Börse am Vormittag Hightechtitel unter Druck
Frankfurt am Main Der Dax rutschte am Vormittag 0,5 Prozent in die Verlustzone und notierte bei 6024 Zählern. Der Nemax All Share gab 1,4 Prozent auf 1435 Punkte nach, der Nemax 50 rutschte um 1,6 Prozent auf 1355 Punkte ab.
Die Umsätze sind gering, die Stimmung ist gedämpft. Technologietitel gerieten im Verlauf des Vormittags immer stärker unter Druck. Zumindest die Aktien der Autohersteller erwischten am Mittwoch einen guten Start. Sie profitierten weiterhin von gestiegenen Zulassungszahlen in Frankreich und in den USA und erscheinen vielen Anlegern angesichts der Tech-Schwäche wieder attraktiv.
BMW war mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 40,30 Euro am Vormittag Spitzenreiter im Dax. Die Anteile von DaimlerChrysler stiegen um 0,6 Prozent auf 55,66 Euro. Volkswagen notierte 0,8 Prozent fester bei 56,22 Euro. Hoffnungen, dass nach sechs Zinssenkungen der US-Notenbank der Konjunkturmotor in den USA wieder anspringt, lassen die Autoaktien in der Anlegergunst wieder steigen.
Die Aktien von Henkel kletterten um 1,8 Prozent auf 69,95 Euro. Der Verkauf der Chemiesparte Cognis könnte nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" unmittelbar bevorstehen. Der Käufer werde "in kurzer Frist" bekannt gegeben, meldet das Blatt unter Berufung auf Bankenkreise. Als aussichtsreichster Kandidat gelte Schroder Ventures.
RWE setzte mit 1,1 Prozent Zuwachs auf 46,94 Euro seine Klettertour fort. RWE hatte am Dienstag sein Jahresergebnis vorgestellt und einen Umsatzanstieg um 29 Prozent auf 62 Milliarden Euro bekannt gegeben. Weiterhin fest notierte auch MAN mit einem Plus von 1,8 Prozent und 26,15 Euro.
Finanztitel behauptet
Finanztitel starteten behauptet. Insbesondere die Aktien der Allianz (plus 0,7 Prozent auf 338,45 Euro) hatten gestern unter Gerüchten gelitten, das Finanzministerium werde die geplante Steuerbefreiung bei Veräußerung von Kapitalbeteiligungen teilweise durch eine neue Gewerbesteuer aufweichen. Das Ministerium hat dieses Vorhaben jedoch dementiert. Lediglich die Commerzbank (minus 2,5 Prozent auf 29,14 Euro geriet unter Abgabedruck.
Technologiewerte unter Druck
Verlierer am Vormittag waren die T-Aktie (minus 1,8 Prozent auf 26,60 Euro), Siemens (minus 1,5 Prozent auf 72,54 Euro) und der Chiphersteller Infineon, der knapp drei Prozent auf 28,35 Euro abgab. Siemens will 310 Millionen Dollar in Asien investieren. Auch SAP gab erneut zwei Prozent auf 153 Euro nach.
Gewinnwarnungen der Technologieunternehmen Broadvision, i2 Technologies und Epiphany hatten Hightechwerte bereits gestern weltweit belastet. Spannend wird die Frage, ob sich SAP von der Kursschwäche kurzfristig erholen kann: Der Softwarehersteller hält trotz der Gewinnwarnungen der Konkurrenz an seinen Prognosen fest. Heute erläutert US-Konkurrent Oracle während einer Bilanzpressekonferenz seine Zahlen.
Neuer Markt fällt weiter
Der Nemax 50, der gestern mit einem Minus von vier Prozent auf 1377 Zähler gestürzt ist, hat wenig Chancen auf eine nachhaltige Erholung: Zu groß ist der Vertrauensverlust bei den Anlegern. Nach Kabel New Media hat auch Infomatec das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Neuling Brainlab, Spezialist für medizinische Softwarelösungen, hat den geplanten Börsengang an den Neuen Markt in letzter Sekunde abgeblasen.
Gewinner zum Handelsauftakt waren am Mittwoch Heyde, Morphosys und Lion Bioscience, die zwischen zwei und vier Prozent zulegten. Die Biotech-Firma MorphoSys meldete die Verlängerung der Zusammenarbeit mit Bayer um weitere vier Jahre. Gleichzeitig gab Morphosys jedoch einen Patentstreit mit dem amerikanischen Mitbewerber Applied Molecular Evolution bekannt.
Philips will Teil von Marconi
Marconi sind am Mittwoch auf Wunsch des Konzerns vom Handel an der Londoner Börse ausgesetzt worden. Das Unternehmen will eine Stellungnahme zum ersten Quartal sowie zu den Erwartungen für das Gesamtjahr abgeben. Zuvor hatte der niederländische Konzern Philips angekündigt, das Medical System-Geschäft von Marconi für 1,1 Milliarden Dollar kaufen zu wollen.
Zinsen: Wim wankt nicht
Die EU-Kommission hat die geplante Fusion von Honeywell und General Electric verboten. Die Konjunkturdaten für die Eurozone sind alles andere als berauschend, doch im Gegensatz zur US-Notenbank starren die Eurobanker weiter auf die Preisstabilität und sehen für Zinssenkungen keinen Anlass.
Der Euro hat am Mittwoch wegen der schwindenden Hoffnung auf eine Zinssenkung weiter nachgegeben. Am Vormittag notierte die Gemeinschaftswährung mit 0,8451 Dollar. EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte am Dienstag gesagt, er habe keine neuen Informationen, die eine Leitzinsänderung rechtfertigten.