Börse am Vormittag Der Dax lebt noch
Frankfurt am Main - Die unsichere Konjunkturlage schickt die Börsen auf eine Achterbahnfahrt. Am Vormittag hat sich der Dax aber nach einer extrem schwachen Eröffnung von seinen Tagestiefstständen entfernen können und legte bis elf Uhr auf 3436 Punkte zu, ein Plus von über drei Prozent.
Der MDax konnte sich vor elf Uhr noch nicht aus der Verlustzone befreien und notierte rund 1,5 Prozent schwächer auf 3252 Punkten. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 471 Zählern, ein Minus von 3,5 Prozent. "Die erneut schlechten Konjunkturdaten und die schwache Wall Street drücken die Kurse", sagte ein Frankfurter Händler. Nach Ansicht der Experten der Helaba wachse die Gefahr, "dass der Aufschwung noch weit länger auf sich warten lässt, als bisher gedacht wurde".
Der Internationale Währungsfonds (IWF) trübte die Stimmung mit pessimistischen Prognosen weiter ein: Die Einbrüche an den Aktienmärkten, die Finanzskandale und der Vertrauensschwund von Verbrauchern und Unternehmern dämpfe die Wachstumsaussichten in den USA, kündigte der IWF in Washington an.
BMW glänzt
Die Gewinnerliste im Dax wurde angeführt von der BMW-Aktie , die sich um vier Prozent auf 38,27 Euro verteuerte. Auch die Titel der Mitbewerber DaimlerChrysler und Volkswagen präsentierten sich freundlich. BMW-Chef Helmut Panke rechnet trotz der Konjunkturschwäche in den USA und Europa für dieses Jahr mit höheren Absatzzahlen. Der BMW-Vorstandvorsitzende gab sich in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" für den weiteren Jahresverlauf optimistisch. Die Marke BMW, ohne Mini, habe in diesem Jahr weltweit bisher um 4,5 Prozent und in den USA um acht Prozent zugelegt, berichtete die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. BMW werde mehr als eine Million Autos im laufenden Jahr verkaufen.
Panke erwartet nach Angaben der Zeitung einen höheren Absatz und bessere Zahlen auf der Finanzseite. BMW rechnet in diesem Jahr mit einem US-Absatzanstieg von acht Prozent, plus oder minus ein bis zwei Prozent, erklärte der amerikanischen BMW-Chef Tom Purves. Die US-Baisse habe einigen Einfluss auf die Nachfrage. Purves gab sich trotzdem optimistisch, da sich Luxusmodelle eher nach dem Immobilien-Markt richteten.
Commerzbank schreibt schwarze Zahlen
Die Aktie der Commerzbank präsentierte sich nach einem schwachen Auftakt zuletzt wieder stärker und hat rund 0,1 Prozent auf 9,90 Euro zugelegt. Zuvor hatten Spekulationen den Titel belastet, wonach die Frankfurter Bank für das zweite Quartal gerade noch schwarze Zahlen geschrieben hätte und möglicherweise von ihrem Gewinnziel für das Gesamtjahr abrücken müsste. Allerdings seien einige Börsianer sogar von einem negativen Vorsteuergewinn für das Quartal ausgegangen, sagte ein Händler. Dennoch könne man mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sein. "Allerdings ist die Aktie zuvor deutlich abgestraft worden."
Die Commerzbank wird der "Börsen-Zeitung" zufolge am Donnerstag einen Vorsteuergewinn von 25 Millionen Euro vermelden. Dabei berief sich die Zeitung auf Finanzkreise. Das Ergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter werde voraussichtlich unter drei Millionen Euro liegen. Beteiligungsverkäufe hätten keine Rolle gespielt.
Die zuletzt arg gebeutelten Versicherungswerte Allianz und Münchener Rück notierten uneinheitlich.
BASF trotz positiver Spekulationen im Minus
Der weltweit größte Chemiekonzern BASF hat seinen Gewinn im zweiten Quartal merklich erhöht. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" gibt das Ludwigshafener Unternehmen am Donnerstag ein Betriebsergebnis vor Sonderposten um die 800 Millionen Euro bekannt. Im zweiten Quartal 2001 hatte BASF bei einem Umsatz von 8,33 Milliarden Euro ein Ergebnis von 751 Millionen Euro erwirtschaftet. Das BASF-Geschäft im Juni habe den positiven Trend der vergangenen Monate bestätigt, hieß es. Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 37,09 Euro. "Es gibt keinen Grund, warum die Aktie nachgibt", sagte ein Händler. Normaler Weise müssten die "positive Spekulationen" das Papier beflügeln.
TUI droht Klage der SEC
Die Aktie des Touristik-Konzerns TUI ist unter Druck geraten. Grund ist Händlerangaben zufolge ein Pressebericht über Bilanzfälschungsvorwürfe eines ehemaligen Preussag-Vorstandes. Die Aktie verlor 2,9 Prozent auf 18,86 Euro. "Die Welt" berichtet, Hans-Joachim Selenz habe den Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) bei der US-Börsenaufsicht SEC wegen Bilanzmanipulationen beim Jahresabschluss der Preussag AG (heute TUI) 1996/97 angezeigt. Er werfe dem Vorstand beim Abschluss "bewusste Täuschung der Aktionäre vor". Das Führungsgremium habe unter Billigung des Aufsichtsrates durch den Verkauf von Substanzwerten hohe Verluste von Tochterfirmen ausgeglichen.
