Börse am Nachmittag Zittern um 5300 Punkte
Frankfurt am Main - Der Dax hat nach einem robusten Start wieder leicht an Fahrt verloren, präsentierte sich bis zum frühen Nachmittag aber noch freundlich. Das Börsenbarometer notierte um 12.50 Uhr mit 5289 Punkten etwa auf Vortagesniveau. Am Neuen Markt gewann der Nemax 50 rund 0,6 Prozent auf 1054 Zähler. Der Dax war gestern an der Widerstandsmarke von 5352 Punkten abgeprallt. Bleibt der Rückschlag in Grenzen, könnte in den kommenden Tagen ein neuer Anlauf Richtung 5352 folgen, sagten charttechnische Analysten.
"Nach den deutlichen Kursgewinnen ist es normal, dass die Märkte ein Pause einlegen", sagte ein Händler in Frankfurt. Die Stimmung sei angesichts der Konjunkturdaten nach wie vor gut. Nach Börsenschluss in den USA bestätigte der Netzwerkausrüster Sun Microsystems seine Umsatzprognose, während der weltgrößte Chiphersteller Intel seine Schätzung leicht nach unten korrigieren musste.
Die Vortagestendenz halte an, sagte ein Händler. Anleger müssten sich angesichts des bevorstehenden Verfalltermins am kommenden Freitag eindecken. "Das ist das alte Spiel: Wenn der Markt nach oben geht, müssen sie aufpassen, dass sie den Aufwärtstrend nicht verpassen." Auch aus charttechnischer Sicht sei der Abwärtstrend durchbrochen.
Der Handel mit Infineon-Aktien verlief sehr uneinheitlich. Das Papier pendelte lange um die Vortagesschlusslinie, stand zuletzt aber bei 28 Euro, ein Minus von 1,2 Prozent. "Das Papier ist stark überkauft", sagte ein Händler. Infineon habe bereits deutlich von dem Anstieg der DRAM-Preise profitiert, sagte er. Das Papier habe es geschafft, den seit Sommer 2000 aktiven Abwärtskanal zu durchbrechen. Auch wenn das Papier im heutigen Handel nach unten tendiere, so liegt das kurzfristige Kursziel seiner Ansicht nach bei 32 Euro. Unterstützend auf Infineon hätten sich die Prognose von National Semiconductor ausgewirkt, sagte ein Händler. Der Halbleiterkonzern erwartet im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres eine spürbare Erholung des Geschäfts.
Auch SAP und Siemens gaben leicht ab, während sich Epcos und die Deutsche Telekom knapp im Plus behaupteten.
Unter den Verlierern fand sich der Titel von Adidas-Salomon , der sich um ein Prozent auf 75,70 Euro verbilligte. Der weltweit zweitgrößte Sportartikel-Hersteller hatte am Vortag seine Gewinnprognose für das laufende Jahr nach unten revidiert.
Die Aktien des Berliner Pharmakonzerns Schering haben mit einem Minus von 3,3 Prozent auf 64,58 Euro die rote Laterne gehalten. Der kräftige Kursverlust wurde von Händlern mit der Zulassung des Multiple-Sklerose -Medikaments (MS) Rebif des Konkurrenten Serono auf dem US-Markt erklärt. "Die Zulassung von Rebif durch die amerikanische FDA dürfte sich nur kurzfristig auf den Aktienkurs von Schering auswirken", sagten Pharmaanalyst Karl-Heinz Scheunemann vom Bankhaus Metzler im Gespräch mit der dpa-AFX. Rebif werde eher dem Marktführer, dem US-Pharmaunternehmen Biogen mit dessen MS-Produkt Avonex Marktanteile abjagen. Mit ihrem Umsatzspitzenreiter, dem MS-Medikament Betaferon/Betaseron hatten die Berliner im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 15 Prozent auf 681 Millionen Euro erwirtschaftet.
MDax: ProSiebenSat1 auf Achterbahnfahrt
Spekulationen über Interesse von AOL Time Warner und Viacom an ProSiebenSat.1 haben das Papier der deutschen Fernsehgruppe auf Berg- und Talfahrt geschickt. Nachdem Gerüchte über einen Einstieg der beiden US-Medienkonzerne der Aktie ein Plus von zeitweise über zehn Prozent beschert hatten, bröckelten die Gewinne im bisherigen Handelsverlauf wieder ab. Zuletzt notierte die Aktie von ProSiebenSat.1 Media mit 8,72 Euro, ein Plus von 2,6 Prozent. Der steile Höhenflug sei unterbrochen worden, nachdem der AOL-Chef ein derzeitiges Interesse an der deutschen Fernsehgruppe dementiert habe, hieß es auf dem Parkett. Zuvor hatte ein Zeitungsbericht entsprechenden Gerüchten Nahrung gegeben. Die "Financial Times Deutschland" (FTD, Freitag-Ausgabe) hatte unter Berufung auf Branchenkreise berichtet, dass die US-Medienkonzerne die Übernahme des Kirch-Anteils an ProSiebenSat.1 planen. Beide würden ein Kaufangebot für den knapp 52,5-prozentigen Anteil der hochverschuldeten Mediengruppe Kirch an dem Fernsehsender prüfen.
