Börse am Vormittag: Comeback der Tech-Titel - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Comeback der Tech-Titel

Die Anleger zeigen sich unbeirrbar: Während das Rezessionsrisiko steigt, klettern die Kurse weiter. Infineon führt den Tross der neu erstarkten Tech-Werte an. Eine Zinssenkung der EZB wäre heute eine große Überraschung.
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Frankfurt am Main - Der Dax verteidigte am Vormittag seine Gewinne von 0,5 Prozent und notierte bei 5105 Punkten. Der Nemax 50 legte zuletzt um 1,1 Prozent auf 1317 Punkte zu. Der Glauben der Anleger an eine weitere Erholung ist trotz schwacher Konjunkturdaten ungebrochen.

Die Technologietitel, die gestern deutlich verloren hatten, waren am Donnerstag wieder in der Dax-Spitze zu finden. Infineon  , Epcos   und Siemens   legten zwischen 4,6 und 1,7 Prozent zu. Auch SAP   und T-Aktie   notierten fester.

BASF belastet, Unsicherheit bei Lufthansa

Unter den Verlierern im Dax war dagegen BASF   zu finden. Die EU-Kommission hat gestern gegen acht Unternehmen ein Rekordbußgeld von 855 Millionen Euro wegen verbotener Preisabsprachen bei Vitaminpräparaten verhängt. Auf den Ludwigshafener Chemiekonzern entfallen 296 Millionen Euro.

Auch die defensiven Werte Post   und Henkel   mussten Abschläge hinnehmen. Größter Verlierer war am Donnerstag Vormittag die Lufthansa   . Das Unternehmen war in den vergangenen Wochen stark gestiegen und hatte jüngst Entlassungen und Kurzarbeit angekündigt, um der Krise in der Branche zu begegnen.

RWE mit Punktlandung

Der im Dax notierte Essener Versorgungskonzern RWE   gab nach den Quartalszahlen seine Anfangsgewinne wieder ab und notierte um den Vortagesschluss. RWE hat im ersten Quartal des Rumpfgeschäftsjahres 2001 das betriebliche Ergebnis um 37,9 Prozent auf 903 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert und damit die hohen Erwartungen der Analysten getroffen. erwartet für das Geschäftsjahr einen Zuwachs beim Betriebsergebnis um bis zu 20 Prozent. Auch der Konkurrent Eon   tendierte um den Vortagesschluss: Nach Medienberichten plant der Konzern weitere Zukäufe in den USA und habe dafür einen zweistelligen Milliardenbetrag zur Verfügung.

Optimismus trotz Rezessionsgefahr

Der Optimismus der Anleger hält an, obwohl die neuen Konjunkturdaten alles andere als erfreulich sind. Im Vergleich zum Vorquartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) saison- und kalenderbereinigt um 0,1 Prozent gesunken, nachdem es im Vorquartal stagniert hatte, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Damit ist die Gefahr einer Rezession in Deutschland gestiegen, die Volkswirte in der Regel als zwei aufeinander folgende Quartale mit negativem Wachstum definieren. Im Jahresvergleich ist die Wirtschaft im dritten Quartal um 0,3 (Vorquartal: 0,6) Prozent gewachsen. Das sei die geringste Zunahme seit dem ersten Quartal 1997 gewesen. Analysten hatten im Schnitt ein Plus von 0,5 Prozent zum dritten Quartal 2000 und zum Vorquartal eine Stagnation erwartet.

Heute kommen die EZB-Banker zur Ratssitzung in Frankfurt zusammen. Eine Zinssenkung gilt als unwahrscheinlich, obwohl der erneut gesunkene ifo-Geschäftsklimaindex und das BIP in Deutschland ein düsteres Bild der Konjunktur zeichnen.

Neuer Markt: Medigene gibt nach Quartalszahlen ab

Die Hoffnung der Investoren, trotz schwacher Daten an der Rezession vorbeizuschrammen, macht sich besonders am Aufwärtstrend am Neuen Markt bemerkbar. Broadvision   und der Zockerwert Biodata   starteten mit den höchsten Gewinnen. Das Biotechnologieunternehmen MediGene   gehörte mit einem Abschlag von knapp fünf Prozent am Vormittag zu den größten Verlierern im Index. MediGene hat seine Verluste in den ersten neun Monaten nochmals ausgeweitet. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurde der Verlust vor Zinsen und Steuern auf 19,2 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Auch der Online-Broker ConSors   setzte seine Talfahrt fort.

Feiertag in den USA

Am Feiertag Thanksgiving ruht in den USA der Handel. Der Dow Jones schloss gestern bei niedrigen Umsätzen 0,7 Prozent schwächer, erholte sich aber im späten Handel von seinem Tagestief. Die Technologiebörse Nasdaq ging gestern mit 0,3 Prozent minimal leichter aus dem Handel.

Der Euro hat sich am Donnerstag Vormittag kaum von seinem am Vortag erreichten Drei-Monats-Tief erholen können. Die unerwartet besseren Konjunkturdaten aus den USA im Kontrast zum erneuten Rückgang des deutschen Ifo-Indexes auf den tiefsten Stand seit acht Jahren sorgte weiterhin für lebhafte Dollar-Nachfrage. Gegen 11 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,8784 Dollar nahe dem Drei-Monats-Tief von 0,8754 Dollar am Mittwoch.