Börse am Vormittag: Die Stimmung wird immer schlechter - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Die Stimmung wird immer schlechter

Dicke Verluste bei Techwerten sowie Degussa und Fresenius Medical Care zwingen den Dax in die Knie. Aus den USA werden schwache Konjunkturdaten erwartet. Für Metabox sehen Investoren offenbar keine Zukunft mehr - die Aktie verliert mehr als 30 Prozent.
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Frankfurt am Main - Die Stimmung an den Aktienmärkten hat sich am Dienstagvormittag weiter eingetrübt. Die Spielverderber Degussa und Fresenius Medical Care haben ihre Gewinnprognosen nach unten revidiert. Auch Verluste bei Technologiewerten zogen die Standardwerte nach unten. Hier nahmen Anleger wie am Vortag weiter Gewinne mit. Überdies lasteten schwache Vorgaben der amerikanischen Börsen auf den Aktienindizes. Investoren in den USA sehen mit Skepsis den zahlreichen Konjunkturdaten in dieser Woche entgegen. Zudem wachse die Angst vor neuen Anschlägen. Der Dax rutschte bis 11.10 Uhr um 2,3 Prozent auf 4551 Zähler ab. Die Wachstumswerte im Nemax 50 bauten ihre Verluste auf 3,4 Prozent aus bei 1039 Zählern.

Trotz Degussa: Eon bekräftigt Prognose

Die dünne Gewinnerliste im Dax führten defensive Werten an. Ohne neue Nachrichten kletterten die Papiere der Deutsche Post   , von MAN   und Metro   zwischen einem halben und rund einem Prozent.

Die Aktien des Energiekonzern Eon   rückten um 0,53 Prozent auf 56,70 Euro vor. Eon will Anfang 2002 seine Beteiligung an der Ruhrgas AG durch Übernahme eines Vodafone-Pakets und damit sein Engagement im Gasgeschäft planmäßig ausdehnen. Für 850 Millionen Euro werde Eon den 23,6-Prozent-Anteil des Ruhrgas-Aktionärs Bergemann GmbH von Vodafone kaufen, was indirekt einem Anteil von 8,2 Prozent-Anteil an Ruhrgas entspreche, teilte der Konzern mit. Damit wird Eon mittelbar gut 37 Prozent an dem Essener Gasimporteur und -großhändler halten.

Ungeachtet einer Gewinnwarnung der Chemietochter Degussa, an der Eon nach eigenen Angaben knapp 65 Prozent hält, bekräftigte der Konzern seine Prognose, wonach das Betriebsergebnis in 2001 deutlich über Vorjahr liegen werde.

Mit der einzigen positiven Überraschung wartete vor Handelsbeginn Volkswagen   auf. Der Konzern hat seinen Gewinn im dritten Quartal deutlich stärker gesteigert als von Analysten erwartet und steuert ungeachtet der unsicheren Konjunktur auf ein weiteres Rekordergebnis zu. Offenbar zeigen sich die Investoren von den Zahlen allerdings wenig beeindruckt. Nach gutem Start notierte die Aktie zuletzt nur noch 0,30 Prozent über ihrem Vortagesniveau bei 42,40 Euro.

Der Medizintechnikkonzern Fresenius Medical Care   hat die Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr nach unten. Wie das Unternehmen mitteilte, wird statt eines 20-prozentigen Plus nur noch ein Zuwachs im unteren bis mittleren zweistelligen Bereich erwartet. Die Umsatzziel von plus 14 Prozent wurde indes bestätigt. FMC begründete die Prognoserevision mit Wertberichtigungen auf Forderungen, die auch das Neunmonatsergebnis beeinflusst hätten. Die Aktie verlor zuletzt rund fünf Prozent auf 78 Euro.

Auch der Spezialchemiekonzern Degussa   hatte vor Handelsbeginn eine Gewinnwarnung herausgegeben. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde unter dem Vorjahreswert liegen. Überdies teilte das Unternehmen mit, 1000 weitere Arbeitsplätze streichen und sechs Betriebe schließen zu wollen. Auch die Investitionen sollen drastisch gekürzt werden. Die Aktie gab um knapp sieben Prozent auf 26,34 Euro ab.

Nach den schwachen Vorgaben der US-Technologiebörse Nasdaq und in Erwartung schwacher US-Konjunkturdaten gingen die Anleger bei Technologiewerten auf Nummer sicher und steckten weiter die Kursgewinne der vergangenen Handelswochen ein. Siemens   , Epcos   verloren jeweils rund 4,70 Prozent. Infineon   rutschten um mehr als sieben Prozent auf 15,78 Euro ab und war damit schwächster Wert im Dax.

Am Neuen Markt bleibt es spannend. Das gilt insbesondere für die angeschlagene Metabox  , deren Aktionäre sich zur Hauptversammlung treffen. manager-magazin.de berichtet direkt vor Ort von der entscheidenden Sitzung. Die Aktionäre sollen unter anderem über eine rettende Kapitalerhöhung für das Multimedia-Unternehmen entscheiden. Sollten die Aktionäre nicht zustimmen, wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Mit Spannung wird erwartet, ob der Vorstand die dringend notwendigen sieben Millionen Mark rechtzeitig auftreiben konnte. Investoren scheinen daran nicht zu glauben: Zuletzt verlor die Aktie rund 35 Prozent auf 40 Euro-Cents.

Die im Nemax 50 notierte SAP Systems Integration   (SAP SI) hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres trotz schwierigen Marktumfelds Umsatz und Gewinn erhöht. Wie das Unternehmen am Dienstag in Dresden mitteilte, wurde der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um die Hälfte auf 194 Millionen Euro (379 Millionen Mark) gesteigert. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen stieg von Januar bis September um 69 Prozent auf 28,2 Millionen Euro. Damit wurde eine Profitrate von 14,5 Prozent erreicht. Die Aktie zog zuletzt noch 2,40 Prozent auf rund 18,60 Euro an und zählte damit zu den wenigen Gewinnern im Nemax 50.

Angst vor Konjunkturdaten lähmt US-Märkte

Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Montag deutlich im Minus geschlossen. Nach dem mittlerweile fünf Wochen andauernden Anstieg, der lediglich von kurzen Konsolidierungsphasen unterbrochen war, haben die Anleger in Erwartung schwacher US-Konjunkturdaten in dieser Woche bei vielen Aktien die Kursgewinne mitgenommen. Der Dow Jones schloss 2,9 Prozent leichter bei 9269 Punkten. Der Nasdaq Composite beendete den Handel ebenfalls auf Tagestief bei 1699 Zählern: ein Minus von 3,9 Prozent.

Den Markt beschleiche die Angst, dass die Talfahrt der US-Wirtschaft länger andauern könnte als erwartet, hieß es in New York. Von den US-Konjunkturdaten in dieser Woche erwarten die Anleger wenig Gutes. Die Daten für das Verbrauchervertrauen im Monat Oktober stehen heute gegen 16 Uhr (MEZ) zur Veröffentlichung an. Am Mittwoch folgt der Chicago Einkaufsmanagerindex (Oktober). Die Zahlen zu den Konsumausgaben und persönlichen Einkommen für den September werden am Donnerstag veröffentlicht. Am Freitag dann folgen die Arbeitsmarktdaten für Oktober und die Auftragseingänge der Industrie für den Monat September.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss leichter. Der Nikkei gab 0,9 Prozent auf oder knapp 100 Zähler auf 10.512 Punkte ab.