Börse am Vormittag Chemiewerte unter Druck
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte eröffneten schwach, konnten sich dann allerdings ein wenig nach oben arbeiten. Der Dax stand um 10.40 Uhr noch mit 0,2 Prozent bei 6113 Punkten im Minus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 gaben nach ihren anhaltenden Zuwächsen der vergangenen Tage zunächst rund zwei Prozent nach, verringerten ihr Minus dann aber auf 1,6 Prozent auf 1784 Zähler.
Adidas, Deutsche Post und HypoVereinsbank sowie die Anteilsscheine der Deutschen Telekom führten die Gewinnerliste im Dax mit Kursaufschlägen zwischen 1,9 und rund einem Prozent an.
Nach Vorlage enttäuschender Zahlen für das erste Quartal 2001 notierten die Papiere der Lufthansa mit 5,4 Prozent schwächer bei runden 20 Euro. Die Kranichlinie hat im ersten Quartal im Konzern nach vorläufigen Zahlen ein rückläufiges operatives Ergebnis von fünf (Vorjahr: 99) Millionen Euro verzeichnet. Das ist ein Gewinneinbruch, den Analysten nicht erwartet haben. Neben Belastungen aus gestiegenen Treibstoffkosten seien im Wesentlichen Vorlaufkosten für die E-Business-Initiativen des Konzerns für den Ergebnisrückgang verantwortlich. Belastend wirkte sich auf die Aktie auch noch ein möglicher Streik bei der Fluglinie aus.
Unter Verkaufsdruck standen auch Chemiewerte. Die Papiere von Bayer verbilligten sich um 3,6 Prozent auf knapp 48 Euro. Vor der Hauptversammlung legte der Chemiekonzern seine Geschäftsergebnisse für das erste Quartal 2001 vor. Demnach ist im ersten Quartal 2001 der Konzerngewinn um 21 Prozent auf 442 Millionen Euro gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres gesunken. Als Gründe wurden die Konjunkturabkühlung und höhere Umbaukosten genannt. Zudem sei das erste Quartal 2000 das beste aller Zeiten gewesen. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Unter Verkaufsdruck litten auch die Anteilsscheine von BASF mit Kursabschlägen von 3,25 Prozent auf 47,70 Euro.
Zu den Verlierern im Dax zählten überdies Technologietitel. Siemens verbuchten am Freitag erneut Verluste. Sie fielen um 2,4 Prozent auf 118 Euro. Am Vortag war das Papier an die Spitze der Dax-Verlierer gerutscht, nachdem der Münchener Konzern keinen Ausblick für das zweite Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (30. September) hatte geben wollen. Im Gleichklang mit Siemens verloren auch Epcos-Aktien. Sie verbilligten sich um 1,3 Prozent auf 69,30 Euro. Die Papiere von Infineon fielen um rund ein Prozent auf 46,20 Euro.
Rabenschwarzer Tag für SCM-Papiere
Am Neuen Markt strafte die Börse schlechte Nachrichten mit drastischen Kursverlusten ab. Der deutsch-amerikanische Computer-Chipkartenhersteller SCM Microsystems hat im ersten Quartel 2001 unerwartet einen Nettoverlust von 18,35 Millionen Dollar oder 1,20 Dollar je Aktie ausgewiesen. Im Vorjahresquartal hatte das im Nemax 50 notierte Unternehmen einen Gewinn von 2,68 Millionen oder 0,17 Dollar je Aktie erwirtschaftet. Nun kündigte SCM Micro umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen an. Die Aktie erlebte einen rabenschwarzen Tag und brach zuletzt um rund 44 Prozent auf 9,90 Euro ein.
Hart erwischte es auch die Papiere des Kommunikationsdienstleisters Camelot. Das im marktbreiteren Nemax-All-Share notierte Unternehmen hat die Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen wird mit minus acht Millionen Mark der zunächst angestrebte Gewinn von sechs Millionen Mark deutlich verfehlt. Der Umsatz werde mit rund 45 Millionen Mark etwa 15 Millionen Mark unter den ursprünglichen Planungen liegen. Das Unternehmen rechnet für 2002 mindestens mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Die Aktie brach um 35 Prozent auf 1,40 Euro ein.
