Börse am Vormittag: Bayer unter Druck - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Bayer unter Druck

Die deutschen Aktienmärkte haben ihre Gewinne wieder abgegeben und pendeln um die Vortagesschlusslinie. Negative Analystenkommentare drücken die Aktien von Bayer ins Minus. SAP und Infineon erholen sich von den Verlusten des Vortages.
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Frankfurt am Main - Der Dax konnte seine frühen Gewinne nicht halten und fiel bis 11.25 Uhr wieder auf einen Punktestand von 5217 Zähler zurück, ein leichtes Minus von 0,2 Prozent. Am Neuen Markt drehte der Nemax 50 ins Minus und verlor 0,2 Prozent auf 1249 Punkte.

Nach Einschätzung eines Aktienhändlers dürfte der heutige Handelstag unter der Überschrift "Konsolidierung" laufen. Die Umsätze seinen derzeit noch dünn. Die Börsianer würden auf die Rede des amerikanischen Notenbank-Chefs Alan Greenspan am heutigen Freitag in San Francisco warten. "Es wird den ganzen Tag über gemütlich bleiben", fügte es hinzu.

Zudem stehen wieder Konjunkturdaten aus den USA an: Am Nachmittag sollen die Erzeugerpreise für den Monat Dezember veröffentlicht werden. Analysten erhoffen sich von den Daten Aufschluss über die konjunkturelle Situation. Unterdessen sieht EZB-Chefvolkswirt Ottmar Issing "zarte Anzeichen dafür, dass sich der Aufschwung anbahnt." In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte Issing, im ersten Quartal dieses Jahres werde es noch nicht zügig nach oben gehen. Einen klaren Wendepunkt zu bestimmen sei aber sehr schwierig. Belastend für den Aufschwung könnte sich allerdings noch ein hoher Ölpreis und hohe Lohnabschlüsse auswirken.

Nach Angaben von Händlern hat die niederländische Bank ABN Amro ihr Kursziel für die Bayer-Aktie   von 35 Euro auf 30 Euro gesenkt und die Einschätzung "reduzieren" beibehalten. Nach dem von vielen Analysten als ungünstig bezeichneten Zeitpunkt für den Führungswechsel im Pharmageschäft äußerte ein Münchener Analyst, dass Bayer wahrscheinlich den Konzern nicht so stark umkrempeln möchte wie es kommuniziert würde. Zudem zeigten sich viele Anleger enttäuscht von den Ergebnissen des soeben beigelegten Patentstreites mit dem Schweizer Mitbewerber Syngenta. Bayer hatten am Freitag mitgeteilt, dass es von Syngenta 150 Millionen Dollar erhalte und damit alle Streitigkeiten beigelegt seien. "Diese Summe wird vom Markt negativ aufgenommen", sagte ein Börsianer. Von einem Betrag in dieser Größenordnung werde der Konzern "nicht viel spüren". Die Aktie war mit einem Kursverlust von 2,7 Prozent auf 37,20 Euro der größte Verlierer im Dax.

Die Aktien von SAP zeigten sich Handel um 0,6 Prozent auf 164,01 Euro fester, nachdem die Investmentbank Merrill Lynch das Kursziel auf 185 Euro angehoben und die Gewinnschätzungen für 2002 und 2003 angehoben hatte. Auch Infineon   standen mit einem Kursplus von 1,64 Prozent auf 25,41 Euro auf der Kaufliste. Die Nachricht des US-Technologieunternehmer Rambus im ersten Geschäftsquartal 2001/2002 (31. Dezember) auf Grund des massiven Preis- und Nachfrageeinbruches bei Speicher-Chips einen Gewinneinbruch von 53 Prozent verzeichnet zu haben, hat den Kurs nach Aussage von Börsianern wenig beeinflusst.

Gefragt waren die Werte der Old-Economy. ThyssenKrupp   und MAN   führten mit einem Plus von annähernd zwei Prozent die Gewinnerliste an.

Trotz der weltweiten Krise in der Luftfahrt hat der Flughafen Frankfurt im vergangenen Jahr lediglich einen leichten Rückgang des Passagieraufkommens verzeichnet. Vom größten deutschen Flughafen seien 48,6 Millionen Fluggästen gezählt worden, was einem minus von 1,6 Prozent entspreche, teilte der Flughafen-Betreiber Fraport   am Freitag in Frankfurt mit. Die Aktie reagierte mit einem Abschlag von 0,2 Prozent auf 26,65 Euro.

