Börse am Vormittag Hightechwerte im Plus
Frankfurt am Main Der letzte Handelstag in dieser Woche beginnt ruhig. Große Umsätze sind vor dem langen Wochenende wohl nicht zu erwarten. Der Dax startete im Plus, drehte bis 9.50 Uhr dann allerdings leicht ins Minus. Die Marke von 6000 Punkten erweist sich als Widerstand. Es bleibt fraglich, ob die Investoren kurz vor Ostern mit weiteren Anschlusskäufen den Index für die Blue Chips über diese Hürde heben können. Der Nemax 50 stand zuletzt mit 1,2 Prozent im Plus.
Die Softwareschmiede SAP will mit NTT Docomo zusammenarbeiten und gehört zu den Gewinnern im Dax. Bei der Kooperation soll es um die Übertragung von Unternehmensdaten zur Mobiltelefonie gehen. Hier wollen die beiden Unternehmen einen neuen Standard entwickeln. Die Aktie legte zu Handelsbeginn zwei Prozent zu, gab dann aber wieder leicht auf plus 0,4 Prozent bei 137 Euro nach.
Zu den Gewinnern gehörten auch Epcos (plus 1,4 Prozent) und die T-Aktie mit einem Kursaufschlag von rund einem Prozent bei 28,70 Euro. Hier könnte sich die gestern angekündigte Neuordnung des Vorstandes seine Wirkung zeigen. Die Aktien der Deutschen Post rutschten wieder leicht ins Minus mit 0,2 Prozent auf 18,46 Euro. Die Aktie Gelb war gestern mit Abschlägen von mehr als drei Prozent als schwächster Titel aus dem Handel gegangen.
Unter Verkaufsdruck standen die Aktien des Neue-Markt-Unternehmens BB Biotech mit Kursabschlägen von rund 2,5 Prozent auf 74 Euro. Die schweizerische Beteiligungsgesellschaft ist mit einem Verlust ins neue Jahr gestartet. Nachdem der Gewinn bereits im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen war, verzeichnete das Unternehmen im ersten Quartal 2001 einen Verlust von 1,39 Milliarden Schweizer Franken (1,78 Milliarden Mark).
Wie die Gesellschaft am Donnerstag vor Handelsbeginne mitteilte, ist im ersten Quartal 2000 noch ein Gewinn von 0,74 Milliarden Schweizer Franken (0,96 Milliarden Mark) erzielt worden. Zum Jahresbeginn hatte sich die Gesellschaft äußerst optimistisch geäußert und von einem möglichen Rekordjahr gesprochen, da viele Biotechnologieunternehmen neue Medikamente auf den Markt bringen würden.
Die Gewinner des Vortages setzten ihren Aufschwung am Gründonnerstag nahtlos fort. Kinowelt Medien legten 9,6 Prozent auf 7,80 Euro zu, nachdem sie bereits am Mittwoch um 29,27 Prozent empor geschossen waren. Trotz des Gewinneinbruchs sei die Stimmung für den Titel sehr gut, sagte ein Börsianer: "Einmalige Belastungen sind schnell vergessen, wenn der Ausblick bessere Zeiten verspricht". Auch die Aktien von Pixelpark wurden nachgekauft und führten mit Kursaufschlägen von weiteren 36 Prozent auf 8,94 Euro die Gewinnerliste im Nemax 50 an. Zwei institutionelle Anleger hatten gestern den arg geschundenen Wert groß eingekauft und für ein Kursplus von mehr als 60 Prozent gesorgt.
Aktien der Mediengruppe IN-motion reagierten auf die am Morgen angekündigte Kooperation mit der Red Bull Sauber AG zur Vermarktung von Musikern mit einem Kursaufschlag von 14 Prozent auf 22,80 Euro. Ferner sieht die Zusammenarbeit die Herstellung von DVDs und Videokassetten mit Inhalten rund um den Formel-Eins-Rennstall vor. Wegen der Popularität der Formel Eins sieht IN-motion ein erhebliches Umsatz- und Wachstumspotenzial.
