Börse am Vormittag: Gauss Interprise im Höhenrausch - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Gauss Interprise im Höhenrausch

Die Gewinner im Dax lassen sich an einer Hand abzählen. Am Neuen Markt treiben Spekulanten den Kurs von Gauss Interprise in die Höhe. Auch die Papiere von EM.TV profitieren von neuen Gerüchten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte notieren am Vormittag schwach. Der Dax verlor 0,4 Prozent. Die Wachstumswerte im Nemax-50 standen mit 2,9 Prozent im roten Bereich. Nach den schwachen Vorgaben der US-Technologiebörse Nasdaq, die mit einem Minus von 4,4 Prozent aus dem Handel gegangen war, darf das im Moment nicht verwundern.

Den Dax führten die Papiere von Fresenius Medical Care mit Aufschlägen von 1,48 Prozent an. Es folgten BMW, Münchener Rück, E.ON und Commerzbank mit einem Plus zwischen 1,21 Prozent und 0,42 Prozent. Die Commerzbank wird heute Nachmittag ihre Zahlen vorlegen.

Schwach notierten die Papiere von Adidas, die zwar einen Teil ihrer Verluste vom Handelsstart wieder wett machen konnten. Zuletzt standen die Papiere aber noch mit 1,24 Prozent im Minus.

Europas größter Sportartikelhersteller hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 einen Gewinneinbruch von 20 Prozent verbucht. Der Jahresüberschuss sank nach vorläufigen Zahlen auf 358 Millionen Mark (182 Millionen Euro). Grund dafür sei das 75 Millionen Mark teure Wachstums- und Effizienzprogramm. Der Gewinnrückgang entspreche den Erwartungen. Der Umsatz stieg durch bessere Geschäfte mit allen Marken auf den Rekordwert von 11,4 Milliarden Mark.

Den Anlegern hingegen gefallen die Zahlen nicht. Vor allem wird Kritik an dem Effizienzprogramm geübt. Sie verkaufen das Papier. Zugleich beschleicht die Investoren weiter die wenig rosige Perspektive, dass der Wert aus dem Dax fliegt und für die Post das Feld räumen muss. Damit ist der Wert vor allem für die institutionellen Investoren weniger interessant. Hier setzt sich die Entwicklaung vom Ende der vergangenen Woche fort.

Nach den schlechten Vorgaben der Nasdaq notieren die Technologiewerte schwach. SAP steht mit 2,13 Prozent im Minus. Infineon verlieren 1,60 Prozent. Die Anteilsscheine von Epcos notieren 1,12 Prozent schwächer. Die Papiere des Mutterkonzerns Siemens stehen mit rund einem Prozent im roten Bereich.

Die Papiere der Lufthansa leiden derzeit unter den angespannten Verhandlungen der Piloten mit dem Arbeitgeber. "Unsere Forderungen werden das sprengen, was bislang vorstellbar war", verlautete aus Verhandlungskreisen. Das Papier der Kranich-Linie gab um 1,73 Prozent auf 25,50 Euro nach.

Die Aktie der Deutsche Börse ist mit Schwung in den ersten Handelstag gestartet. Der erste Kurs wurde bei 362 Euro festgestellt und lag damit deutlich über dem Ausgabepreis von 335 Euro (653,25 Mark). Die Aktie beschert den überwiegend institutionellen Investoren also deutlich Zeichnungsgewinne. Gegen 10.15 Uhr wechselten die Papiere mit knapp 359 Euro ihren Besitzer.

Bei den Wachstumswerten im Nemax-50 sah es zappenduster aus. Lediglich vier Werte standen im grünen Bereich. Gegen den negativen Trend stemmten sich die Aktien von Gauss Interprise und EM.TV: Gauss hatte erst am Morgen eine Kapitalerhöhung um rund 6,5 Millionen Euro angekündigt, um "die angestrebten hohen Wachstumsraten sowie die Erreichung des operativen Break-even im vierten Quartal 2001 abzusichern."

Die Wochenzeitung "Euro am Sonntag" hatte berichtet, dass der Softwarehersteller einen neuen Geldgeber sucht. Laut Analystenschätzungen "verbrennt" Gauss rund 3 Mllionen Euro pro Quartal. Die Aktie verbesserte sich zuletzt 32,62 Prozent auf 3,74 Euro.

Beim Münchner Filmrechtehändler EM.TV war am Wochenende bekannt geworden, dass bei den Verhandlungen zwischen der KirchGruppe und dem krisengeschüttelten Medienkonzern offenbar die entscheidende Phase erreicht ist. Die "Welt am Sonntag" hatte berichtet, dass eine Einigung bis Ende Februar wahrscheinlich sei. Lohn der Anleger war ein Plus von zuletzt 3,91 Prozent auf 8,24 Euro.