Börse am Vormittag Bayer-Aktie verliert deutlich
Fankfurt am Main - Bei geringen Umsätzen verharrten die deutschen Aktienmärkte am Vormittag leicht im roten Bereich. Vor neuen Konjunkturdaten aus Amerika hielten sich die Investoren zurück, sagten Händler. Der Dax präsentierte sich bis elf Uhr 0,3 Prozent schwächer auf 5502 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verloren 0,9 Prozent auf 1147 Zähler.
Schwächster Wert im Dax waren die Aktien von Bayer, die 3,12 Prozent auf 35,12 Euro nachgaben und damit ans Dax-Ende rutschten. Im Skandal um den Cholesterin-Senker Lipobay haben US-Anwälte nach Presseinformationen die erste Sammelklage gegen den Pharma-Konzern eingereicht. Händler zeigten sich vor allem von der Geschwindigkeit überrascht, mit der nun Klagen auf Bayer zukommen. So lange die Unsicherheit riesiger Schadensersatzzahlung über Bayer hängt, bleibe die Aktie "gedeckelt", sagte ein Händler. Die Investoren jedenfalls trennten sich von dem Papier.
Technologiewerte konnten vereinzelt wieder in die Pluszone drehen, nachdem sie am Morgen schwach eröffnet hatten. Siemens kletterte mit leicht um 0,1 Prozent auf 60,26 Euro. SAP steigen um 0,20 Prozent auf 164,25 Euro. Infineon-Titel zeigten sich rund 0,30 fester auf 25,96 Euro.
Nach dem Absturz der T-Aktie hat Vorstandschef Ron Sommer den wirtschaftlichen Kurs des Unternehmens verteidigt. In einem offenen Brief an die Aktionäre der Deutschen Telekom bedauerte Sommer die jüngsten Kursverluste der Aktie. Die Aktie tendierte zuletzt 1,11 Prozent leichter auf 19,68 Euro.
Die Aktien der im M-Dax notierten Deutsche Börse haben sich nach Vorlage der Geschäftszahlen fest entwickelt. Das Papier legte zuletzt um 0,90 Prozent auf 39,35 Euro zu. "Die Gewinnentwicklung bei der Deutschen Börse lag über den Erwartungen - auch über unseren eigenen", sagte Volker von Krüchten, Bankenanalyst bei der BHF-Bank. Grund hierfür sei die sehr gute Geschäftsentwicklung der Terminbörse Eurex gewesen. Der Derivatemarkt laufe derzeit wegen der Absicherung der Kassageschäfte sehr gut. Die Umsätze seien dagegen exakt so ausgefallen wie zuvor angenommen, sagte von Krüchten. Der Analyst bewertet die Aktie mit "halten".
Die Deutsche Börse hatte vor Börseneröffnung ein Plus beim Gesamtergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im zweiten Quartal von 19 Prozent auf 70,3 Mio. Euro gemeldet. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 182,9 Millionen Euro. Beim Segment Eurex wies die Gesellschaft ein Ebit von 28,2 Millionen Euro nach einem Verlust von 3,8 Millionen Euro im Vorjahr aus. Der Umsatz stieg um 65 Prozent auf 62,7 Millionen Euro.
Die Aktie der ebenfalls im M-Dax notierten Bankgesellschaft Berlin hat bei geringen Umsätzen 2,82 Prozent auf 8,60 Euro nachgegeben. Am Morgen meldete das Finanzinstitut, der Vorsteuergewinn für das erste Halbjahr 2001 habe sich auf 85 Millionen Euro fast halbiert. Im Vorjahreszeitraum habe der Betrag noch bei 169 Millionen Euro gelegen. Gegenwärtig berät der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft über das Angebot der NordLB, ihre Beteiligung an der Bank bis zur Fusion zu verstärken.
Am Neuen Markt legte Comdirect die erwarteten tiefroten Zahlen vor und verlor 3,11 Prozent auf 8,42 Euro. Die Aktien des Mitbewerbers Consors fielen um 2,27 Prozent auf 14,65 Euro. Der Discount-Broker hatte am Vortag schwache Halbjahreszahlen vorgelegt.
Biodata legte ebenfalls Halbjahreszahlen vor. Die Aktie des Sicherheitssoftware-Programmierers fiel zuletzt um sieben Prozent auf 11,16 Euro. Das Unternehmen hat sowohl Umsatz als auch die Brutto-Marge im ersten Halbjahr dieses Jahres gesteigert. Der Umsatz lag bei 17,2 Millionen Euro nachdem im ersten Halbjahr des Vorjahres 6,75 Millionen Euro erzielt wurden. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich im Vergleich mit dem ersten Halbjahr des Vorjahres um 2,2 Millionen Euro auf 640.000 Euro. Die Bruttomarge sei auf über 70 Prozent gestiegen.
Neue Konjunkturdaten aus den USA erwartet
Die Vorgaben der US-Börsen für den Handel in Deutschland sind gemischt. Gute Konjunkturdaten hatten den Börsen nur vorübergehend positive Impulse geben können. Die Industriewerte im Dow Jones schlossen nahezu unverändert gegenüber dem Vortag auf 10.412 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq rutschte bei geringen Umsätzen um 0,9 Prozent auf 1965 Zähler ins Minus. Investoren hatten sich im Vorfeld der nachbörslich gemeldeten Zahlen für das zweite Quartal von Applied Materials zurück gehalten. Der Ausrüster für die Chipindustrie übertraf dann die Gewinn-Erwartungen der Analysten je Aktie um zwei Cents.
Über die schwachen Vorgaben der Nasdaq hinaus gibt es allerdings einen weiteren Grund für die Investoren in Deutschland sich heute zurückzuhalten. So stehen erneut Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Gegen Nachmittag (MEZ) werden die Zahlen zur Kapazitätsauslastung und Industrieproduktion für den Monat Juli und zu den Lagerbeständen für den Monat Juni erwartet.