Neuer Markt: Ausblick drückt Aixtron
Am Sonntag, 10. März, feiert der Neue Markt seinen fünften Geburtstag. Champagnerlaune will sich nicht einstellen angesichts der beispiellosen Baisse, die dieses Marktsegment in den vergangenen zwei Jahren durchlitten hat. Von einem Höchststand von 9694 Nemax-50-Punkten im März 2000 stürzte das Segment bis auf 641 Stellen im September 2001 ab. Mit den anziehenden Kursen an der Nasdaq hellt sich die Stimmung jedoch ein wenig auf: Am Donnerstag schloss der Nemax 50 bei 1048 Zählern und setzte am Freitag seine Erholung fort.
Zu den größten Gewinnern zählten Lambda Physik und Broadvision . Auch die Schwergewichte T-Online und Qiagen legten jeweils über zwei Prozent zu.
Die Aktien des angeschlagenen Telematik-Anbieters Comroad haben deutlich verloren, nachdem der Aufsichtsrat dem Unternehmenschef Bodo Schnabel am Donnerstagabend gekündigt hatte. Die Titel verloren unter hohen Umsätzen 8,7 Prozent und notierten bei 1,99 Euro. "Wenn ein Unternehmen seinen Chef feuert, ist das nie gut für den Kurs", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. "Erst gehen die Wirtschaftsprüfer, dann wird auch Herr Schnabel 'gegangen'". Erst im Februar hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihr Mandat niedergelegt und Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Gesellschaft geäußert. Unter anderem muss sich ComRoad vorwerfen lassen, nicht existierende Geschäftsbeziehungen nach Asien verbucht und zu hohe Umsätze ausgewiesen zu haben. Unternehmenschef Bodo Schnabel hatte trotz aller Vorwürfe immer wieder darauf gepocht, dass sein Unternehmen gesund sei. "Das Vertrauen ist raus aus dem Wert", hieß es in Frankfurt. Der "Rauswurf Schnabels" sei für die Anleger ein weiteres Zeichen dafür, dass an den Fälschungs-Vorwürfen etwas dran sei.
Aixtron nach Ausblick schwach
Die Aktien der Aixtron gaben dagegen 8,2 Prozent auf 20,85 Euro nach. Die Geschäftszahlen waren keine große Überraschung, jedoch belastete der bescheidene Ausblick: Das Unternehmen erwartet für 2002 einen Rückgang des Überschusses um 14 Prozent auf 29 Millionen Euro. "Es liegt am Ausblick", sagte ein Händler in Frankfurt. Aixtron hatte das Geschäftsjahr 2001 am Donnerstagabend zwar als das "erfolgreichste der Firmengeschichte" bezeichnet, seine Gewinn- und Umsatzprognosen für 2002 aber deutlich gesenkt. Rund 14 Prozent soll der Überschuss 2002 sinken, rund 13 Prozent der Umsatz. "Die Börse bewertet die Zukunft, nicht die Vergangenheit, so erfolgreich sie auch sein mag", erklärte ein anderer Händler den Kursverlust. Zudem sei Aixtron in Erwartung der Zahlen "sehr gut gelaufen", so dass "Gewinnmitnahmen nach dem flauen Ausblick nicht verwundern". Aixtron zähle aber unverändert zu den "Perlen" am Neuen Markt.
Wall Street reduzierte Verluste
Der Dow Jones konnte sein Minus im späten Handel auf 0,5 Prozent reduzieren. Die Nasdaq hatte bis 20 Uhr um 1,2 Prozent nachgegeben, reduzierte dieses Minus jedoch ebenfalls auf 0,5 Prozent.
Sun Microsystems: Schwarze Zahlen noch in diesem Jahr
Der Halbleiterhersteller Intel erwartet für das erste Quartal Verkäufe zwischen 6,6 und 6,9 Milliarden Dollar. Bisher hat das selbst gesteckte Umsatzziel bei 6,4 bis 7,0 Milliarden Dollar gelegen, teilte Intel am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Bei der Bruttomarge peile Intel für das erste Quartal rund 51 Prozent an. Alle anderen Prognosen blieben unverändert, hieß es. Der Netzwerkausrüster Sun Microsystems stieg dagegen im nachbörslichen Handel leicht an: Sun will im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wieder schwarze Zahlen schreiben. Ob der Hardwarehersteller jedoch seine Ziele für das dritte Quartal erreichen werde, hänge von den Auftragseingängen im März ab.
Hohe Produktivität in USA
Von der Konjunkturseite gibt es Unterstützung: Die Arbeitsproduktivität in der US-Wirtschaft hat im vierten Quartal revidierten Zahlen zufolge so stark zugenommen wie letztmals im zweiten Quartal 2000. Mit der erhöhten Produktivität erwarten Börsianer auch niedrigere Stückkosten, die sich wiederum in höheren Unternehmensgewinnen auswirken.
Rallye in Tokio ging weiter - Euro fester
Nikkei trotz schwacher Konjunkturdaten sehr fest
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag ungeachtet schlechter Konjunkturdaten für die japanische Wirtschaft und einer deutlichen Festigung des Yen mit starken Gewinnen geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte legte kräftig um 237 Punkte oder 2,04 Prozent zu und ging mit 11 885,79 Punkten ins Wochenende. Zwischenzeitlich hatte das Börsenbarometer sogar erstmals seit August die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten wieder überwunden.
Daran änderte auch nichts die Bekanntgabe der Regierung, wonach die wirtschaftliche Leistung des Landes zwischen Oktober und Dezember um 1,2 Prozent und damit im 3. Quartal in Folge geschrumpft war.
Euro fester
Der Euro notierte am Freitagmittag auf 0,8789 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag bei 0,8764 (Mittwoch: 0,8712) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,1410 (1,1478) Euro.