Die angeschlagene Refugium Holding AG prüft die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der Hamburger Marseille-Kliniken AG. Wie der Betreiber von Seniorenwohnheimen bekannt gab, seien bereits erste Schritte zur "sorgfältigen Prüfung" der Refugium-Aktivitäten eingeleitet worden. Der Aufsichtsrat von Refugium habe auf seiner Sitzung am 25. April die geplante Zusammenarbeit mit Marseille-Kliniken einhellig begrüßt. Die Anleger scheinen dem ebenfalls zuzustimmen: Refugium gewannen 17 Prozent auf 1,85 Euro und gehörten damit zu den stärksten Werten am gesamten Neuen Markt.
Foris legten um rund 23 Prozent zu und kosteten 5,78 Euro. Zuvor war die Aktie schon bis auf 6,25 Euro gestiegen. Der Prozess-Finanzierer habe die Umsatzerlöse im ersten Quartal von 5,3 Millionen Mark auf 8,9 Millionen Mark gesteigert. Im Gesamtjahr will das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Mark erwirtschaften. Außerdem soll das Jahresergebnis positiv ausfallen. Diese Nachrichten kommen bei den Anlegern an. Das Papier ist gefragt.
Die am Frankfurter Neuen Markt notierte Metabox AG in Hildesheim wollte heute eigentlich auch ihre Zahlen vorstellen. Das Skandalunternehmen sagte dann aber gegen acht Uhr morgens kurzerhand ab. Metabox hat die Pressekonferenz ohne nähere Begründung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Die Investoren zeigten sich verärgert und verkauften das Papier. Die Aktie gab um rund 13 Prozent auf schlappe 1,60 Euro nach.
Das Unternehmen, das Set-Top-Boxen für die Internetnutzung per Fernsehen entwickelt, gilt als angeschlagen und steht im Visier der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Ermittlungen werden nach Behördenangaben noch Monate dauern, weil auch im Ausland recherchiert wird. Dabei geht es um Börsenmitteilungen zu drei angeblichen Metabox-Lieferungen ins Ausland.
Kann der Neue Markt seinen Höhenflug fortsetzen?
Selbst eine Bombendrohung hatte am Donnerstag die Wachstumswerte am Neuen Markt bei ihrem Drang nach oben nicht aufhalten können, obwohl die Nasdaq immer wieder schwache Vorgaben geliefert hatte. Dies ist auch heute der Fall. Die US-Technologiebörse schloss mit 1,2 Prozent im Minus bei 2034 Zählern. Die Industriewerte im Dow Jones notierten zum Handelsschluss in New York mit plus 0,6 Prozent bei 10.692 Punkten.
Kann der Neue Markt an seinem Aufwärtstrend festhalten? Die Wachstumswerte haben in dieser Woche bereits rund 15 Prozent zulegen können. Technische Analysten billigen dem Nemax 50 sogar bis zu 2100 Zähler zu. Der Index habe den Abwärtstrendkanal nach oben durchbrochen. Jetzt sei eine Erholungsphase mit weiteren Kursaufschlägen angezeigt. Die Liquidität im Markt sei hoch. Vor allem Investmentfonds seien engagiert, und auch von großen ausländischen Investoren berichten Händler. Dennoch bleibe der Markt anfällig für Schwankungen. Das Ende der Berichtssaison müsse abgewartet werden. Dann wisse man genauer, ob der jüngste Aufschwung nachhaltig gewesen ist.
Nachbörslich meldete in den USA der Biotech-Konzern Amgen einen Gewinn von 28 Cents pro Aktie, eine Steigerung um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Management gab einen optimistischen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2001.
Die amerikanische Glasfaserspezialist Corning hat indes zum dritten Mal seit Mitte Februar die Gewinnaussichten für 2001 reduziert. Wie der Konzern nach US-Börsenschluss mitteilte, werden für das zweite Quartal ein Pro-forma-Gewinn von 0,18 bis 0,21 Dollar je Aktie und ein Umsatz von 1,8 Milliarden bis 1,9 Milliarden Dollar gesehen. Analysten hatten mit 0,28 Dollar Gewinn und 1,98 Milliarden Dollar Umsatz gerechnet.
Schwächer zeigte sich die asiatische Leitbörse in Tokio. Der Nikkei verlor rund 39 Zähler oder rund 0,3 Prozent auf 13.934 Punkte.