Börse am Nachmittag: Wieder Lust auf Chips - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Nachmittag Wieder Lust auf Chips

Eine Heraufstufung für den Chipriesen Intel und die optimistische Ergebnisprognose von Oracle stärken Technologietitel. Nach dem festen Start der US-Börsen bauen Dax und Nemax ihre Gewinne aus. Infineon klettert weiter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York/Frankfurt am Main - Der Dow Jones kletterte zur Eröffnung um 0,2 Prozent auf 9782 Punkte. Der Technologie-Index Nasdaq Composite legte 0,8 Prozent auf 1928 Zähler zu. Die Erholung an den US-Börsen, die gestern im späten Handel nach der Sitzung der US-Notenbank begonnen hatte, setzte sich zum Handelsstart fort und stützte auch die deutschen Börsen.

Intel: Merrill Lynch lehnt sich weit heraus

Für gute Stimmung sorgte eine Heraufstufung im Chipsektor: Die Investmentbank Merrill Lynch hat den nicht gerade bescheiden bewerteten Chiphersteller Intel   auf "aggressiv kaufen" hochgestuft und ein abenteuerliches Kursziel von 42 Dollar gesetzt. Von dieser Bullen-Einschätzung für den Sektor profitierte auch der Münchener Chiphersteller Infineon. Außerdem erwarten Händler, dass die EU-Kommission die Fusion der PC-Hersteller Hewlett-Packard und Compaq genehmigen wird.

Der Softwarehersteller Oracle legte zur Eröffung um rund zwei Prozent zu. Während der A-nalystenkonferenz des Software-Herstellers am Vortag bestätigte das Unternehmen nochmals seine Ergebnisprognose von zehn Cent pro Aktie für das laufende Quartal. Das Geschäft zeige Anzeichen einer Stabilisierung, allerdings sei die Nachfrage weiterhin unterdurchschnittlich.

Anleger können heute auf eine Erholung bei den Finanztiteln hoffen. Bear Stearns hat die Aktie von Morgan Stanley nach den deutlichen Verlusten der Vortage wieder heraufgestuft. Der im Dow Jones notierte Lebensmittelkonzern Procter & Gamble   übertraf zudem mit seinen Zahlen die Erwartungen: Die CSFB stufte die Aktie ebenfalls herauf.

Die Konjunkturdaten sind gemischt. Die Zahl der erstmaligen Antragsteller auf Arbeitslosenunterstützung ist in den USA stärker als erwartet um 30.000 auf 390.000 gestiegen. Die wichtigen Arbeitsmarktdaten für den Monat Januar werden morgen veröffentlicht.

Technologietitel stützen den Dax

Der Dax verteidigte bis Handelsbeginn an der Wall Street seine Gewinne von 1,1 Prozent und notierte weiterhin 5105 Zähler im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 bauten ihr Plus auf 2,6 Prozent und 1157 Punkte aus.

Die Papiere von Infineon   setzten ihre Klettertour fort und führten mit Gewinnen von 4,6 Prozent auf 24,90 Euro die Gewinnerliste im Dax an. Ulrich Schumacher führt angeblich Kooperationsgespräche mit dem südkoreanischen Mitbewerber Hynix Semiconductor. Hynix hüllte sich jedenfalls in Schweigen. NEC meldete unterdessen in Tokio hohe Verluste und den Abbau von 14.000 Arbeitsplätzen: Investoren setzen nun darauf, dass Infineon mehr Marktanteile gewinnt.

Auch der Bauelemente-Hersteller Epcos   legte bis zum Nachmittag deutlich zu. Trotz eines Umsatz- und Gewinneinbruchs schreibt das Unternehmen wieder schwarze Zahlen und ist für das neue Geschäftsjahr vorsichtig optimistisch gestimmt. Ab dem dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2001/02 (30. September) erwartet der Siemens-Ableger wieder Umsatzzuwächse. Insbesondere die Einführung neuer Produkte im Mobilfunkmarkt in den kommenden Monaten stimme Epcos optimistisch.

Deutsche Telekom: Zwischen Hoffen und Bangen

Die Gewinne bei Siemens   fielen im Vergleich mit Epcos und Infineon bescheidener aus. Fester notierten auch SAP , die wieder über die Marke von 160 Euro kletterten. Auch die T-Aktie   ist wieder auf Erholungskurs, obwohl der Verkauf des Kabelnetzes an Liberty in immer weitere Ferne rückt: Der US-Konzern Liberty Media hat vom Bundeskartellamt die offizielle Abmahnung zugestellt bekommen. Die Amerikaner müssen sich nun bis zum 15. Februar äußern.

MLP: Anleger nehmen Gewinne mit

Der Finanzdienstleister MLP   hat im vergangenen Jahr bei Umsatz und Ergebnis deutlich zugelegt. Die Erlöse stiegen um 32 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro, teilte das Heidelberger Unternehmen am Donnerstag mit. Nach einem sehr guten Start nahmen Anleger Kurs-gewinne mit. Das Papier verlor zuletzt knapp ein Prozent auf 70,80 Euro.

Deutsche Bank: Gewinn bricht ein, Aktie legt zu

Die Deutsche Bank   hat im Geschäftsjahr 2001 einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Vor Steuern und einem kumulierten Effekt aus Änderungen der Bilanzierungsmethode sei ein Ergebnis von 1,8 Milliarden Euro nach 6,9 Milliarden Euro im Vorjahr erzielt worden, teilte die Bank am Donnerstag mit. Die Märkte zeigten sich von der neuen Bilanzierung nach US-GAAP zunächst irritiert, dann zog die Aktie deutlich an, zumal Vorstandschef Rolf Breuer Umzugsplänen nach London auf der Pressekonferenz eine Absage erteilt hatte. Zuletzt gewann das Papier 2,1 Prozent auf 72,10 Euro.

Neuer Markt leicht erholt

Die Kursaufschläge am Neuen Markt begründeten Händler mit der Erholungstendenz an der Nasdaq. Ohne neue Nachrichten konnten Carrier 1   ihren positiven Vortagestrend ausbauen und gewannen mehr als zehn Prozent. Auch Broadvision   kletterte zweistellig.

Das Biotechnologieunternehmen Lion Bioscience   hat die bereits bekannte Übernahme des US-Unternehmens NetGenics Inc. abgeschlossen. Die Aktie legte deutlich zu. Gefragt waren auch die Biotechwerte MediGene   sowie das Schwergewichte Qiagen   .

Euro schwächer

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag den Euro-Referenzkurs bei 0,8637 (Vortag: 0,8642) US-Dollar festgestellt. Am Nachmittag wurde die Währung bei 0,8621 Dollar gehandelt.