Börse am Vormittag Infineon startet durch
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte haben am Vormittag nach einem unerwartet festen Start ihre Zugewinne ausgebaut. Der Dax stand gegen elf Uhr mit 1,0 Prozent im Plus bei 5035 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax 50 kletterten auf plus 1,1 Prozent bei 1226 Punkten.
Lufthansa -Aktien sicherten sich mit einem Plus 4,5 Prozent auf 14,91 Euro den Spitzenplatz im Dax. Das US-Investmenthaus Merril Lynch hat die Aktie von "Accumulate" auf "Buy" heraufgestuft.
Unter den Technologiewerten konnten Infineon ihren guten Vortageskurs fortsetzen und kletterten um 4,20 Prozent auf 23,33 Euro. "Gestern liefen die Werte der beiden Konkurrenten Micron und Hynix schon gut", betonte ein Händler in Frankfurt. Ein Hamburger Kursmakler wies darauf hin, dass auch Infineon nun gute Aussichten habe, unproduktive Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen. Weil im Speicherchip-Markt weltweit Verluste geschrieben werden, befänden sich die Münchner selbst in Gesprächen mit Toshiba über eine Zusammenarbeit.
Auch SAP legten rund drei Prozent auf 144,30 Euro zu. Epcos und Siemens zeigten ebenfalls fester mit Kursaufschlägen von zwei beziehungsweise 1,3 Prozent.
Nach den Kursverlusten am Vortag befand sich die Aktie der Deutschen Telekom auf Erholungskurs. Die T-Aktie stieg um 1,5 Prozent auf 19,14 Euro. "Die Aktie ist superbillig geworden", meinte ein Händler.
Aktien der Automobilkonzerne Volkswagen , BMW und DaimlerChrysler konnten von ihren guten US-Absatzzahlen für den Monat November nicht profitieren. Volkswagen und BMW zeigten sich nahezu unverändert. DaimlerChrysler dagegen fielen 1,6 Prozent auf 46,25 Euro ab, was Händler auf Absatzprobleme der US-Tochter Chrysler zurückführten. Belastend könnte sich auf den Kurs von DaimlerChrysler auch auswirken, dass sich der Jeep Liberty bei einer Testfahrt in den USA überschlagen haben soll. Nach verschiedenen Presseberichten drohe damit dem Konzern womöglich ein neues Elchtest-Debakel.
Volkswagen steigerte seinen US-Absatz im November um 3,3 Prozent auf 27.465 Fahrzeuge. BMW verkaufte mit 18.107 Wagen 3,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Mercedes-Benz wies ein Absatzplus von 11,4 Prozent auf 18.014 Einheiten aus. Geringere Absatzzahlen präsentierten dagegen Chrysler mit einem Minus von 5,8 Prozent auf 173.361 Fahrzeuge, Porsche mit einem Rückgang von drei Prozent auf 1851 Wagen und Audi mit einem Minus von 4,5 Prozent auf 6263 Fahrzeuge.
Am Neuen Markt führten die Papiere von Evotec die Gewinnerliste mit einem Kursplus von knapp sechs Prozent auf 12,59 Euro an. Das Papier hatte bereits gestern mehr als zehn Prozent hinzugewonnen, nachdem es eine Kooperation mit dem Pharmakonzern Merck gekannt gegeben hatte.
Stärkster Wert am gesamten Neuen Markt waren die Aktien von Kleindienst Datentechnik die um mehr als 25 Prozent auf knapp vier Euro kletterten. Der Programmierer von Dokumenten-Verwaltungs-Systemen trennte sich von dem Verlustbringer Datasec, der das Geschäftsergebnis der ersten neun Monate mit 4,3 Millionen Euro belastet hatte.
Schwache Vorgaben aus den USA
Die Vorgaben für den Handelstag am Dienstag sind bescheiden. Gute Konjunkturdaten haben die amerikanischen Börsen nicht beflügeln können. Die drohende Pleite des US-Energiekonzerns Enron ließ Finanzwerte nachgeben, da Investoren um platzende Kredite fürchteten. In den USA will Enron 4000 Stellen streichen. Auch 5000 Jobs in Europa sind in Gefahr. Vor diesem Hintergrund beschäftigte Anleger die bange Frage, wie viele Pleiten von Konzernen möglicherweise auch der Old Economy noch bevorstehen könnten.
Bei Technologiewerten hielten sich die Anleger zurück. Sie erwarten gegen Mitte der Woche neue Nachrichten von den Schwergewichten Sun Microsystems und Cisco Systems. Der Dow Jones schloss 0,9 Prozent schwächer auf 9763 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq gab 1,3 Prozent auf 1904 Zähler nach.
Japans Banken bangen um Kredite
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss fester. Der Nikkei legte 0,8 Prozent zu auf 10.452 Zähler. Als hätten die Banken in Japan nicht schon genug Probleme mit riskanten Unternehmenskrediten, gerieten die Titel der Kreditinstitute angesichts der Enron-Pleite zusätzlich unter Druck. Nahezu alle größeren Banken in Japan haben Ausstände bei Enron von jeweils bis zu 200 Millionen Dollar.