Börse am Nachmittag Wall Street startet behauptet
Hamburg Der Dow Jones hat in der ersten halben Handelsstunde um rund ein Prozent auf 9603 Punkte zugelegt. Ebenfalls fest notierten die Werte der Technologiebörse Nasdaq. Sie gewannen im Schnitt 0,7 Prozent und hoben das Börsenbarometer auf 1940 Zähler.
In Deutschland haben die Aktienmärkte ihre Gewinne weiter ausgebaut. Der Dax kletterte bis 17 Uhr um rund 170 Punkte (drei Prozent) über die 5700-Punkte-Marke. Noch deutlicher waren die Gewinne am Neuen Markt: Der Nemax-50 gewann 5,3 Prozent auf 1607 Zähler, und der M-Dax stieg um 0,8 Prozent auf 4401 Punkte.
Händler sehen die deutlichen Gewinne zunächst als technische Reaktion auf einen überverkauften Markt Optimisten gehen davon aus, dass nach den starken Verlusten der Vorwoche das Schlimmste überstanden ist.
Die Technologietitel trieben die Börsen auch am Nachmittag weiter nach oben: Siemens führten mit einem Plus von 8,5 Prozent auf 119,38 Euro die Gewinnerliste an. Die Töchter Epcos und Infineon folgten mit Zuwächsen von 8,4 und 5,6 Prozent. Die Prognose, dass die Preise im Halbleiter- und Chipbereich steigen, gaben den Titeln weiter Auftrieb. SAP notierte 4,3 Prozent fester auf 140,14 Euro.
Großauftrag für Siemens
Der Münchener Siemenskonzern und der spanische Hersteller Talgo haben den Zuschlag zum Bau der Züge für die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Barcelona erhalten. Beide Unternehmen sollen bis zum Jahr 2004 je 16 Züge im Gesamtwert von fast 1,5 Milliarden Mark bauen.
Die Einführung der UMTS-Technologie in Europa wird laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey rund 270 Milliarden Euro kosten. Die Aktien der Deutschen Telekom gewannen dennoch fünf Prozent und stiegen über 26,16 Euro.
Gerüchte um Allianz und Dresdner Bank
Die Dresdner Bank stand erneut im Zentrum von Übernahmefantasien. Nach einem Bericht des "Spiegel" erwägt der Versicherungskonzern Allianz eine Übernahme der Bank, an der sie bereits als Großaktionär beteiligt ist. Die Dresdner Bank notierte 4,3 Prozent im Plus bei 44,03 Euro. Analysten gehen jedoch nicht von einer Übernahme aus: Würde der Markt das Gerücht ernst nehmen, müssten die Aktien der Allianz heute fallen, sagte ein Händler.
Die Allianz legte jedoch um 2,2 Prozent auf 330 Euro zu, was Analysten auf eine allgemeine Erholung der Finanztitel zurückführen. Die Deutsche Bank notierte sogar fünf Prozent fester und überflügelte damit den "Übernahmekandidaten" Dresdner Bank. Dem Spiegel zufolge spricht die Allianz außerdem mit der US-Investmentbank Merrill Lynch über eine Vertriebskooperation., da die Verhandlungen mit der Deutschen Bank ins Stocken geraten seien. Die Allianz lehnte einen Kommentar zu den Gerüchten grundsätzlich ab.
Der Aufsichtsrat der Commerzbank hat heute eine Erhöhung der Dividende um 0,20 Euro auf ein Euro beschlossen. Die Dividende enthalte einen Bonus von 0,20 Euro aus dem Börsengang der Online-Bank-Tochter Comdirect, hieß es am Montag. Auch die Commerzbank verzeichnete ein Plus von zuletzt 0,8 Prozent auf 28,84 Euro.
Lohnabschluss drückt Lufthansa
Größter Verlierer war die Lufthansa mit einem Minus von 2,9 Prozent auf 20,19 Euro. Die Kranich-Linie und die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di haben sich auf eine Erhöhung der Löhne und Gehälter für die 55.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine um 3,5 Prozent vom 1. April an geeinigt. "Dies kommt der Lufthansa sehr teuer", erklärte ein Händler. Zudem rechnet der Markt, dass die Fluggesellschaft das Ergebnis vom Vorjahr nicht halten könne.
