Börse am Vormittag Atempause nach der Rallye
Frankfurt am Main - Der Dax gab im frühen Handel um 70 Punkte (1,4 Prozent) auf 4923 Zähler nach, während der Nemax 50 1,2 Prozent auf 1127 Punkte rutschte. Die Zinssenkungs-Phantasie sei aus dem Markt, sagten Händler: Nach dem Motto "sell on good news" dürften jetzt viele Marktteilnehmer verkaufen, zumal vorerst keine weiteren Zinssenkungen in Euroland zu erwarten seien. Am Vortag hatte die EZB die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 3,25 Prozent gesenkt, der Dax war daraufhin kurzzeitig über 5000 Punkte geklettert.
Die Dax-Werte starteten ohne Ausnahme im Minus. Lediglich der Pharmakonzern Schering und RWE konnten ihre Verluste auf jeweils 0,5 Prozent begrenzen. Der Index für die 30 wichtigsten deutschen Werte ist seit den Anschlägen vom 11. September bereits wieder um 40 Prozent geklettert. Die Erholung gehe zu schnell, meinen Händler. Optimisten halten dagegen, dass der Index immer noch rund 25 Prozent von seinem Jahreshoch entfernt ist.
Commerzbank unter Druck
Weiterhin drücken die schlechten Quartalszahlen der Commerzbank auf die Stimmung. Die Bank meldete am Freitag einen Verlust nach Steuern in Höhe von 184 Millionen Euro für das dritte Quartal, der damit noch höher ausfiel als von Analysten befürchtet. Der Gewinn in den ersten neun Monaten 2001 sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 95 Prozent eingebrochen.
Außerdem hat die Vermögensverwaltungsgesellschaft der Münchener Rück, Meag, nach einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ihren Anteil an der Commerzbank auf 5,6 Prozent aufgestockt. Beobachter halten es aber für unwahrscheinlich, dass die Münchener Rück eine Übernahme der Commerzbank anstrebt. Die Commerzbank gehörte gemeinsam mit Infineon und ThyssenKrupp zu den schwächsten Werten im Index. Infineon litt unter anderem unter dem verhaltenen Ausblick des Chipherstellers AMD.
ThyssenKrupp vor Quartalszahlen schwächer
ThyssenKrupp gab im Vorfeld der Geschäftszahlen mehr als zwei Prozent nach. Dem Stahlkonzern steht nach Ansicht von Analysten ein schwieriges viertes Quartal 2002 bevor. Ab 2002 werde sich die Situation jedoch aufhellen, meinen die Experten. Die Aktie hatte gestern nach einer Empfehlung durch Morgan Stanley deutlich zugelegt.
T-Aktie gibt wieder nach
Zu den größten Gewinnern zählte gestern die Deutsche Telekom . Die niedrigen Zinsen verbessern die Stimmung im Telekomsektor, da sie dazu beitragen, die Zinslasten im Zusammenhang mit dem Schuldenabbau zu verringern. Am Freitag kündigte jedoch die Swiss Telecom nach Medienberichten an, ihren UMTS-Start zu verschieben. Die T-Aktie notierte am Freitag rund 1,5 Prozent schwächer auf 15,89 Euro.
Deutsche Börse: Termingeschäft brummt
Trotz der Flaute an den Aktienmärkten hat die im M-Dax notierte Deutsche Börse AG im dritten 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres Umsatz und Ergebnis gesteigert. Mit 64,8 (60,8) Millionen Euro liege das Konzernergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im 3. Quartal sieben Prozent über dem Vorjahreswert, teilte die Deutsche Börse AG am Freitag mit. Für die ersten neun Monate ergebe sich ein Ebit-Anstieg um 24 Prozent auf 225,3 Millionen Euro, womit bereits das Ergebnis des Gesamtjahres 2000 (216 Millionen Euro) übertroffen worden sei. Dies ist insbesondere auf die starken Wachstumsraten des Terminmarktes Eurex und des Systemhauses Systems zurückzuführen, hieß es. Die Aktie tendierte zunächst um den Vortagesschluss.
Neuer Markt schwach
Nahezu alle Titel im Nemax 50 notierten zur Eröffnung im Minus. Die Gewinnmitnahmen an der Nasdaq setzten sich auch im deutschen Wachstumssegment fort. Darüber hinaus belasteten Negativmeldungen des Chipherstellers AMD. Der US-Konzern bestätigte zwar die Prognosen für das vierte Quartal, erklärte aber, dass angesichts der schwachen Nachfrage erst im zweiten Quartal 2002 die Gewinnzone erreicht werde.
Die Aktien von Medion gaben knapp drei Prozent nach, obwohl das Unternehmen seine Gewinnprognosen bestätigt hatte. Die Zahlen hätten die Erwartungen getroffen, erklärte ein Händler. Die größten Verluste verzeichneten zum Auftakt Senator Entertainment, , Adva und Biodata .
Gewinnmitnahmen in USA, Disney drückt
An der Wall Street ließen Gewinnmitnahmen die Anfangsgewinne schwinden. Am Vormittag hatte der Dow Jones ein Plus von 170 Punkten eingefahren, das bis zum Ende der Börsensitzung auf 32 Punkte zusammenschmolz. Der Technologieindex Nasdaq Composite gab einen Gewinn von mehr als 2 Prozent ab und rutschte in der letzten Börsenstunde ins Minus.
Der Unterhaltungskonzern Walt Disney meldete nach Börsenschluss Quartalszahlen unter den Markterwartungen: Der Unterhaltungskonzern fuhr einen Gewinn von 6 Cents pro Aktie vor außerordentlichen Kosten ein. Nach Angaben von First Call hatten die Wall Street Analysten im Durchschnitt mit 7 Cents gerechnet. Im regulären Handel war die Aktie um mehr als 2 Prozent geklettert, nachbörslich gab Disney um mehr als 2 Prozent nach.
Euro schwächer
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Freitag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte am Handelsende erlitt einen kräftigen Abschlag von 216,08 Punkten oder 2,1 Prozent und ging mit 10 215,71 Punkten aus dem Markt. Die Regierung hatte zuvor mitgeteilt, dass die japanische Wirtschaft im laufenden Fiskaljahr um 0,9 Prozent schrumpfen dürfte. Der Euro notierte am Morgen leichter mit 0,8905 Dollar nach 0,8970 Dollar am Vortag.