Börse am Vormittag: Die Unsicherheit bleibt - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Die Unsicherheit bleibt

Bei niedrigen Umsätzen legen die deutschen Aktienmärkte deutlich zu. Die Lufthansa und die Versicherungswerte erholen sich wieder nach der Talfahrt vom Vortag.
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Frankfurt am Main - Trotz massiver Kritik von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse am Mittwoch wie gewohnt den Handel aufgenommen. Ausgesetzt waren nur die US-Aktien, die in Frankfurt normalerweise gehandelt werden.

Händler monierten, dass ohne die Vorgaben der Leitbörsen in den USA nur schwer vernünftige Preise festzustellen sei. In den USA wurde der Börsenhandel nach den Terrorangriffen bis auf weiteres ausgesetzt. Der Dax kletterte nach einer schwachen Eröffnung ins Plus und legte bis 11 Uhr rund 1,6 Prozent auf 4342 Punkte zu. Am Neuen Markt stieg der Nemax 50 um zwei Prozent auf 857 Punkte. Im frühen Handel hatte der Auswahlindex noch die 800-Punkte-Marke nach unten durchbrochen.

Im gestrigen Handel verlor der Dax vorübergehend bis zu zwölf Prozent. Damit hatten die Terroranschläge in den USA für die größten Abgaben seit dem "Mini-Crash" an den Weltbörsen vom 16. Oktober 1989 geführt. Am 16. Oktober 1989 hatte der Deutsche Aktienindex 203,21 Punkte oder 12,78 Prozent eingebüßt.

Nach den kräftigen Vortagesverlusten haben sich die Aktien der Münchner Rück   und Allianz   am Mittwoch wieder leicht erholt. Das Papier der Münchner Rück gewann 2,6 Prozent auf 236,50 Euro, die Allianz-Titel stiegen um 3,8 Prozent auf 235,56 Euro. Eine Sprecherin der Münchener Rück hatte am Morgen gesagt, ihr Konzern rechne mit hohen finanziellen Belastungen nach der Anschlagserie von Dienstag. Durch Rückstellungen und eine gute Eigenkapitalausstattung sei aber Vorsorge getroffen und die Finanzkraft des Konzerns "nicht in Frage gestellt". Ein Händler der DZ Bank bezeichnete diese Aussage als "Beruhigungspille". Momentan wüssten weder Händler noch Analysten, welcher Konzern welche Werte versichert haben. Sie müssten sich erst noch informieren. Einige Mutige hätten aber offenbar in die fallenden Kurse der Versicherer hereingekauft. Sie wollten offenbar die Gelegenheit nutzen, sich mit den momentan günstigen Titeln einzudecken.

Ebenfalls auf Erholungskurs befand sich die Aktie der Lufthansa   , die mit einem Kursaufschlag von über sechs Prozent auf 13,80 Euro die Gewinnerliste im Dax anführte. Am Dienstag wurde das Papier stark belastet. Händler befürchteten hohe Kosten für die Airline durch steigende Ölpreise und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen.

Der Touristik-Konzern Preussag   setzte hingegen auch am Mittwoch seine Talfahrt fort und verlor 2,2 Prozent auf 29 Euro. Touristikunternehmen wie Preussag müssten möglicherweise mit Stornierungen von Reisen rechnen, hieß es. Am gestrigen Dienstag wurde bekannt, dass der Konzern die Pauschalreisen der Tochter TUI in die USA für die nächsten drei Tage nach der dortigen Terror-Serie stoppt.

Nemax 50 kurzfristig unter 800 Punkten

Der Neue Markt ist im frühen Handel dramatisch eingebrochen, im weiteren Verlauf stabilisierte sich die Situation aber wieder. Am Morgen wurde ein Allzeittief von 790,74 Punkten gemessen. "Wir sind bestrebt, jetzt Ruhe in den Markt zu bringen", sagte ein Händler. Andere Händler berichteten von einer Absprache der Großbanken, die Situation zu beruhigen. Die Lage sei derzeit überhaupt nicht einzuschätzen, hieß es.

Die beiden größten Gewinner im Auswahlindex Nemax 50 waren die beiden Pennystocks von Fantastic   und Kinowelt   . Deutlich unter Druck standen Comdirect   und Constantin   .

Herbe Verluste in Tokio

Nach den Terroranschlägen in den USA hat die Börse in Tokio mit deutlichen Kursverlusten geschlossen. Der Nikkei-Index fiel am Mittwoch um über 680 Punkte auf 9610 Zähler, ein Minus von rund 6,6 Prozent. Die Börse hatte den Handel wegen der Anschläge mit halbstündiger Verspätung eröffnet. Der japanische Finanzminister Masajuro Shiokawa erklärte, er rechne mit negativen Auswirkungen der Attentate auf die gesamte Weltwirtschaft. Die wichtigsten Wirtschaftsnationen müssten zusammenstehen, um die "Auswirkungen der Tragödie" zu überwinden.

An der Börse in Hongkong fiel der Hang Seng kurz nach Eröffnung bereits um über sieben Prozent auf 9659 Zähler. "Was wir hier sehen, sind Panikverkäufe, allerdings nicht in so großem Ausmaß, wie ich erwartet hatte", sagte Alex Wong, Leiter der Analyse-Abteilung der OSK Asia Securities. Aufgrund der Terroranschläge hatten die Börsen in Taiwan, Thailand und Malaysia geschlossen.

Euro unter die Marke von 91 Cent gefallen

Der Euro ist am Mittwoch wieder unter die 0,91-Dollar-Marke gefallen. Gegen 11 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9045 Dollar. Am Vortag schnellte die europäische Gemeinschaftswährung nach den Terrorangriffen auf die USA sprunghaft nach oben.

Nach der Ankündigung des japanischen Finanzministers Masajuro Shiokawa, geeignete Maßnahmen zu ergreifen - auch Interventionen -, wenn an den Devisenmärkten die scharfen Reaktionen anhielten und die Märkte nicht zur Normalität zurückkehrten, hat sich der Dollar etwas erholt. Shiokawa hat eigenen Anagaben zufolge ein zehnminütiges Telefonat mit dem US-Finanzminister Paul O'Neill nach den Anschlägen geführt.