Börse am Vormittag Kriechgang statt Endspurt
Frankfurt am Main - Während die Standardwerte am Vormittag ihre Gewinne halten konnten, rutschten die Wachstumswerte am Neuen Markt weiter ab. Der Dax stand gegen 11.30 Uhr mit einem Zuwachs von 0,7 Prozent bei 5153 Zählern. Der Nemax 50 fiel um 0,1 Prozent auf 1145 Zähler ab.
Die Kursgewinne im Dax seien wie am Vortag größtenteils auf die Kurspflege von institutionellen Investoren zurückzuführen, sagte ein Frankfurter Händler. Auf Grund des verkürzten Handels - die Frankfurter Börse schließt bereits um 14.00 Uhr - seien die Umsätze im Vergleich zum Vortag nochmals zurückgegangen. Marktbeobachter taxierten das Handelsvolumen auf Xetra am Vormittag in etwa auf ein Viertel eines herkömmlichen Handelstages. Einige Anleger nutzten diesen Umstand aus, um zum Jahresende durch kleiner Kaufträge einige Wert noch künstlich zu verteuern. Technologiewerte profitieren zudem von guten Kurs-Vorgaben aus den USA.
Die Papiere des Bauelementeherstellers Epcos bauten ihre Zugewinne auf 3,35 Prozent bei 55,81 Euro aus und führten damit fortgesetzt den Dax an. Am Vortag waren die Aktien als Tagesverlierer mit einem Minus von 1,84 Prozent aus dem Handel gegangen. Die anderen Technologiewerte Infineon , Siemens , SAP gaben zwar ab, standen aber noch leicht im Plus.
Der Berliner Pharmakonzern Schering peilt im Jahr 2002 eine "Traumbilanz" an und will seinen Nettogewinn auf 1,1 Milliarden Euro steigern. In diesem Jahr werde der Konzern voraussichtlich ein Nettoergebnis von rund 400 Millionen Euro erreichen, sagte Finanzvorstand Klaus Pohle der "Börsen-Zeitung" (Freitagausgabe).
Die Aktie fiel nach gutem Start auf ihr Vortagesniveau bei 59,87 Euro zurück. Denn nicht ganz neu ist: Für das positive Ergebnis im kommenden Jahr sorge zum einen der Verkauf der 24-prozentigen Beteiligung an Aventis Cropscience, sagte Pohle. Hierdurch fließen den Berlinern rund 1,5 Milliarden Euro in die Kasse. Aus diesem Geschäft rechnet Pohl allein mit einem Plus von 650 Millionen Euro für den Nettogewinn. Der operative Gewinn solle um 12 Prozent wachsen.
Das defizitäre Industrie-Geschäft der Allianz soll durch höhere Preise und eine sorgfältigere Auswahl der Kunden bis 2003 profitabel werden. Global gesehen sei der Bereich ein Wertvernichter, sagte der Chef der neuen Sparte "Allianz Global Risks" (AGR), Steve Schleisman, in München. Die Verluste in der Sparte seien selbst für die Allianz nicht mehr tragbar. Dabei müssten künftig auch die Erfahrungen aus den Terroranschlägen vom 11. September berücksichtigt werden. Die Aktie des Allfinanzkonzerns zog zuletzt um 1,80 Prozent auf 264 Euro an.
Schwächste Werte im Dax waren die Papiere von Preussag , die um 1,31 Prozent auf 27,78 Euro fielen und die Aktien des Einzelhandelskonzerns Metro , die um 1,83 Prozent auf 39,76 Euro fielen.
Zocker treiben EM.TV und Intershop
Bei den Wachstumswerte im Nemax 50 sorgten Zocker für Kursgewinne bei Pennystocks und trieben die Papiere an die Spitze des Index. Fundamental neue Nachrichten lagen nicht vor. EM.TV , Intershop , die am Vortag mit einer Umsatzwarnung enttäuschten und Heyde sowie Carrier 1 steigen zwischen 16 und vier Prozent. Aber nicht ein Wert kam dabei über die Markt von 1,50 Euro hinaus.
"Es ist enttäuschend ruhig", sagte ein Händer einer Hamburger Bank. Die Vorgaben für den deutschen Markt seien nämlich "gar nicht schlecht gewesen". Bis auf die übliche Bilanzkosmetik zum Jahresende, gebe es kaum Bewegung.
Da auch die Handelsabteilungen ausgedünnt seien, würden selbst gute Unternehmensnachrichten untergehen. So etwa bei Rhein Biotech . Der Chef des Impfstoffherstellers Daan Ellens hatte in einem Interview angekündigt, das Biotechunternehmen wolle im US-Markt Fuß fassen. Rhein Biotech sei an einer technologischen Zusammenarbeit mit einem US-Partner interessiert, um einen besseren Zugang zur amerikanischen Zulassungebehörde FDA und eine Plattform für klinische Versuche zu bekommen. Die Aktie reagierte auf diese Nachricht zunächst gar nicht und gab zuletzt bei knapp 5000 gehandelten Aktien 4,73 Prozent auf 70,50 Euro nach.