Börse am Nachmittag Wall Street hilft nicht
Frankfurt am Main - Nach der Talfahrt des Vortages haben die amerikanischen Aktienmärkte halbwegs behauptet eröffnet und pendelten gegen 16.50 Uhr um ihren Vortagesschluss. Der Dow Jones stand bei 9768 Zählern. Die Technologiebörse Nasdaq bei 1942 Punkten. Die Reihe schlechter Unternehmensnachrichten setzte sich fort und ließ einmal mehr Zweifel an dem von vielen Analysten prognostizierten Wirtschaftsaufschwung aufkommen.
Das Telekom-Unternehmen Qwest will bis Mitte 2002 insgesamt 7000 Stellen abbauen. Das Unternehmen begründete dies mit der geringeren Kundennachfrage auf Grund der schwächeren Wirtschaft. Bristol-Myers Squibb hatte am Vorabend einen Ertragsrückgang um bis zu 6,6 Prozent angekündigt. Das Unternehmen verliert im nächsten Jahr den Patentschutz für sein Diabetes-Mittel Glucophage und muss mit starker Konkurrenz durch Generika rechnen. Der Pharmakonzern erklärte, dass bereits 4000 Stellen gestrichen worden seien. ITT Industries wird im kommenden Jahr 2600 Mitarbeiter entlassen. Die größte amerikanische Krankenversicherungsgesellschaft Aetna will 6000 Stellen streichen.
Aktien des Softwarhersteller Oracle fielen um 2,40 Prozent. Oracle hatte gestern nach Börsenschluss ein Quartalsergebnis im Rahmen der Erwartungen vorgelegt, blieb beim Umsatz allerdings unter den Prognosen der Analysten. Das Investmenthaus Merrill Lynch bestätigte das Papier als Kauf, obwohl das Umfeld für Oracle mittelfristig weiter schwierig bleiben werde. Dennoch trauen die Banker dem Papier ein steigerungspotential von bis zu 20 Prozent zu.
Die vor Handelsbeginn veröffentlichten Konjunkturdaten bewerteten Analysten als in Ordnung. Die US-Industrieproduktion ist im November um 0,3 Prozent und damit schwächer als erwartet gesunken. Zugleich fiel die Kapazitätsauslastung um 0,3 Prozentpunkte auf 74,7 Prozent, teilte die Federal Reserve am Freitag weiter mit. Im Vorfeld hatten Analysten im Durchschnitt einen Rückgang der Produktion um 0,6 Prozent prognostiziert, die Kapazitätsauslastung war auf 74,1 Prozent erwartet worden. Im Vormonat war die Industrieproduktion um revidiert 0,9 (vorläufig: 1,2) Prozent zurückgegangen, die Kapazitätsauslastung wurde auf 75,0 (74,6) Prozent zurückgenommen. Die Betriebs-Lagerbestände in den USA sind im Oktober unerwartet stark um 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen.
Der Dax gab leicht auf minus 0,6 Prozent bei 4936 Zählern ab. Der Nemax 50 rutschte tiefer in die Verlustzone auf 1154 Zähler: ein Verlust von 3,1 Prozent.
Die Papiere der Lufthansa gaben zwar nach, hielten sich aber mit rund 1,10 Prozent auf 14,80 Euro als einer der wenigen Werte im Plus. Die EU-Kommission hat am Freitag die Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Lufthansa und der Austrian Airlines (AUA) für sechs Jahre von den allgemeinen EU-Wettbewerbsregeln befreit. Dies sei möglich geworden, weil beide Unternehmen sich dazu verpflichtet hätten, auch Konkurrenten auf den Strecken zwischen Deutschland und Österreich zuzulassen.
Die Energietitel Eon (plus 2,44 Prozent auf 55,74 Euro) und RWE (plus 1,55 Prozent auf 41,39 Euro) waren weiter gefragt. Bei den Autotiteln rutschten DaimlerChrysler mit 1,40 Prozent ins Minus, Volkswagen dagegen behaupteten sich mit einem Plus von 0,90 Prozent auf 49,11 Euro.
Commerzbank verringerte ihre Zugewinne auf plus 0,23 Prozent, Deutsche Bank rutschten mit 0,3 Prozent auf runde 74 Euro ins Minus.
Technologie: Noch keine Entwarnung
Die Technologiewerte waren weiterhin unter den Dax-Verlierern zu finden. SAP und Siemens ,Epcos und Infineon standen jeweils mit rund 0,80 Prozent im Minus. Deutsche Telekom konnte ihre Verluste auf 1,62 Prozent bei 18,87 Euro begrenzen.
Neuer Markt: Morphosys und Pixelpark gesucht
Am Neuen Markt legte die Internet-Agentur Pixelpark gegen den schwachen Trend zuletzt mehr als sieben Prozent auf knapp sechs Euro zu. Konzernmutter Bertelsmann habe zugesagt, erneut 15 Millionen Euro zuzuschießen. Pixelpark will außerdem seine Mitarbeiterzahl weiter reduzieren. Auch MorphoSys zählte gegen den schwachen Trend am Markt zu den klaren Gewinnern: Die Aktie zog um knapp zwölf Prozent auf 52,40 Euro an.
Schadenersatz für DAB-Aktionäre
Aktien der DAB Bank legten 4,32 Prozent auf 13,76 Euro zu, denn die Muttergesellschaft HypoVereinsbank leistet Schadenersatzzahlungen an Anleger, die im Umfeld der Übernahme des französischen Brokers Self Trade S.A geklagt hatten. "Zunächst ging der Kurs in den Keller, aber als die Anleger merkten, dass die HypoVereinsbank zahlt, stiegen die Aktien wieder", sagte ein Händler.
Eine Kapitalerhöhung über 2,4 Millionen Euro drückte den Kurs des Minicomputer-Herstellers Kontron um zuletzt 7,50 auf 12,90 Euro. Das Unternehmen plant eine Fusion mit dem Konkurrenten Jumptec.
Euro über 90 Cent
Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9016 (Donnerstag: 0,8975) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1693 (2,1792) Mark. Zuletzt wurde der Euro mit 0,9014 Dollar gehandelt.