Börse am Nachmittag: Warten auf Greenspan - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Nachmittag Warten auf Greenspan

Die Börsianer in New York erwarten eine Zinssenkung von der US-Notenbank. Bis dahin halten sich auch die Investoren in Frankfurt zurück. Im Dax gerät ThyssenKrupp unter Druck.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die amerikanischen Aktienmärkte haben vor der Zinsenscheidung der US-Notenbank mit leichten Kursaufschlägen eröffnet. Der Dow Jones legte bis 17.00 Uhr um 0,3 Prozent auf 10.346 Zähler zu. Die Technologiebörse Nasdaq zeigte sich mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 1884 Punkte ebenfalls kaum verändert.

Vor der von den meisten Marktteilnehmern erwarteten weiteren Zinssenkung der Fed dürften sich die Investoren zurückhalten, sagten Händler in den USA. "Jeder rechnet mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte, und ich denke, niemand wird sich davor weit hinauswagen", sagte Art Hogan, Chefmarktanalyst bei Jefferies & Co. Sollte die Fed wie erwartet einen viertel Punkt senken, dürfte der Markt kaum reagieren, sagten Händler. Wichtig für die Marktteilnehmer seien jedoch Hinweise der Notenbanker zur Lage der US-Konjunktur und zur zukünftigen Zinspolitik.

Einige Marktteilnehmer fragten sich allerdings, ob die Zinssenkungen der Fed den Aktienmarkt überhaupt noch stimulieren könnten, sagten Börsianer. Am Dienstag hatte die Goldman-Sachs-Analystin Abby Joseph Cohen ihre Prognose für den Aktienmarkt nach unten korrigiert. Der S&P-500-Index dürfte nach ihrer Einschätzung zum Jahresende nur noch 1500 statt wie bislang angenommen 1550 Punkte erreichen. Cohen sieht die Zukunft der amerikanischen Wirtschaft also skeptischer.

Während der Dax (plus 0,2 Prozent auf 5216 Punkte) weiter um seine Vortagesschlusslinie pendelte, konnten die Wachstumswerte im Nemax 50 ihr Plus auf 1,6 Prozent bei 1071 Zählern weiter ausbauen.

Die Aktien des Finanzdienstleisters MLP führten den Dax mit Kursaufschlägen von 6,20 Prozent auf knapp 71 Euro an. Analystin Wiebke Hagen von der Conrad Hinrich Donner Bank sieht den Kursanstieg von MLP "als technische Reaktion nach den starken Verlusten der vergangenen Tage". Die MLP-Aktie hatte von Anfang Juli bis heute etwa die Hälfte an Wert verloren.

Die Aktien der Deutsche Post sind am Dienstag trotz erwartungsgemäß ausgefallenen Halbjahreszahlen auf ein Allzeittief gefallen. Nachdem die Papiere kurz nach Veröffentlichung der Unternehmenszahlen zugelegt hatten, brachen sie zeitweise auf 16,94 Euro ein. Zuletzt stand die Aktie bei 17,03 Euro. Händler konnten indes keinen konkreten Grund für den plötzlichen Kursverfall nennen. "Die Zahlen hatten im Rahmen der Erwartungen gelegen und ansonsten gab es bei der Pressekonferenz keine Überraschungen", sagte ein Händler. Eine anderer Händler mutmaßte, dass einige Anleger nach der Devise "Sell on good News" die Post-Aktie abstoßen.

Unter den Technologiewerten konnte lediglich Infineon (plus 3,97 Prozent auf 23,56 Euro) punkten. Siemens zeigten sich nahezu unverändert gegenüber dem Vortag bei 54,21 Euro. Epcos rutschten 1,57 Prozent auf 45,23 Euro ab.

Die Aktien von ThyssenKrupp verloren 1,81 Prozent auf 14,68 Euro. Händlern zufolge dürfte der Stahl- und Maschinenkonzern am kommenden Dienstag schwächere Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. ThyssenKrupp habe sich in den vergangenen zwei Wochen überdurchschnittlich entwickelt. Dennoch zögen sich Investoren aus dem Wert zurück, da sie schwache Quartalszahlen erwarten.

Zudem haben die Analysten von Merck Finck den Wert von "Outperformer" auf "Marketperformer" herabgestuft. Damit gehen sie davon aus, dass sich die Aktie in den nächsten sechs Monaten im Gleichklang mit dem Index entwickeln wird. Die Experten erwarten keine Erholung des wirtschaftlichen Umfeldes bis 2002. Nach Einschätzung der Experten dürfte ThyssenKrupp im zweiten Halbjahr 2001 Probleme haben, seine Ziele zu erreichen. Vor allem die Schwäche der US-Autohersteller dürfte den Konzern treffen.

Die T-Aktie konnte ihre Verluste auf 1,62 Prozent bei 17,02 Euro reduzieren. Der finnische Telekomanbieter Sonera beabsichtigt, 72 Millionen T-Aktien zu verkaufen. Dies soll allerdings in enger Absprache mit der Deutschen Telekom geschehen. Die Aktien sollen zwischen September und Dezember auf den Markt kommen.

Die am Neuen Markt im Nemax 50 notierte D. Logistics hat Berichte über eine angebliche Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr zurückgewiesen. Das Unternehmen rechne lediglich mit Abweichungen in den Planzahlen für den Bereich IT/E-Commerce und Consulting für das Gesamtjahr 2001.

Die vorgelegten Zahlen seien "relativ im Rahmen der Erwartungen" ausgefallen, sagte ein Händler der Consors Capital Bank, die auch Designated Sponsor von D.Logistics ist. Ein anderer Börsianer sprach von enttäuschten Anlegern. Zwar habe das Unternehmen für die kommenden Quartale ein starkes organisches Wachstum in Aussicht gestellt. "Doch in solchen Formulierungen sind zu viele Konjunktive drin. Der Markt will Fakten sehen", sagte der Händler. Die Aktie verlor zuletzt noch rund elf Prozent auf 9,25 Euro.

EM.TV erzielten zuletzt ein Plus von mehr als 15 Prozent auf 3,02 Euro und setzten sich damit an die Spitze des Nemax-50. Der personelle Umbau des Medienkonzerns schien die Anleger zu überzeugen. Finanzvorstand Rolf Rickmeyer scheidet im gegenseitigen Einvernehmen zum 31. August aus dem Vorstand aus. Seinen Platz soll Marius Schwarz einnehmen, der bisher die Finanzgeschäfte bei der CinemaxX leitete. Außerdem berief der Aufsichtsrat Werner E. Klatten zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Klatten wird im September sein neues Amt antreten.

Euro etwas schwächer

Der Kurs des Euro ist am Dienstag leicht gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9128 (Montag: 0,9149) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1427 (2,1378) Mark. Zuletzt wurde der Euro für 0,9141 Dollar gehandelt.