Börse am Vormittag Der Tag der toten Katze
Frankfurt am Main Der Dax ist nach einem positiven Start ins Minus gerutscht und notierte um 9.30 rund 0,3 Prozent schwächer auf 4463 Punkten. Der MDax legte leicht auf 4128 Punkte zu. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 686 Zählern, ein Minus von 0,2 Prozent.
Nach Angaben von Händlern ist die gestrige Aufwärtsbewegung kein Anzeichen für eine Erholung. Vielmehr handele es sich um einen so genannten "dead cat bounce". Laut einer alten Börsenweisheit macht auch eine tote Katze einen Satz, wenn man sie aus dem Fenster wirft. Ein Grossteil der Käufe werde von Shortsellern getätigt, die wegen der gestiegenen Kurse ihre Positionen schlössen.
Richtungsweisende Impulse erwarten Marktbeobachter erst im späteren Handelsverlauf. Am Nachmittag werden in den USA wichtige Konjunkturdaten erwartet. In Washington werden die Verbraucherpreise, die Realeinkommen und die Zahlen zum Wohnungsbau jeweils für den Monat Mai erwartet. Investoren erhoffen sich von den Daten Aufschluss über die Lage der Wirtschaft. Erst nach Börsenschluss in den USA wird sich dann entscheiden, ob die jüngste Kurserholung bei den Technologiewerten lediglich ein Strohfeuer war. Oracle , der zweitgrößte Softwarehersteller der Welt, veröffentlicht seine Zahlen zum Geschäftsjahr 2001/2002 und hält im Anschluss eine Telefonkonferenz für Analysten ab. Sollte die Bilanz enttäuschen, sind Kursverluste für Mittwoch im Technologie-Bereich schon vorprogrammiert.
Zu den stärksten Dax-Werten gehörte im frühen Handel das Papier von Infineon . Die Aktie legte um annähernd zwei Prozent auf 16,68 Euro zu. Die Siemens-Tochter will heute mit zwei weiteren führenden Unternehmen der Halbleiterindustrie über ein gemeinsames Geschäfts- und Technologiemodell beraten.
Telekom: "Kein wirklicher Verzicht
Die T-Aktie gewann knapp ein Prozent auf 11,65 Euro hinzu. Die Vorstandsmitglieder des Unternehmens wollen einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge als freiwillige Einsparmaßnahme in diesem Jahr auf Aktienoptionen als Teil ihrer Vergütung verzichten. Der Telekom-Vorstand wolle dies dem Aufsichtsrat vorschlagen, heißt es. Neben Telekomchef Ron Sommer und seinen sieben Vorstandskollegen sollten zudem 3000 weitere Führungskräfte des Konzerns auf die Hälfte ihrer Aktienoptionen verzichten.
Händler zeigten sich unbeeindruckt. "Wenn die Aktienoptionen praktisch wertlos sind, dann kann man nicht wirklich von einem Verzicht sprechen", sagte ein Händler. Auch einen positiven psychologischen Effekt kann der Börsianer nicht erkennen. "Solche Forderungen sind ja schon des Öfteren gestellt worden", sagte Stefan Buchholz von der DZ Bank. Bei den Verlusten der Gesellschaft seien die hohen Vorstandsbezüge in die Kritik geraten. Die Meldung über einen Verzicht bewertet Buchholz als neutral.
Größter Verlierer war erneut die "Aktie Gelb", die um 1,3 Prozent auf 13,92 Euro abgab. Bei der Diskussion um die eventuelle Rückzahlung von 572 Millionen Euro durch die Deutsche Post ist die Möglichkeit einer Portosenkung in den Mittelpunkt gerückt. Ein geringeres Briefporto würde die Gewinnmargen bei den Bonnern belasten, sagten Händler.
Uneinheitlich notierten die Chemiewerte Bayer (plus 0,4 Prozent auf 33,38 Euro) und BASF (minus 0,8 Prozent auf 45,63 Euro). Ungeachtet positiver Signale aus den Großkonzernen beurteilt die deutsche Chemiebranche ihre Geschäftsaussichten für das Gesamtjahr weiter zurückhaltend. "Wir erwarten noch keine durchgreifende Besserung", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Wilfried Sahm, der "Financial Times Deutschland". Dow Jones gewinnt über 200 Punkte
Der US-Aktienmarkt hat am Montag seinen steilsten Anstieg seit mehr als einem Monat verbucht. Zuvor hatten etliche Unternehmen ihre Ertragsprognosen nach oben berichtigt. Auslöser des Aufschwungs sei McDonald's gewesen, sagten Händler. Der führende Fast-Food-Verkäufer sagte, der Gewinn im zweiten Quartal werde die eigenen Prognosen übertreffen. Der Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte stieg um 213,21 Punkte oder 2,3 Prozent auf 9687 Zähler. Die Nasdaq erhöhte sich um 48,55 Punkte oder 3,2 Prozent auf 1553 Zähler. Der breiter gefasste Standard & Poor's 500-Index legte 28,90 Punkte oder 2,9 Prozent auf 1036 Zähler zu.
Wall-Street-Vorgaben beflügeln Nikkei
Die japanischen Standardwerte haben am Dienstag deutliche Kursgewinne verzeichnet. Händler machten dafür die günstige Bewertung vieler Aktien nach den jüngsten Kursverlusten verantwortlich, die Anleger zum Einstieg genutzt hätten. Auch die positiven Vorgaben von der Wall Street sowie die Heraufstufung des japanischen Aktienmarktes von "Underweight" auf "Market Weight" durch Morgan Stanley hätten den Markt beflügelt.
Das Handelsvolumen war allerdings ausgesprochen dünn. Das Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Japan und der Türkei, das kurz nach Börsenschluss angepfiffen wurde, zog die Aufmerksamkeit vieler Börsianer bereits vorher auf sich. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gewann 175,82 Zähler oder 1,7 Prozent auf 10.839 Punkte. Der breit angelegte Topix legte 15,70 Punkte oder 1,5 Prozent auf 1041 Zähler zu.
Gefragt waren die Aktien von Technologiewerten. Rohm verteuerten sich um 390 auf 17.600 Yen, TDK um 160 auf 6030 Yen und Advantest um 330 auf 7980 Yen. Auch die Papiere von Chip-Herstellern legten zu. Fujitsu gewannen sieben auf 856 Yen, NEC neun auf 875 Yen, Hitachi 15 auf 811 Yen und Toshiba 20 auf 501 Yen. Die Anteilsscheine von Sony kletterten um 60 auf 6480 Yen, die von Matsushita um 32 auf 1648 Yen.
Euro steigt im frühen Handel leicht
Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 9.20 Uhr 0,9455 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9426 Dollar festgelegt, nach 0,9478 Dollar am Freitag. Ein Dollar kostete damit 1,0609 (Freitag: 1,0551) Euro.
Der Euro habe sich trotz der Kursgewinne am US-Aktienmarkt gut halten können, sagte Sean Callow, Devisenexperte bei IDEAGlobal in New York. Dies sei ein gutes Zeichen für den Euro. Die Stimmung bleibe weiter gegen den Dollar gerichtet. Auch in Tokio behauptete sich der Kurs des Euro.