Börse am Nachmittag Zocker kaufen Kabel
Frankfurt am Main Der Dax notierte am Nachmittag 0,5 Prozent schwächer bei 6024 Punkten. Der Nemax All Share gab ebenso wie der Nemax 50 1,9 Prozent nach und marschierte weiter in Richtung neuer Tiefstände.
Bei geringen Umsätzen blieben Technologietitel am Nachmittag unter Druck. Verlierer waren die T-Aktie (minus 1,2 Prozent auf 26,78 Euro), Epcos (minus 2,5 Prozent auf 61,94 Euro) sowie Siemens mit einem Verlust von 2,7 Prozent auf 71,30 Euro. Siemens bietet gemischte Nachrichten: Einerseits will der Konzern 310 Millionen Dollar in Asien investieren, andererseits bei seinem IT- Dienstleister SBS bis Ende 2002 in Deutschland 1600 Stellen streichen.
Die größten Verluste mußte der Chiphersteller Infineon hinnehmen, der 4,5 Prozent auf 27,79 Euro abgab. Seit der Gewinnwarnung ist der Kursverlauf der Aktie sehr volatil. Auch SAP verlor nach den starken Verlusten gestern erneut 1,6 Prozent auf 154,15 Euro. Der Walldorfer Softwarehersteller hält trotz der Gewinnwarnungen der Konkurrenten Broadvision und i2 Technologies an seinen Prognosen fest, doch Anleger sind skeptisch.
Autowerte behauptet
Zumindest die Aktien der Autohersteller behaupteten sich gegen einen schwachen Markt. Sie profitierten von gestiegenen Absatzzahlen in den USA zumal nach inzwischen sechs Zinssenkungen der US-Notenbank der Konjunkturmotor in den USA bald wieder anspringen könnte.
BMW war mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 40,29 Euro größter Gewinner unter den Autowerten. Volkswagen notierte 0,3 Prozent fester bei 55,95 Euro. Die Anteile von DaimlerChrysler gaben um 0,3 Prozent auf 55,10 Euro nach die Absatzzahlen der Konkurrenten waren besser.
Henkel verkauft Chemiesparte
Die Aktien von Henkel kletterten um 3,8 Prozent auf 71,40 Euro und waren unangefochtener Spitzenreiter im Dax. Der Verkauf der Chemiesparte Cognis könnte nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" unmittelbar bevorstehen. Als aussichtsreichster Kaufkandidat gilt Schroder Ventures.
RWE setzte mit 1,2 Prozent Zuwachs auf 47 Euro seine Klettertour fort. Der Essener Konzern hatte am Dienstag sein Jahresergebnis vorgestellt und einen Umsatzanstieg um 29 Prozent auf 62 Milliarden Euro bekannt gegeben. Merrill Lynch hat empfohlen, die Aktie zu akkumulieren. Weiterhin fest notierte auch MAN mit einem Plus von 2,1 Prozent und 26,24 Euro.
Finanztitel schwächer
Die Finanztitel notierten mit dem Gesamtmarkt schwächer. Die Aktien der Allianz (minus 0,5 Prozent auf 334,35 Euro) hatten bereits gestern unter Gerüchten gelitten, das Finanzministerium werde die geplante Steuerbefreiung bei Veräußerung von Kapitalbeteiligungen teilweise durch eine neue Gewerbesteuer aufweichen. Das Ministerium hat dieses Vorhaben jedoch dementiert. Die Deutsche Bank gab um 1,1 Prozent auf 85 Euro nach.
Neuer Markt fällt weiter
Der Nemax 50 marschiert weiter Richtung Jahrestief: Der Vertrauensverlust bei den Anlegern ist groß. Nach Kabel New Media hat auch Infomatec das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Neuling Brainlab, Spezialist für medizinische Softwarelösungen, hat den geplanten Börsengang an den Neuen Markt in letzter Sekunde abgeblasen.
Gerüchte, die Agentur SinnerSchrader wolle bei der insolventen Kabel New Media einsteigen, ließen den Kurs von Kabel am Mittwoch um 14 Prozent auf 0,64 Euro steigen. SinnerSchrader dagegen gab um acht Prozent nach.
Highlight: Eigenkapital höher als Bewertung
Gewinner im Nemax 50 waren am Nachmittag Highlight Communications und Morphosys, die jeweils rund fünf Prozent zulegten. Highlight kündigte Sonderabschreibungen auf Unternehmensbeteiligungen in Höhe von bis zu 170 Millionen Schweizer Franken an. Allerdings weist der Film- und Sportrechtehändler laut eigenen Angaben nach den Sonderabschreibungen ein Kapital von mehr als 200 Millionen Schweizer Franken aus. Die Börse bewertet das Unternehmen aktuell mit 156 Millionen Euro.
Die Biotech-Firma MorphoSys hat die Verlängerung der Zusammenarbeit mit Bayer um weitere vier Jahre gemeldet. Gleichzeitig gab MorphoSys jedoch einen Patentstreit mit dem amerikanischen Mitbewerber Applied Molecular Evolution bekannt. Größter Verlierer im Nemax 50 war Telegate, die ohne fundamentale Nachrichten 21 Prozent auf 6,51 Euro abgaben.
"Es gibt keine Käufer, und da die Nasdaq heute geschlossen ist, fehlen weitere Impluse", sagte ein Händler in Frankfurt. Die Meldungen von Gewinnwarnungen und Vorstandswechseln würden zusätzlich belasten. Von den Quartalszahlen würden die Anleger jetzt nicht mehr viel erwarten.
Internolix: Vorstand raus, Aktie steigt
Unterdessen geht das Stühlerücken am Neuen Markt weiter: Internolix-Großaktionär Klaus Helbert setzt dem bisherigen Vorstandschef Luigi Carlo De Micco und dessen Stellvertreter Klaus Peter Stoll den Stuhl vor die Tür. Die Aktie des Anbieters von E-Commerce-Standardsoftware gewannen um zwölf Prozent auf 2,05 Euro.
Nach der Gewinnwarnung für das zweite Quartal verlor der Anbieter von Sicherheits-Software, Articon Integralis, weitere 40 Prozent auf 11,01 Euro. Am Vortag hatte der Wert unter der Gewinnwarnung eines US-Anbieters gelitten.
Philips will Teil von Marconi
Die Aktien von Marconi sind am Mittwoch auf Wunsch des Konzerns vom Handel an der Londoner Börse ausgesetzt worden. Das Unternehmen will eine Stellungnahme zum ersten Quartal sowie zu den Erwartungen für das Gesamtjahr abgeben. Die mögliche Gewinnwarnung belastete auch die Aktien des Mobilfunkriesen Nokia. Außerdem übernimmt der niederländische Konzern Philips das Medical System-Geschäft von Marconi für 1,1 Milliarden Dollar.
Zinsen: Wim wankt nicht
Die Konjunkturdaten für die Eurozone sind alles andere als berauschend, doch im Gegensatz zur US-Notenbank starren die Eurobanker weiter auf die Preisstabilität und sehen für Zinssenkungen keinen Anlass. Der Euro hat am Mittwoch wegen der schwindenden Hoffnung auf eine Zinssenkung weiter nachgegeben. Am Nachmittag notierte die Gemeinschaftswährung mit 0,845 Dollar. EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte am Dienstag gesagt, er habe keine neuen Informationen, die eine Leitzinsänderung rechtfertigten.