Börse am Vormittag Dax dreht ins Minus
Frankfurt am Main - Der Dax drehte nach einem festen Handelsstart ins Minus und gab bis 11.00 Uhr 0,6 Prozent auf 5189 Punkte ab. Noch schwächer präsentierte sich der Neue Markt. Der Nemax 50 verlor ein Prozent auf 1050 Zähler.
Händler in Frankfurt erklärten die Kursverluste mit schwachen Vorgaben aus New York und Tokio. Zudem seien die Umsätze im Vorfeld der Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve am morgigen Dienstag gering. Die Börse sei charttechnisch weiterhin angeschlagen, hieß es. Mit weiteren Kursabschlägen sei zu rechnen.
Am Nachmittag werden wieder neue Konjunkturdaten aus den USA erwartet. Die Frühindikatoren für den Monat Juli sollten wieder Aufschluss über die wirtschaftliche Entwicklung geben. Erst in der vergangenen Woche enttäuschten die Zahlen zum US-Handelsdefizit. Auf Grund schwacher Exporte vergrößerte sich das Defizit im Juni auf 29,4 Milliarden Dollar. Händler sehen darin ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Unternehmensgewinne in den USA in nächster Zukunft voraussichtlich nicht bedeutend steigen werden.
Die Dax-Gewinnerliste wurde angeführt von der Bayer-Aktie. Die Titel gewannen über zwei Prozent auf 34 Euro. Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline ist offenbar an einem Kauf der Pharmasparte von Bayer interessiert. Nach einem Bericht der Zeitung "The Sunday Telegraph" ist das Glaxo-Interesse wegen der schweren Probleme akut geworden, in denen sich Bayers Pharmabereich nach dem Rückzug des Mittels Lipobay/Baycol befindet. Dem Bericht zufolge könne das Angebot von GlaxoSmithKline für Bayer bis zu 15 Milliarden Dollar betragen.
Ebenfalls stark präsentierten sich die Autowerte, die am Freitag vergangener Woche noch zu den größten Verlierern gehörten. Schwache Geschäftszahlen des US-Riesen Ford hatten die Branche in eine Krise gestürzt. Zum Wochenauftakt legten die Titel von BMW (plus 1,6 Prozent auf 35,50 Euro) und DaimlerChrysler (plus 0,9 Prozent auf 48,10 Euro) dank einer technischen Gegenreaktion zu. Volkswagen-Papiere wurden dagegen von einem Streik im Werk in Mexiko belastet und verloren 0,7 Prozent auf 48,94 Euro.
Unter Druck standen die Finanztitel. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank verbilligten sich um 2,3 Prozent auf 73,70 Euro. Auf Grund des umstrittenen Blockverkaufs von Telekom-Aktien durch die Deutsche Bank haben große Fondsgesellschaften ihren Handel mit dem Kreditinstitut für einige Wochen eingestellt. Vier der fünf großen deutschen Fondsgesellschaften - darunter der Deutsche Investment-Trust (DIT) der Dresdner Bank und die zur Commerzbank gehörende Adig - sind extrem verärgert über die Platzierung der 44 Millionen T-Aktien und haben den Handel mit der Deutschen Bank zunächst unterbrochen. Die T-Aktie kletterte um 0,9 Prozent auf 17,53 Euro.
Commerzbank-Aktien gaben 1,1 Prozent auf 26,68 Euro ab. Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller hatte in einem Bericht des "Handelsblatt" sich gegen eine Fusion mit dem italienischen Versicherungskonzern Generali ausgesprochen. Zudem äußerte er sich erneut kritisch zu Zusammenschlüssen zwischen Banken und Versicherungen.
Das Schlusslicht im Dax war wie schon in der vergangenen Woche die Aktie von MLP. Die Titel des Finanzdienstleisters gab 5,5 Prozent ab und fiel auf 67,52 Euro. Negative Analystenstimmen vom Freitag hatten die Aktie auch zum Wochenauftakt noch belastet.
Neuer Markt nimmt die 1000-Punkte-Marke ins Visier
Nachdem der Nemax 50 am Freitag ein Allzeittief bei 1048 Punkten markiert hatte, ging die Talfahrt zum Wochenauftakt weiter. Im frühen Handel fiel der Auswahlindex des Neuen Marktes bereits auf 1046 Punkte. Händler befürchten, das Marktsegment könnte noch in dieser Woche unter die Marke von 1000 Zählern fallen.
Zu den wenigen Gewinnern gehörten die Aktien von Morphosys. Sie setzten zum Wochenbeginn ihren Steigflug fort und kletterten um 2,2 Prozent auf 34,75 Euro. In mehreren Patentstreitigkeiten mit der amerikanischen Cambridge Antibody Technology errangen die Martinsrieder Etappensiege. So fielen vorläufige Gerichtsentscheidungen zu Gunsten von Morphosys aus.
Die Aktien von Plambeck Neue Energien trotzten ebenfalls dem Gesamtmarkt und verteuerten sich um 4,1 Prozent auf 17,70 Euro. Der Hersteller von Windkraftanlagen erhöhte das Ergebnis vor Steuern im ersten Halbjahr auf 10,8 Millionen Mark, nach 0,8 Millionen Mark im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmenswachstum befindet sich damit im Plan. Auch das Ebitda von 13,8 Millionen Mark (0,3 Millionen Mark im Vorjahr) liegt nach Unternehmensangaben auf Kurs.
Internationalmedia-Titel verbilligten sich bei niedrigen Umsätzen um 2,5 Prozent auf 23,90 Euro. Der Markt zeigte sich damit unbeeindruckt von den Plänen des Filmproduzenten, im zweiten Halbjahr acht Filme auf den Markt zu bringen. Im ersten Halbjahr fuhr der Filmproduzent einen Umsatz von 62,2 Millionen Euro (18 Prozent über dem Vorjahreswert) ein. Mit einem Konzernergebnis von 0,7 Millionen Euro, einem Ebit von 0,4 Millionen Euro und einem Ebitda von 29 Millionen Euro befinden sich die Münchner nach eigenen Angaben vollständig im Plan für 2001.
Tokios Börse sackt auf 16-Jahres-Tief
Die Talfahrt der asiatischen Leitbörse in Tokio kennt scheinbar kein Ende. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte sackte am Montag nach der negativen Vorgabe der Wall Street auf den tiefsten Stand seit November 1984. Das fernöstliche Börsenbarometer notierte zum Schluss einen schweren Verlust von 187,60 Punkten oder 1,6 Prozent beim Stand von 11.257 Punkten. Der breiter angelegte Topix verlor 14,66 Punkte oder 1,3 Prozent auf 1155 Punkte.
Euro behauptet sich
Der Kurs des Euro hat am Montagmorgen fest tendiert. Um 10.45 Uhr kostete die Gemeinschaftswährung 0,9158 Dollar. Damit ist das Preisniveau seit dem Spätgeschäft am vergangenen Freitag nur geringfügig angestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,9138 (Donnerstag: 0,9144) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,1403 (2,1389) Mark.
Das Handelsvolumen sei zu Wochenbeginn sehr gering, sagten Händler. Ein Großteil der Marktteilnehmer halte sich im Vorfeld der am morgigen Dienstag beginnenden Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank Fed zurück, hieß es. Bei den FOMC-Sitzungen wird über die Zinspolitik der Fed entschieden. Noch herrscht unter Marktbeobachtern Unsicherheit darüber, ob die Fed den Leitzins um 25 oder 50 Basispunkte senken wird.