Börse am Vormittag Banges Warten auf die Notenbank
Frankfurt am Main - Der Dax rutschte am Vormittag 0,4 Prozent ins Minus und notierte bei 6038 Punkten. Der Neue-Markt-Index Nemax All Share legte dagegen 0,3 Prozent zu, der Nemax 50 kletterte um 0,7 Prozent auf 1726 Zähler.
Vor der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank erwarten Börsianer keine größeren Engagements: Die Hoffnung auf eine Zinssenkung um 50 Basispunkte wurde am Freitag durch vergleichsweise starke US-Einzelhandelsumsätze gedämpft. Die Entscheidung wird heute um 20.15 Uhr erwartet.
Die Aktie von BMW verteidigte am Vormittag ein Plus von 0,3 Prozent. BMW-Vorstandschef Joachim Milberg versprach während der Hauptversammlung eine Absatzsteigerung um neun Prozent. Bis 2007 will BMW außerdem 16 Milliarden Euro investieren. DaimlerChrysler legten 0,1 Prozent zu. Lediglich Volkswagen notierte am Dienstag Vormittag schwächer.
Preussag profiterte fortgesetzt von der positiven Beurteilung durch Lehman Brothers. Die Aktie war mit 1,3 Prozent Plus am Vormittag Spitzenreiter im Dax. Auch Henkel zeigte sich 0,6 Prozent fester. Die Technologiewerte tendierten dagegen uneinheitlich: Siemens und Infineon notierten etwas fester, während Epcos und die T-Aktie nachgaben.
Der Spezialchemiekonzern Degussa drehte nach Anfangsgewinnen leicht ins Minus. Analysten erwarten, dass der Konzern während der heutigen Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende bekannt gibt. Die Aktie von Lufthansa notierte trotz Tarif-Querelen 0,2 Prozent fester. Die Pilotenvereinigung Cockpit und die Lufthansa setzen heute ihre Tarifverhandlungen fort. Falls es keine Einigung gibt, wollen die Piloten am Donnerstag erneut 24 Stunden lang streiken.
Nach dem Pilotenstreik bei der Lufthansa sind am Dienstag auch Beschäftigte der Deutschen BA in einen Warnstreik getreten. In Düsseldorf waren nach Angaben des Flughafens vier Flüge von dem mehrstündigen Streik betroffen.
Die Allianz gehörte mit einem Abschlag von 1,3 Prozent gemeinsam mit der Münchener Rück zu den schwächsten Werten im Dax. Der Versicherungsriese hat kein Interesse mehr an einer Übernahme des am Neuen Markt notierten Online-Brokers ConSors. Offenbar setzt die Allianz nun auf die - mit der Dresdner Bank zugekaufte - Tochter Advance Bank.
Der Einzelhandelskonzern KarstadtQuelle hat seinen Vorsteuergewinn um 20 Prozent auf 270 Millionen Euro erhöht. Die Aktie des Dax-Absteigers gab dennoch knapp drei Prozent auf 34 Euro nach.
Neuer Markt: Warten auf Greenspan
Der Nemax 50 hatte gestern im Sog einer schwächeren Nasdaq 4,7 Prozent auf 1714 Punkte nachgegeben. Händler sehen trotz der Zinsunsicherheit für heute leichtes Erholungspotenzial, da auch die US-Technologiebörse am späten Montagabend wieder anzog. Die Wachstumswerte reagieren besonders empfindlich auf den Zinspoker: Eine knappe Mehrheit der US-Analysten geht noch von einer Zinssenkung um 50 Basispunkte aus. Jedoch hat die Notenbank bereits vier Mal seit Januar an der Zinsschraube gedreht und den Zinssatz um insgesamt 200 Basispunkte gedrückt. Sollte die Fed die Zinsen nur um 25 Basispunkte senken oder gar unverändert lassen, drohen Nasdaq und Nemax neues Ungemach.
Der Anlagenbauer für Verbindungshalbleiter Aixtron Aixtron hat nicht nur im vergangenen Jahr, sondern auch im ersten Quartal 2001 die Prognosen von Analysten übertroffen. Nach Ansicht von Experten ist es denkbar, dass das Unternehmen seine Gewinnerwartung für 2001 nach oben korrigiert. Aixtron legte um 1,2 Prozent auf 87,70 Euro zu. Spitzenreiter im Nemax 50 waren am Vormittag United Internet und Trintec mit Zuwächsen von rund neun Prozent.
Verluste drücken SER und Biodata
Der Hersteller von Dokumentensoftware, die SER Systems AG, hat im ersten Quartal 2001 einen Verlust vor Steuen und Zinsen von 5,8 Millionen Euro ausgewiesen. Wie die Gesellschaft weiter mitteilte, betrug das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibunen minus 4,4 Millionen Euro. Für das Drehen des Ergebnisses ins Minus machte die Gesellschaft Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 6,5 Millionen Euro verantwortlich. Die Aktie brach am Vormittag um acht Prozent ein und war gemeinsam mit Biodata Schlusslicht im Nemax 50.
Auch Biodata hat im ersten Quartal den Konzernverlust auf 2,85 Millionen Euro ausgeweitet. Ein Jahr zuvor waren es noch minus 1,57 Millionen Euro gewesen. Der Entwickler von Sicherheits-Software berichtete von einem negativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Die Anleger quittieren dies mit Abschlägen von zwölf Prozent.
Auch der Online-Broker ConSors muss im ersten Quartal einen Verlust von 15 Millionen Euro ausweisen. Die schlechten Zahlen waren aber bereits erwartet worden: Die Aktie gab am Vormittag nur minimal auf 27,10 Euro nach.
Die Hoffnungen auf eine Zinssenkung haben den Dollar zu Wochenbeginn gestärkt. Der Euro wurde am Dienstagmorgen für 0,875 Dollar gehandelt.