Der EDV-Dienstleister Bechtle erlebte nach dem Kauf der Madrilener Action Computer Supplies nur eine verhaltene Reaktion auf dem Parkett. Mit einem Plus von 1,22 Prozent auf 9,10 Euro blieb der Kursgewinn unter dem Marktdurchschnitt. Mit der Akquisition sei Bechtle künftig in neun europäischen Staaten vertreten.
"Der Markt will nach oben"
EZB-Chef Wim Duisenberg wollte den deutschen Aktienmärkten keine österliche Vorfreude bereiten. Trotz allen Drucks: Er bleibt der Chef im Ring und ließ die Leitzinsen unverändert. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", lautete die Devise bei den Investoren, die sich auf die nächste Sitzung des EZB-Rates in zwei Wochen vertrösteten. Dann sollten es ihrer Ansicht nach allerdings schon 50 Basispunkte sein. Dass Dax und Nemax 50 gestern trotzdem im Plus schlossen, spricht für die Stärke der Märkte, die nach einhelliger Meinung "jetzt nach oben wollen", heißt es.
Trotzdem bleibt die 6000-Punkte-Linie die Marke, unter die der Dax nicht dauerhaft fallen dürfte, um weiter nach oben streben zu können. Zugleich bleiben die deutschen Aktien weiter von der Entwicklung in den USA abhängig. Sollte etwa der Dow Jones seinen positiven Trend der vergangenen Wochen verlassen, könnte aus Sicht der Charttechniker das zarte Pflänzchen Aufwärtstrend beim Dax schnell wieder verblühen.
Wie wackelig die Situation in den USA ist, zeigen jüngste Schätzungen des Marktforschungs-Unternehmens First Call. Nach einer Untersuchung fielen die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 im ersten Quartal durchschnittlich um knapp neun Prozent. Für das zweite Quartal erwartet First Call, das regelmäßig Umfragen unter Analysten durchführt, ein Minus von 7,1 Prozent. Erst im dritten Quartal sollen die Erträge um etwa ein Prozent klettern. Für das letzte Quartal des Jahres erwartet First Call ein Plus von immerhin 12,1 Prozent.
Das Haar, das die Experten uns in die Suppe legen, sind ihre Prognosen für den Technologiesektor. Für das erste Quartal wird ein Gewinnrückgang um 37 Prozent vorhergesagt. Im zweiten Quartal soll das Minus 36 Prozent betragen, dann 25 Prozent. In den letzten drei Monaten des Jahres soll der durchschnittliche Ertrag ein Prozent unter dem Vorjahr liegen.
Einen aktuellen Beleg für diese Einschätzung lieferte gestern nach Börsenschluss Yahoo. Der Internetriese senkte seine Prognose für das zweite Quartal auf 2 bis 6 Cents je Aktie. Die Analysten waren von 6 Cents ausgegangen. Zugleich kündigte Yahoo an, 12 Prozent seiner 3500 Beschäftigten zu kündigen, um die Kosten zu senken.
Gleichwohl tendierten die Technologiewerte am Mittwoch in New York insgesamt fester. Die Nasdaq konnte seit vergangenem Donnerstag insgesamt rund 17 Prozent zulegen und ging gestern mit einem Plus von 2,5 Prozent bei 1899 Zählern aus dem Handel. Auch die Technologiewerte im Dow Jones zeigten sich fester, konnten aber nicht verhindern, dass der Index sich zum Handelsschluss um 0,9 Prozent schwächer bei 10.013 Punkten zeigte.
Die aisatische Leitbörse in Tokio hat sich am Donnerstag weiter erholt. Der Nikkei-Index stieg um 177 auf 13.352 Punkte. Zu den Gewinnern gehörten vor allem Werte von Halbleiterherstellern, darunter Advantest, Tokyo Electron und Kyocera. Auch die Elektronikriesen Sony, NEC und Fujitsu wurden höher bewertet.