Schwache Nachrichtenlage am Neuen Markt

Börsianer erklärten den ruhigen Handelsverlauf am Neuen Markt mit der Nachrichtenlage. Derzeit gebe es kaum Impulse von Unternehmensseite. Vor allem von EM.TV   werden Erklärungen erwartet. Vorstandschef Werner Klatten verschiebt seinen Aktieneinstieg beim angeschlagenen Medienunternehmen, will das "Handelsblatt" erfahren haben. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung werde Klatten nicht in dieser Woche seinen Finanzpartner für die Übernahme des 25,1-Prozent-Anteils nennen, schreibt die Zeitung. Bei regem Handel gewann der Titel dennoch 2,4 Prozent auf 1,72 Euro.

Das Beratungs- und Softwareunternehmen IDS Scheer   steigerte seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 nach vorläufiger Berechnung um 27 Prozent auf mehr als 160 Millionen Euro. Im Vorjahr erzielte das auf die Integration der betriebswirtschaftlichen Steuerungssoftware SAP R/3 spezialisierte Unternehmen einen Umsatz von 125,8 Millionen Euro. Daraufhin legte der Kurs drei Prozent zu und notierte bei 9,20 Euro.

Der Kabelbetreiber Primacom   sieht der "Financial Times Deutschland" zufolge den Ausbau der TV-Kabelnetze für digitales Fernsehen und schnellen Webzugang in Deutschland bedroht. Die bestehende Eigentümerstruktur sei für den Ausbau ungeeignet, sagte Primacom-Chef Paul Thomason der Zeitung. Der Kurs rutschte 2,7 Prozent auf 3,60 Euro herab.

Der Kurs der italienischen Direktbank Bipop-Carire   ist nach der Ankündigung, ein Teil der Führungsriege verlasse das Unternehmen, um 1,1 Prozent auf 1,81 Euro gefallen.

Minuszeichen in New York und Tokio

Der japanische Aktienmarkt hat am Freitag schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte fiel um 96,84 Punkte und beendete den Handel beim Stand von 10.441 Punkten. Das entspricht einem Verlust von 0,9 Prozent zum Schlussstand am Donnerstag.

Nach Einschätzung von Händlern hielten sich Investoren vor dem bevorstehenden langen Wochenende zurück. Sie wollten abwarten, wie die Wall Street in der kommenden Woche auf die in den USA anstehenden Veröffentlichungen von Firmenbilanzen reagiere. An diesem Montag bleibt die japanische Börse wegen eines Feiertags geschlossen.

In den USA fiel der Dow Jones 26,23 Punkte oder 0,2 Prozent auf 10.067 Zähler. Die Nasdaq gewann 2,35 Punkte oder 0,1 Prozent auf 2047 Zähler. Händler begründeten die Schwäche bei den Standardwerten mit anhaltenden Anlegersorgen, dass die jüngsten Kursgewinne im Lichte der Ertragserwartungen nicht zu rechtfertigen seien.

"Es würde mich überraschen, wenn wir das erste Quartal ohne größere Rückschläge überstünden", sagte Bob Doll von der Anlagefirma Merrill Lynch Investment Management, die ein Vermögen von mehr als 500 Milliarden Dollar verwaltet. Prominentester Dow-Jones-Verlierer waren IBM   . Es kursierten Gerüchte, der Computer-Gigant werde seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das vierte Quartal nicht erreichen. IBM fielen 2,53 Dollar auf 122,14 Dollar.

Kurs des Euro stabil

Der Kurs des Euro hat sich am Freitag stabil gezeigt und über der Marke von 0,89 Dollar gehalten. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte gegen 11 Uhr bei 0,8918 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,8909 Dollar festgesetzt. Einen ruhigen Handelsverlauf erwartet Devisenanalyst Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Partner. "Erst am Abend könnte Schwung in den Devisenmarkt kommen, wenn sich US-Notenbankchef Alan Greenspan zur Konjunkturlage äußert", sagte der Experte.