"Der Jahresabschluss 96/97 hat ein einwandfreies Testat. Das haben auch unabhängige Prüfungen ergeben", sagte ein TUI-Sprecher. Auch PwC hat dem Bericht zufolge die Vorwürfe zurückgewiesen. Dem Unternehmen droht der "Welt" zufolge nun als erstem deutschem Unternehmen ein Verfahren der US-Börsenaufsicht.
Größter Verlierer war wieder einmal die Aktie von Fresenius Medical Care , die sich um über vier Prozent auf 26,10 Euro verbilligte. Der Dialyse-Spezialist hat in der vergangenen Woche seine Prognosen revidiert. Für 2002 werde nunmehr von einem Ergebnis nach Steuern von rund 300 Millionen Dollar ausgegangen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Zuvor waren 350 Millionen Dollar erwartet worden. Seitdem hat die Aktie massiv verloren.
Gewinneinbruch bei Qiagen
Die Qiagen-Aktie verlor nach Vorlage der Quartalszahlen rund 2,6 Prozent auf 6,26 Euro. Das niederländische Biotechunternehmen hat im zweiten Quartal 2002 angesichts von Ausgabenkürzungen bei den Industriekunden in der US-Pharmabranche weniger verdient als ein Jahr zuvor, lag mit seinen Zahlen aber im Rahmen der Analystenerwartungen. Der Gewinn je Aktie sei bereinigt um Einmalkosten für den Kauf der GenoVision AS und um ein außerordentliches Finanzergebnis im Vergleichsquartal auf fünf Cent gesunken von sieben Cent im Vorjahreszeitraum, teilte das auch am Neuen Markt gelistete Unternehmen nach US-Börsenschluss mit.
Zu den größten Verlierern im Nemax 50 gehörten die Aktien von Singulus mit einem Verlust von acht Prozent auf 16,69 Euro. Der Hersteller von DVD-/CD-Produktionsanlagen hatte am Vortag endgültigen Quartalszahlen vorgelegt. Händlern zufolge war der Ausblick enttäuschend ausgefallen.
Zu den wenigen Gewinnern zählten Aktien von Funkwerk mit einem Plus von 3,4 Prozent auf 18 Euro. Der Netzwerkausrüster hat im abgelaufenen Geschäftshalbjahr 2002 zwar einen Gewinneinbruch um 14,7 Prozent erlitten, rechnet aber unverändert mit einem hohen Umsatz- und Gewinnanstieg im Gesamtjahr.
Massive Verluste in New York, Euro fällt unter 0,97 Dollar
Schwache Konjunkturdaten drücken die Wall Street
In den USA bauten die Börsen im späten Handel ihre Verluste aus. Der Dow Jones schloss auf 8043 Zählern, ein Minus von 3,2 Prozent. Der Nasdaq rutschte um 3,4 Prozent auf 1206 Punkte. Händler begründeten die Schwäche mit Konjunktursorgen der Anleger und fallenden Finanz- und Pharmawerten. "Angesichts der sich abschwächenden wirtschaftlichen Erholung machen sich alle Sorgen darüber, wie es am Aktienmarkt weitergeht", sagte Scott Schermerhorn, ein Fondsmanager bei FleetBoston Financial.
Das Institut für Angebots-Management, früher als Verband der Chefeinkäufer bekannt, hatte im Handelsverlauf mitgeteilt, dass der Index im nicht-verarbeitenden Gewerbe im Juli mit 53,1 unter den Erwartungen ausgefallen sei. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf nicht mehr als 57 gerechnet. Schon vergangene Woche hatten die Arbeitsmarktzahlen für Juli eine konjunkturelle Abschwächung angedeutet.
Wall Street belastet den Nikkei
Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag nach der negativen Vorgabe der Wall Street vom Vortag mit deutlichen Verlusten geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte sackte um 203,91 Punkte oder 2,1 Prozent ab und endete beim Stand von 9501 Punkten. Der breit angelegte Topix gab um 15,94 Punkte oder 1,7 Prozent nach und beendete das Geschäft beim Stand von 939,42 Zählern.
Euro fällt unter die Marke von 97 US-Cent
Sorgen über die Konjunkturaussichten in Europa haben den Euro deutlich unter die Marke von 0,97 Dollar gedrückt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 10.30 Uhr 0,9697 Dollar. Am Montag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch bei 0,9836 festgelegt. Ein Dollar kostete damit 1,0167 (Freitag: 1,0129) Euro.
Der Kursrückgang ist nach Ansicht von Volkswirt Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt auf die unsicheren Konjunkturaussichten in Deutschland und den anderen großen Volkswirtschaften Europas zurückzuführen. Der schwache Wirtschaftsaufschwung in den USA dämpfe auch die Aussichten auf dem alten Kontinent. Einen Beleg dafür könnten an diesem Mittwoch die deutschen Zahlen zum Arbeitsmarkt und zum Auftragseingang in der Industrie liefern.
Trotz des deutlichen Kursverlustes sieht Hessler die Aufwärtsbewegung des Euro nicht gebrochen. "Wir sehen den Euro weiter kurzfristig in einem Bereich von 0,97 bis 1,02 Dollar", sagte Hessler.