Neue Berater bei DaimlerChrysler
DaimlerChrysler erörtert nach einem Bericht des "Spiegel" mit einem neuen Berater der Deutschen Bank verschiedene Möglichkeiten zur Verbesserung der Ertragslage, darunter einen Verkauf von Chrysler, eine Großfusion mit Ford oder VW sowie einen Ausstieg aus dem Geschäft mit kleineren Autos wie der A-Klasse oder dem Smart. Die Titel gewannen 2,4 Prozent, Konkurrent Volkswagen kletterte um 3,9 Prozent. Aus der DaimlerChrysler Konzernzentrale hieß es, ein Abschied von Chrysler komme nicht in Frage.
Trotz der Kursgewinne sei die Stimmung noch unsicher, sagte ein Händler. Nach der kurzen Erholung könne es auch schnell wieder abwärts gehen, denn die wirtschaftlichen Aussichten bleiben trübe. Die deutschen Erzeugerpreise für den Februar sind mit 4,7 Prozent zudem deutlicher gestiegen als von Analysten erwartet.
Für den Dax droht derzeit hauptsächlich Gefahr von der technischen Seite. Sollte der Index für die 30 wichtigsten deutschen Titel in dieser Woche erneut nachhaltig unter 5500 Punkte rutschen, sind nach Ansicht technischer Analysten weitere Rückschläge zu erwarten. Am Donnerstag war der Index für einen Tag unter die Marke von 5500 Zählern gesackt.
Biotechnologie am Neuen Markt gefragt
Größte Gewinner im Nemax 50 waren die Biotechnologietitel. Lion Bioscience (plus 20,5 Prozent), Medigene(plus 16 Prozent) und Qiagen (plus 13,2 Prozent) legten ebenso wie Evotec (plus 12,4 Prozent) zweistellig zu.
Der Hightechbroker ACG hat einen Großauftrag von der griechischen Telefongesellschaft OTE im Wert von 45 Millionen Euro erhalten - der größte Auftrag in der Unternehmensgeschichte von ACG. Das Papier kletterte um 12,8 Prozent. Eine Zusammenarbeit mit der Victoria-Versicherung verhalf auch ID Media zu einem Kurssprung von rund 20 Prozent.
Intershop: Vom Börsenstar zum Pennystock?
Intershop gehörte zu den größten Verlierern. Der Umsatz für das erste Quartal werde statt 30 Millionen nur noch 18 bis 20 Millionen Euro betragen, teilte das Unternehmen mit. Die Aktien der Jenaer Softwareschmiede verloren bis zum Nachmittag 17,4 Prozent auf 3,80 Euro.
Adva Optical folgten mit einer Umsatzwarnung und waren mit 26,1 Prozent Abschlag schwächster Wert im Nemax 50. Das Unternehmen korrigierte die Umsatzerwartungen von 135 auf 120 Millionen Euro herunter und verschob seine Bilanzpressekonferenz. Verwirrung um die eigenen Bilanzzahlen und Informationsprobleme gab es bei TTL Information Technology. Das Unternehmen hatte seine Ad-hoc-Mitteilung von Montagmorgen korrigiert. Der Jahresfehlbetrag betrug demnach 3,4 und nicht 13,4 Millionen Mark. Die Aktie gab dennoch mehr als zehn Prozent nach.
Der IT-Service-Dienstleister Teleplan hat im Jahr 2000 seinen Umsatz um 34 Prozent auf 292 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sei um 73 Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Anleger honorierten das Ergebnis mit einem Aufschlag von über acht Prozent. Gute Zahlen präsentierte auch Mania Technologie: Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge im Jahr 2000 den Konzernumsatz um 52 Prozent auf 160 Millionen Euro gesteigert. Die Aktie legte um über elf Prozent zu.
Euro unter 90 Cent
Der Euro hat die Woche fester begonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8935 (Freitag: 0,8922) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1890 (2,1921) Mark. Am Nachmittag wechselte der Euro für 0,8932 Dollar den Besitzer. Der Markt warte gespannt auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag, erklärten Händler.
Der Markt warte zudem auf die US-Konjunkturdaten dieser Woche. Besonders die am Dienstag anstehenden Angaben zum US-Verbrauchervertrauen würden von Analysten und Händlern genau beobachtet. Davon dürften wichtige Signale dafür ausgehen, ob die Wirtschaft in den USA eine "harte Landung" erleide.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6231 (0,6258) britische Pfund, 110,08 (109,69) japanische Yen und 1,5328 (1,5319) Schweizer Franken fest.
Gold wurde billiger. Die Feinunze Gold kostete 261,30 Dollar. Am Vortag hatten Händler noch 262,35 Dollar für das Edelmetall gezahlt. Der Kilobarren kostete 18 375 (18 443) Mark.