Börse am Vormittag Konservative stützen Dax
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte setzten ihren Trend vom Freitag vergangener Woche mit Abschlägen vor allem bei Dax-Technologietiteln fort. Konservative Werte waren wie am vergangenen Freitag gefragt. Bis 11 Uhr gab der Dax 1,1 Prozent auf 6064 Zähler nach. Die Wachstumswerte im Nemax 50 fingen sich nach einem schwachen Auftakt wieder ein wenig und notierten zuletzt noch mit 0,3 Prozent bei 1680 Punkten im Minus. Händler sprachen von geringen Umsätzen.
Konjunktur in Deutschland kühlt weiter ab
Die Aktienmärkte reagierten damit kaum auf den am Vormittag veröffentlichten ifo-Geschäftsklima-Index. Demnach hat der Index für Westdeutschland im März gegenüber dem Vormonat von 94,9 auf 93,9 Punkte nachgelassen. Für Ostdeutschland ergibt sich im Monatsvergleich ein Rückgang von 106,5 auf 104,6. Das teilte das ifo-Institut am Montag in München mit.
In der alten Bundesrepublik erreichte der Wert damit einen Jahrestiefststand: vor zwölf Monaten betrug er 100,7. In Ostdeutschland wies er in den Monaten September und Oktober 2000 mit 103,8 Punkten die niedrigsten Werte innerhalb eines Jahres auf.
Konservative Werte vorn
Zu den Gewinnern im Dax zählten ThyssenKrupp (plus 1,26 Prozent) und MAN (plus 0,86 Prozent), auch der Maschinenbauer Linde (plus 0,54 Prozent). Die Konzerne sind ab heute auf der Hannover Messe vertreten.
Der Stahlkonzern ThyssenKrupp führt nach eigenen Angaben Gespräche über eine mögliche globale strategische Kooperation mit den beiden japanischen Stahlunternehmen Kawasaki Steel Corp und NKK. Die Gespräche basierten auf dem bisherigen Gedankenaustausch der Tochter ThyssenKrupp Stahl mit NKK hinsichtlich der Zusammenarbeit bei Feinblechen für die Autoindustrie.
Am Ende des Barometers standen vor allem Technologiewerte. Epcos verbilligten sich um knapp 2,6 Prozent. Infineon verloren rund 2,2 Prozent. Die T-Aktie gab um 1,7 Prozent auf 28,94 Euro nach. Der Konzern legt am Dienstag ebenso Zahlen vor wie Infineon. Die Abschläge bei Siemens hielten sich mit 0,8 Prozent bei 126,5 Euro noch im Rahmen. SAP zeigten sich um 1,64 Prozent schwächer bei 162,40 Euro.
Die Abschläge bei der T-Aktie versuchten Händler auch mit der Tatsache zu erklären, dass der US-Konzern World Access in den USA Klage gegen den ehemaligen Monopolisten eingereicht hatte. Das zeitweise Kappen der Verbindung zwischen Telekom und Teldafax habe gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen, so der Vorwurf.
Neuer Markt: Grenzen bereits erreicht?
Vor einem mäßig gefüllten Orderbuch sah sich zum Wochenbeginn ein Händler einer Frankfurter Großbank. Besonders beim Neuen Markt sah er "genug Verkaufsinteresse" bei höheren Kursen: "Ich glaube nicht, dass der heute aus dem Keller kommt." Ende vergangener Woche seien die Indizes aus charttechnischer Sicht an Grenzen gestoßen. Er rechne deshalb mit einer Korrektur, ohne deren Dauer bereits abschätzen zu können. Eine zusätzliche Belastung der Stimmung durch die zukünftige Entwicklung des europäischen Wirtschaftsraums schloss er nicht aus.
Am Neuen Markt legten die Aktien von Comroadum mehr als 15 Prozent auf knapp 12,48 Euro zu und beendeten damit vorerst ihre Talfahrt vom Freitag. Der Anbieter von Telematik-Netzwerken hat seine Beteiligung an der US-amerikanischen InfoMove von 12 Prozent auf mehr als 25 Prozent aufgestockt. Dadurch soll die Position im US-Markt gestärkt werden, der laut einer Studie der UBS Warburg bis 2010 auf 21,7 Milliarden Dollar anschwellen soll.
Um rund 5,1 Prozent auf 30,45 Euro stiegen die Anteilsscheine der D.Logistics AG. Das Unternehmen hatte am Morgen mitgeteilt, dass es die Cargo Service Center (CSC), eine Tochter der KLM Royal Dutch Airlines, rückwirkend zum 1. Januar 2001 übernehmen wird. Die Finanzierung der Akquisition erfolge über die Veräußerung von Immobilienvermögen der CSC. Außerdem sei ein Kredit aufgenommen worden, für den rund drei Millionen Aktien des Hauptaktionärs D.W. Hübner als Sicherheit dienten.
Schlechte Nachrichten von Refugium und Team
Die Aktie von Refugium verloren rund 20 Prozent ihres Wertes auf 1,39 Euro. Nach Presseberichten reicht das Geld bei dem angeschlagenen Altenheimbetreiber noch gerade acht Wochen. Refugium brauche mindesten 20 bis 30 Millionen, sonst drohe die Pleite.
Team Communications gaben um mehr als 21 Prozent auf schlappe 0,97 Euro nach. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen hat einer unabhängigen Prüfung zufolge im Geschäftsjahr 2000 einen Verlust von rund 42,7 Millionen Dollar eingefahren. Im Vorjahr habe der Jahresfehlbetrag noch bei korrigierten rund 4,3 Millionen Dollar gelegen, teilte das Unternehmen in Los Angeles mit. Gleichzeitig sei der Umsatz von etwa 13,6 Millionen Dollar auf rund 14,9 Millionen Dollar gestiegen.
Mit einem Plus von rund 63 Prozent auf 1,64 Euro regierte die Börse auf die Nachricht von NSE Software, mit Robert Trögele einen neuen Vorstandsvorsitzenden gefunden zu haben. Trögele soll den angeschlagenen Münchner Finanzdienstleister gemeinsam mit den Vorständen Manfred Schmaderer und Petr Vaclavek leiten.
Ebenfalls im Plus die Micrologica AG. Die Aktie verteuerte sich um 12 Prozent auf 0,76 Euro. Nach der Einleitung eines Insolvenzverfahrens soll das rentable Kerngeschäft an die tenovis GmbH und Co. KG verkauft werden. Händlern zufolge würden vor allem "Zocker" nun die Aktien kaufen und verkaufen.