Börse am Vormittag Die Situation bleibt kritisch
Frankfurt am Main Der Dax gab am Vormittag 1,7 Prozent auf 4162 Zähler ab. Der Nemax 50 fiel um 2,4 Prozent auf 811 Punkte. Zwar haben die Zinssenkungen der Notenbanken gestern eine Verkaufspanik verhindert. Allerdings bleibt die Situation an den Märkten äußerst kritisch.
Die Aktie von Adidas gehörte gemeinsam mit Infineon zu den größten Verlierern im Index. Adidas will für etwa 75 Millionen Euro zehn Prozent der Anteile der zu gründenden FC Bayern AG übernehmen. Zunächst sei nach Angaben von adidas-Chef Herbert Hainer kein Börsengang geplant. Zu einem späteren Zeitpunkt sei dieser aber nicht ausgeschlossen.
Die Titel der Deutschen Telekom , der Versicherungskonzerne Allianz und Münchener Rück sowie der Post setzten am Dienstag Vormittag ihre Erholung fort. Sorgen, dass die US-Bürger ihre Autokäufe auf lange Zeit zurückstellen, belasteten dagegen erneut DaimlerChrysler , die einen Teil ihrer Vortagesgewinne wieder abgaben.
Die Unsicherheit über die weitere polititsche Entwicklung nach den angekündigten Vergeltungsschlägen der USA ist Gift für die Börse: Immer mehr Experten gehen davon aus, dass das Verbrauchervertrauen in den USA weiter abnehmen und das Land im vierten Quartal in eine Rezession rutschen wird.
Fluggesellschaften weiter unter Druck
Die Aktie der Lufthansa gehörte am Vormittag abermals zu den Verlierern. Hiobsbotschaften bei den Fluggesellschaften häufen sich. KLM erwartet einen Gesamtjahresverlust. Auch Sabena hat Alarm geschlagen. Die Fluggesellschaft US Airways will 11.000 Stellen streichen. Zumindest der Touristikkonzern Preussag konnte zuletzt seine Verluste reduzieren und tendierte um den Vortagesschluss.
Massenentlassungen bei Banken?
Nach Informationen der "Welt" steht in den Frankfurter Großbanken ein massiver Stellenabbau bevor, der weit über die bisherigen Pläne hinausgeht. Bei der Dresdner Bank zum Beispiel sollen nach der Übernahme durch die Allianz zusätzlich 1.300 Arbeitsplätze bis Ende 2003 gestrichen werden. Die Titel der Allianz legten minimal zu, während die Deutsche Bank rund zwei Prozent abgab.
SAP gibt trotz Oracle-Prognose nach
Der Softwarehersteller Oracle hat seine Prognose für das zweite Quartal 2001/2002 erneut bestätigt, die Aktie verlor gestern weniger als der Gesamtmarkt. Dennoch tendierte die Walldorfer Softwarefirma SAP am Dienstag erneut schwächer.
Neuer Markt: Hohe Umsätze bei Qiagen
Der Nemax 50 gab bei geringen Umsätzen weiter nach. Auf dem aktuellen Rekordtief-Niveau wollen zwar nur wenige verkaufen, aber noch weniger kaufen. Der Index müsse endlich einen Boden bilden, meinten Händler.
Die Aktien des Biotechnologie-Unternehmens Qiagen haben am Vormittag die höchsten Umsätze im Index ausgewiesen. Die Aktie büßte dabei ebenso wie ConSors deutlich ein. "Ein großer Käufer trifft auf einen großen Verkäufer", begründete ein Händler die hohen Umsätze. Die Aktie sei ein "qualitativ gutes Papier". Jedoch hat sie aufgrund der relativen Stärke und der recht hohen Bewertung in den vergangenen Tagen starke Verluste hinnehmen müssen.
Dow Jones erlebt größten Tagesverlust in seiner Geschichte
Massive Kursverluste bei Fluglinien, Reiseunternehmen und Versicherungen hatten gestern für den größten Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones gesorgt. Der Index gab am Montag um 7,1 Prozent (684 Punkte) auf 8920 Punkte nach, der Nasdaq Composite verlor 6,8 Prozent auf 1579 Zähler.
Notenbanken federn Kurssturz ab
Mit einer konzertierten Aktion haben jedoch die Notenbanken die Märkte gestützt: Die US-Notenbank, die EZB sowie die Notenbanken von Kanada, Schweden und der Schweiz senkten jeweils ihre Zinssätze.
Euro schwächer
Der Euro gab wieder nach. Er wurde am Vormittag mit 0,9215 Dollar gehandelt, nachdem er am Montag kurzzeitig die 93-Cent-Marke überschritten hatte. Die Europäische Zentralbank und die Fed hatten gestern die Zinsen um jeweils 50 Basispunkte gesekt. Heute werden außerdem die Verbraucherpreise für August in der Euro-Zone bekannt gegeben.