Börse am Nachmittag Was macht Alan?
Frankfurt am Main - Der Dax hat sich bis zum Nachmittag nicht mehr aus der Verlustzone befreien können und notierte um 14.15 mit 0,4 Prozent im Minus auf 5209 Punkten. Am Neuen Markt gewannen die Kurse im Nemax 50 durchschnittlich 0,3 Prozent hinzu und zogen den Index auf 1255 Zähler.
Die Aussagen von US-Notenbankchef Alan Greenspan über die weitere Entwicklung der US-Konjunktur werden Marktteilnehmern zufolge die Weichen für die Richtung der Aktienmärkte in der kommenden Woche stellen. Da die Rede aber erst kurz vor Handelsschluss in Deutschland beginne, könne der Dax erst am Montag darauf reagieren. Die Ansprache soll gegen 19.30 Uhr (MEZ) vor ausgewählten Geschäftsleuten in San Fransisco stattfinden.
Nach einem kurzen Höhenflug ist die ThyssenKrupp-Aktie wieder auf ihren Vortagesschlusskurs bei 17,37 Euro zurückgefallen. Zeitweise führte der Titel mit einem Plus von zwei Prozent die Gewinnerliste an. Auslöser für die kurze Rallye: Die Investmentbank UBS Warburg hat den europäischen Stahlsektor hochgestuft.
Die Aktien des Automobilkonzerns Volkswagen kletterten um 0,4 Prozent auf 51,03 Euro. Positive Analystenkommentare hätten der Aktie Auftrieb verliehen, sagten Händler. Zudem wachse bei den Anlegern die Hoffnung, dass die EU das umstrittene VW-Gesetz schon bald kippen könnte. "Die Aktie bekommt Rückenwind von Goldman Sachs", bemerkte ein Händler in Frankfurt. Die Investmentbank hatte dem USA-Geschäft des Autoherstellers stabile Gewinne prophezeit, solange die Stärke des Dollars anhalte. Auch in Europa werde sich die konjunkturelle Situation nicht mehr wesentlich verschlechtern, so die Analysten. "Das lässt die Anleger bei VW heute zugreifen", sagte der Börsianer. Mitbewerber BMW sei dagegen heute "äußerst schwach".
Nach Angaben von Händlern hat die niederländische Bank ABN Amro ihr Kursziel für die Bayer-Aktie von 35 Euro auf 30 Euro gesenkt und die Einschätzung "reduzieren" beibehalten. Die Aktie war mit einem Kursverlust von 2,9 Prozent auf 37,11 Euro der größte Verlierer im Dax.
Die Aktien von SAP zeigten sich um 0,6 Prozent auf 163,90 Euro fester, nachdem die Investmentbank Merrill Lynch das Kursziel auf 185 Euro angehoben und die Gewinnschätzungen für 2002 und 2003 angehoben hatte. Auch Infineon standen mit einem Kursplus von 0,8 Prozent auf 25,19 Euro auf der Kaufliste.
Schwache Nachrichtenlage am Neuen Markt
Börsianer erklärten den ruhigen Handelsverlauf am Neuen Markt mit der Nachrichtenlage. Derzeit gebe es kaum Impulse von Unternehmensseite. Vor allem von EM.TV werden Erklärungen erwartet. Vorstandschef Werner Klatten verschiebt seinen Aktieneinstieg beim angeschlagenen Medienunternehmen, will das "Handelsblatt" erfahren haben. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung werde Klatten nicht in dieser Woche seinen Finanzpartner für die Übernahme des 25,1-Prozent-Anteils nennen, schreibt die Zeitung. Bei regem Handel gewann der Titel dennoch 2,4 Prozent auf 1,72 Euro.
Das Beratungs- und Softwareunternehmen IDS Scheer steigerte seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 nach vorläufiger Berechnung um 27 Prozent auf mehr als 160 Millionen Euro. Im Vorjahr erzielte das auf die Integration der betriebswirtschaftlichen Steuerungssoftware SAP R/3 spezialisierte Unternehmen einen Umsatz von 125,8 Millionen Euro. Daraufhin legte der Kurs 4,1 Prozent zu und notierte bei 9,30 Euro.
Aktien des Softwareherstellers Netlife waren gefragt und stiegen um 5,2 Prozent auf 5,27 Euro. Als Grund nannten Händler, dass die Signal Iduna ihre Beteiligung an der Netlife von 10,03 Prozent auf 25,01 Prozent aufgestockt hat.
Der Kabelbetreiber Primacom sieht der "Financial Times Deutschland" zufolge den Ausbau der TV-Kabelnetze für digitales Fernsehen und schnellen Webzugang in Deutschland bedroht. Die bestehende Eigentümerstruktur sei für den Ausbau ungeeignet, sagte Primacom-Chef Paul Thomason der Zeitung. Der Kurs rutschte 5,1 Prozent auf 3,51 Euro herab.
Der Kurs der italienischen Direktbank Bipop-Carire ist nach der Ankündigung, ein Teil der Führungsriege verlasse das Unternehmen, um 1,6 Prozent auf 1,80 Euro gefallen.
Kurs des Euro stabil
Der Kurs des Euro hat sich am Freitag stabil gezeigt und über der Marke von 0,89 Dollar gehalten. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte gegen 14.15 Uhr bei 0,8922 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,8909 Dollar festgesetzt. Einen ruhigen Handelsverlauf erwartet Devisenanalyst Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Partner. "Erst am Abend könnte Schwung in den Devisenmarkt kommen, wenn sich US-Notenbankchef Alan Greenspan zur Konjunkturlage äußert", sagte der Experte.