Börse am Vormittag: Lufthansa bricht ein - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Lufthansa bricht ein

Alan Greenspan verabreicht unermüdlich Medizin, und den Patienten drückt die Sorge, er sei ernster krank als angenommen. Der Nemax weitet seine Verluste aus. Im Dax stemmen sich Adidas, Preussag und Commerzbank gegen den Abwärtstrend.
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Zinssenkung verpufft

Frankfurt am Main - Der Dax notierte am Vormittag 1,1 Prozent schwächer auf 6003 Punkte. Der Nemax All Share rutschte um 1,8 Prozent auf 1772 Zähler, der Nemax 50 gab 1,7 Prozent nach.

"Das Geschäft ist relativ lustlos. Es sieht fast so aus, als ob wir nahtlos in das Sommerloch übergehen", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Momentan würden Anleger nur von einer Branche in die nächste umschichten. Auf die Leitzinssenkung in den USA habe der deutsche Aktienmarkt nicht reagiert, denn sie sei so erwartet worden, fügte der Händler hinzu.

Außerdem vergrößern sich die Konjunktursorgen: Die US-Notenbank schließt weitere Zinssenkungen nicht aus. Sie befürchtet, dass die Investitionen weiter nachlassen und auf den privaten Konsum drücken werden. Als Reaktion auf die aggressive Zinssenkungspolitik der US-Notenbank mehren sich auch die Stimmen, die vor einer Inflation warnen.

Die EZB gerät nun unter Druck, ebenfalls mit einer Zinssenkung nachzuziehen. Der Zinssatz, bei denen sich Banken Tagesgeld von der Notenbank leihen, ist in den USA jetzt bei 4 Prozent und damit niedriger als in der Eurozone (4,5 Prozent). Die EZB hatte sich erst in der vergangenen Woche zu einer Zinssenkung um 25 Basispunkte durchgerungen.

Nachdem eine Einigung mit der Pilotenvereinigung Cocpit wieder in weitere Ferne gerückt ist, brach der Aktienkurs der Deutschen Lufthansa ein und fiel in nur eine halben Stunde um rund zwei Prozent. Am späten Vormittag notierte das Papier 1,6 Prozent im Minus.

Die Finanztitel im Dax zeigten sich im frühen Handel vergleichsweise stabil: Die Commerzbank stemmte sich mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent gegen den Abwärtstrend im Index, und die Deutsche Bank gab lediglich 0,2 Prozent ab.

Allianz geriet dagegen mit einem Minus von 1,4 Prozent unter Abgabedruck: Der Versicherungskonzern hatte den Minderheitsaktionären der Berner Versicherungen am Mittwochmorgen ein Angebot für die vollständige Übernahme unterbreitet.

Behauptet zeigten sich lediglich die Aktien von AdidasSalomon (plus 1 Prozent auf 65,70 Euro) und Preussag (plus 0,2 Prozent).

Technologiewerte schwächer

Technologiewerte standen auf der Verkaufsliste der Anleger. Der Technologieindex Nasdaq Composite hatte gestern nur mit einem Plus von 0,18 Prozent geschlossen, nachdem er vor der Zinssenkung noch mit 0,4 Prozent im Plus gestanden hatte. Größter Verlierer unter den Tech-Werten war am Vormittag Epcos mit einem Minus von 2,5 Prozent. Infineon, Siemens, T-Aktie und SAP verloren zwischen 1 und 2 Prozent.

Die Linde AG hat im ersten Quartal ein um 14 Prozent gestiegenes operatives Ergebnis (EBITA) von 124 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Vorsteuerergebnis lag unter den Erwartungen der Analysten. Der Auftragseingang bei Linde erhöhte sich um 2,6 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Die Aktie gab am Vormittag 2 Prozent ab.

Auch die Deutsche Post AG konnte von guten Quartalszahlen zum Handelsauftakt nicht profitieren. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz um rund zehn Prozent, und Konzernchef Zumwinkel will das Rekordergebnis aus dem Vorjahr erneut toppen. Die Aktie tendierte 1,8 Prozent schwächer bei 18,35 Euro.

Neuer Markt: T-Online unter Druck

Am Neuen Markt drücken die Konjunktursorgen noch stärker auf die Kurse. Lediglich International Media und Biodata verbuchten deutliche Kursgewinne. Von 50 Werten im Nemax 50 tendierten am Vormittag 47 schwächer. Telegate, Pandatel und Kinowelt verbuchten herbe Kursverluste.

Der Telefonauskunfts-Dienstleister Telegate meldete einen Quartalsverlust von 15 Millionen Mark und rutschte damit tiefer in die roten Zahlen. Die Papiere stürzten zuletzt um 11 Prozent auf 23,90 Euro ab. Der Datennetz-Spezialist Pandatel büßte 6 Prozent auf 17 Euro ein.

Auch Evotec Biosystems gaben rund drei Prozent nach. Das Biotechnologie-Unternehmen hatte am Morgen Quartalszahlen vorgelegt. Danach kletterte der Umsatz um 440 Prozent auf 11,3 Mio. Euro. Der Nettoverlust habe 40,1 Mio. Euro betragen. Auch das Nemax-Schwergewicht T-Online rutschte um mehr als 5 Prozent auf 11,40 Euro ab.

Asien uneinheitlich

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat sich von der Zinssenkung ebenso wenig beflügeln lassen wie die US-Märkte. Die Warnung Alan Greenspans vor einer weiteren Abkühlung der Konjunktur setzte vor allem exportorientierte Hochtechnologiewerte unter Druck. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte rutschte um 359 Punkte und schloss beim Stand von 13.695 Zählern. Zumindest in Hongkong war die Stimmung freundlicher: Der Hang Seng Index legte zeitweise rund zwei Prozent auf 13325 Punkte zu, wobei besonders die zinssensiblen Finanz- und Immobilienwerte zu den Gewinnern zählten.

Euro legt deutlich zu

Nach der US-Zinssenkung hat sich die Zinsschere zwischen den USA und Euroland wieder geöffnet. Kurzfristige Euro-Anlagen werden damit attraktiver. Der Euro war am Mittwoch Morgen zunächst leicht auf 0,876 Dollar gefallen, zog dann aber deutlich an und wurde zuletzt für 0,8869 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 0,8768 US-Dollar festgesetzt.