Zu den Gewinnern zählten auch Dirketbanken. Comdirect   stiegen um 12,72 Prozent auf 5,23 Euro. ConSors   präsentierten sich 8,70 Prozent fester auf 8,64 Euro. DAB   zogen um fünf Prozent auf 7,60 Euro an.

Der Euro notierte bei Kursen um 0,921 Dollar.